Das offizielle Debüt-Album „Dreamer+“ der norwegischen Musikerin Sunniva Lindgård a.k.a. Sassy 009 steht am vorläufigen Ende eines längeren Entwicklungsprozesses, in dem sich die Produzentin, Songwriterin und Sängerin aus Oslo in verschiedenen Disziplinen und Konstellationen ausprobierte und sich entschloss, das Debüt-Album zusammen mit Live-MusikerInnen einzuspielen anstatt sich “im Chaos von 200 Ebenen” zu verlieren – wie sie selbst sagt. Dazu wählte sie dann das Medium des Konzeptalbums, mit dem sie die fiktive Geschichte einer Beziehung zwischen sich selbst und einem Charakter namens Yakov schildert, dem sie auf einer mystischen Reise in eine imaginäre Unterwelt folgt – und dabei die Tradition des Themas von Orpheus und Eurydike in eine Cyberpunk-Neuromancer-Traumwelt folgt.
Ihre kryptischen Psycho-Lyrics trägt sie dabei mit einer mit Effekten unterlegten Cyborg-Stimme vor, die als Leuchtfeuer in einer See aus düsteren, Industrial-Electro-Soundscape Elementen dient. Musikalisch fühlt sich Lindgård dabei an keinen bestimmten Stil gebunden. Im Wesentlichen basieren die meisten Tracks auf einer Neuauslegung des Drum’n’Bass-Genres – indem die Stücke auf Live-Drums und (elektronischen) Bassläufen basieren. Alles andere – Synthie-Elemente, gesampelte und live gespielte (Grunge-)Gitarren, Field-Recordings und Noise-Elemente – ist eher atmosphärisches Beiwerk. Es ist dann letztlich Lindgårds Aufgabe als Performerin, Melodien und Songstrukturen aus dem Material hervorzukitzeln.
Das Ganze reichert Lindgård dabei mit Referenzen an Stilistiken wie R’n’B, Hip Hop, Dreampop, Alt-Rock und ansatzweise EDM an (obwohl das Album wegen der vielen Stops & Go’s nur bedingt für Tanzhaus-Einsätze geeignet erscheint). Abgerundet wird das Projekt durch sorgsam eingewobene Gastbeiträge von Dev Hynes a.k.a. Blood Orange, Bea1991 und der irischen E-Pop- und Dance-Spezialistin Asha Catherine Nandy a.k.a. Yunè Pinku. Kurzum „Dreamer+“ ist Dystopia-Pop in Reinkultur. Zum Glück sucht Sunniva Lindgård gar nicht erst nach einem Anker in der realen Welt und belässt es bei der nicht ganz so subtilen, eskapistischen – aber effektiven – Science Fiction Note ihres Projektes.
Ein Track fällt dabei allerdings aus der Rolle: Die Piano-Ballade „Ruins Of A Lost Memory“ schrieben dereinst Sunnivas Eltern als angedachten Beitrag für den Eurovision Song Contest – und diesen recycelt sie dann als Memento Mori für den besungenen Yakov, der im Verlaufe der erzählten Geschichte irgendwann verstorben ist.
„Dreamer+“ von Sassy 009 erscheint auf Pias Eletronique.




