Dass das dritte Album der ursprünglich aus Virginia stammenden Songwriterin Jana Horn keinen eigenen Titel braucht, hängt damit zusammen, dass es sich hier um ein Selbstporträt in Form einer Bestandsaufnahme ihres ersten Jahres in New York handelt, wohin sie aus dem beschaulichen Charlottesville gezogen war und wo sie seither ihre Basis hat. Dass das Werk dann im texanischen Sonic Ranch-Studio eingespielt wurde, hatte nur logistische Gründe, denn dort lebt Jana’s Mutter, die diese krankheitsbedingt betreute.
„Jana Horn“ ist aber in jeder Beziehung eine New York-Scheibe geworden. Nicht nur, weil Jana hier ihre Erlebnisse, Seinszustände und Emotion ihrer Zeit in New York anhand kleiner Anekdoten chronologisiert, sondern insbesondere auch aufgrund der fast schon avantgardistischen musikalischen Umsetzung. Sicher: Strukturell ist das Ganze schon irgendwie eine Art meditativer Avant-Folk-Scheibe geworden – aber eine mit einer liberalen Auslegung des Slowcore-Gedankens und der Arrangements. Neben Bassistin Jade Guterman (die nur gelegentlich in die Saiten greift und Töne einfach Töne sein lässt) und Drummer Adam Jones (der klingt als sei er bei Jim White von den Dirty Three in die Lehre gegangen) sind es vor allen Dingen die Beiträge der New Yorker Avantgardistin Adelyn Strei, die mit Flöte und Klarinette ambientmäßige Klangflächen erzeugt, die punktuellen Akzente des Pianisten (und Songwriter-Kollegen) Miles Hewitt und nicht zuletzt Jana Horns teils ungewöhnliche, lautmalerische Gitarrenarbeit die den Rahmen für ihren wehmütig/beruhigenden Sprechgesang bilden.
Nicht umsonst beginnt die Scheibe mit der Textzeile „Nothing prepares you for this (or is a cure)“ des Openers „Go On, Move Your Body“ (gleichwohl die Zeile gar nicht auf die Musik bezogen ist), denn mit ihrer ungewöhnlichen Art der meditativen Präsentation sprengt Jana Horn – ob bewusst oder unbewusst – den Rahmen des Gewöhnlichen. All diese Bemühung stehen übrigens nicht im Zeichen des Storytellings, der Songstruktur oder gar der Melodie, sondern dienen der atmosphärischen Illustration von Emotionen und Sentimenten – auch wenn im Idealfall – etwa bei der Single-Auskoppelung – „All In Bet“ oder der Folk-Vignette „Love“ – gelegentlich alle Elemente in idealer Weise in Form von memorablen Song-Momenten zusammen kommen. Das ist dann aber eher die Ausnahme: Wie etwa ihre kanadische Kollegin Tamara Lindeman mit ihrem Projekt The Weather Station sucht (und findet) Jana Horn die spirituelle Erhebung in der Transzendenz – auch wenn sie dafür vergleichsweise weniger Aufwand betreibt. Das erzeugt dann eine Art von hypnotischer Faszination, der sich dann auch der Hörer nicht entziehen kann.
„Jana Horn“ von Jana Horn erscheint auf No Quarter/Cargo.




