Kann es sein, dass Frank Spilker und seine Sterne von vorneherein versucht haben, mit „Wenn es Liebe ist“ ein „richtiges“ Pop-Album zu machen? Das kann schon sein, denn nachdem die Sterne mit der 2024er Kompilation „Grandezza“ ihre komplette musikalische Laufbahn noch mal Revue passieren ließen und dazu eine ganze Frischhalte-Tour auf die Beine stellten, bei der die alten Schlager dann noch mal ordentlich aufgemischt wurden, war es offensichtlich an der Zeit, die zuletzt auf der Bühne vorgestellte, jugendliche Begeisterung mit einer poppigen neuen Songsammlung entsprechend glaubwürdig produktionstechnisch einzufangen – und dabei gewohnt wortgewandt auch kritisch/politisch auf den Zeitgeist bzw. das allgemeine Durcheinander unserer Tage einzugehen.
Freilich wären die Sterne nicht die Sterne, wenn sie die Sache mit der Popmusik geradlinig und gefällig umgesetzt hätten. So kommt das vorab als Single veröffentlichte „Ich nehme das Amt nicht an“ zwar mit einer unwiderstehlichen Hookline daher – bietet aber statt eines hymnischen Refrains eher einen Antiklimax – dafür aber ein wildes Saxsolo. Der ebenfalls als Single ausgekoppelte Titeltrack funktioniert genau umgekehrt: Den spröden/linearen Strophen folgt dann ein wirklich hymnischer Mitsing-Refrain, der tatsächlich so etwas wie angedeuteten Gesang anstelle der akklamativen Sterne-typischen Rezitationen zu bieten hat. Dann ist da noch der durchgängig melodische Track „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“, bei dem in der zweiten Hälfte eine psychedelische Farfisa-Orgel das Kommando übernimmt, die dann zunächst in der Bridge für einen entsprechend bewusstseinserweiternden Space-Trip sorgt, der am Ende dann zu einer fast zweiminütigen, jazzigen Jam-Session ausartet. Und „Es war nur ein Traum“ überzeugt durch psychedelische Schlagerästhetik, die sich aber ebenfalls gefällig mitsummen, -wippen, -tanzen lässt.
Es gibt aber auch ganz andere Tracks wie „GNZRZND“ (in dem ein offensichtlich beschwipster Verehrer zu flockiger Kraut-Motorik jemand ziemlich aufdringlich „ganz reizend findet“), die pulsierende Kaputnik-Nummer „Open Water“ und das mit Vocoder wavig aufgebohrte „Fan von Irgendwas“ (die beide von der Keyboarderin Dyan Valdés vorgetragen werden – ein Mal auf Englisch und ein Mal auf Deutsch) und vor allen Dingen der fast zehnminütige instrumentale Schlusspunkt „Immer noch sprachlos“, mit dem die Sterne alle Hemmungen fahren lassen und demonstrieren, dass sie ihren Syd Barrett wohl mit Gewinn studiert haben und den Krautrock immer noch als essentiell betrachten.
Mag dann ja sein, dass die Sterne auf diesem Album am Ende nichts wirklich Neues auf die Beine stellen – aber sie bieten zumindest von allem ein bisschen und vor allen Dingen immer das Richtige. Dabei zeigen sie mit heiterer Gelassenheit, dass man nicht alles intellektuell übersteuern muss und einen Song auch mal einen Song sein lassen darf. Das tun sie dann mit ansteckender, jugendlicher Frische. Und wenn dem so ist, dann wollen wir mal nichts gesagt haben! (Um das Thema des Titeltracks mal aufzugreifen).
„Wenn es Liebe ist“ von Die Sterne erscheint auf PIAS.




