Eines ist schon nach wenigen Takten von „III“, dem ersten Pullmann-Album seit 25 Jahren, klar: Ken „Bundy K.“ Brown (Bastro, Gastr Del Sol, Tortoise, Directions in Music), Curtis Harvey (Rex), Chris Brokaw (Codeine, Come), Doug McCombs (Tortoise, Eleventh Dream Day, Brokeback) und Tim Barnes (Silver Jews, Jim O’Rourke) haben nicht vor, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen oder gar in Nostalgie zu schwelgen.
Nach dem von den zarten Akustikklängen eines John Fahey oder Leo Kottke inspirierten Debütalbum „Turnstyles & Junkpiles“ von 1998 und dem mit Schlagzeug und elektrischen Gitarren breiter aufgestellten Nachfolger „Viewfinder“ (2001) ist „III“ spürbarer in der Post-Rock-Welt zu Hause, der die meisten Protagonisten dieser Supergroup entstammen. Atmosphärische Dichte ist dem Quintett dabei wichtiger als große Gesten.
Die Keimzelle für die Rückkehr Pullmans war eine niederschmetternde Nachricht. 2021 wurde beim erst 54-jährigen Barnes Alzheimner diagnostiziert, doch anstatt sich zu verkriechen, wollte der Schlagzeuger die ihm bleibende Zeit dazu nutzen, noch möglichst viel neue Musik einzuspielen. Mit Brown an seiner Seite entstanden zwei Solo-Alben mit vielen alten Weggefährten wie Alan Licht, David Grubbs oder Wilcos Glenn Kotche, und von dort aus war es nicht mehr weit zu Pullmans drittem Werk.
Zwar gibt es mit „Thirteen“ und dem nur 46-sekündigen „Valence“ auf der LP auch Songs, die klanglich einen Bogen zurück zu den ersten Platten schlagen, im Mittelpunkt aber stehen Lieder wie „Weightless“ und das sich über fast 14 Minuten erstreckende „October“, mit dem Pullman die Lücke zwischen Post-Rock und Ambient schließen und auf behutsam aufgeschichteten Gitarrenwolken sanft dem Alltag entschweben.
„III“ von Pullman erscheint bei Western Vinyl/Cargo.




