Mit Soundtracks ist das ja immer so eine Sache – insbesondere dann, wenn der korrespondierende Film noch gar nicht zu begutachten ist. Die Frage ist dann oft die, ob der Soundtrack auch ohne den Film eine musikalische Berechtigung hat und demzufolge auch ohne Bilder funktioniert. Im Falle des nun vorliegenden Projektes ist das aber durchaus der Fall.
Worum geht es? „The Testament Of Ann Lee“ ist der neue Film der Autorenfilmerin Mona Fastvold, die zuletzt durch den prämierten Streifen „The Brutalist“ und den ebenso eindrucksvollen, aber bei uns nicht sonderlich beachteten feministischen Historienfilm „The World To Come“ von sich reden machte. „The Testament Of Ann Lee“ ist eine Art revisionistisches Biopic über das Leben der Gründerin der Freikirche der „Shaking Quakers“ oder kurz „Shaker“ – einer Gruppe aus England in die Kolonien ausgewanderten britischer Fanatiker, die mit ihrer Lehre von der Rückkehr Jesu im Gründungsmythos der USA eine wichtige Rolle spielte.
Das Interessante an diesem Projekt ist der Umstand, dass das Ganze als historisches Musical inszeniert wurde, bei dem auf die durch Visionen und Ekstasen ausgelösten, rituellen Speaking-in-Tongues-Gesänge und -Tänze wie auch auf zeitgenössisches Liedmaterial und Hymnen aus der Zeit der Gründungstage der Shaker zurückgegriffen wurde, die von dem Komponisten Daniel Blumberg (der mit der Regisseurin Mona Fastvold eine symbiotische Verbindung eingegangen ist und alle ihre Filme musikalisch unterlegte) mit drei selbst geschriebenen „Songs“ ergänzt wurde, die von der Hauptdarstellerin Amanda Seyfried und anderen Mitgliedern der Besetzung dann auch vorgetragen wurden – und am ehesten der Vorstellung von erzählerischen Musical-Nummern entsprechen.
Musikalisch ist das eingebettet in Kompositionen (und Klanginstallationen) in einem Umfeld aus archaisch angelegten folkloristischen Arrangements (vor allem mit Schlägel-Instrumenten) auf der einen Seite und fast Dreampop-artigen Soundscapes, bei der dann auch elektrische Gitarren und ein Streicherensemble zum Einsatz kommen – und auf der anderen, die die liturgische Ausrichtung des Materials vor allen Dingen in den Chorpassagen betonen. Zusammengehalten wird das Ganze mit hörspielartigen Soundbytes aus dem Film, die dann wieder eigenes Kopfkino entstehen lassen. Abschließend beurteilt werden kann das Ganze natürlich erst im Zusammenhang mit dem Film – aber bis dahin sorgt der Soundtrack für eine ziemlich einzigartige Hörerfahrung.
„The Testament Of Ann Lee“ von Daniel Blumberg erscheint auf Mute/PIAS.




