Die jungen Wilden kommen! In den letzten fünf Jahren haben The Molotovs eindrucksvoll bewiesen, dass eine Band auch heute noch auf die ganz altmodische Weise groß rauskommen kann.
Anstatt zu Hause zu hocken, sich den Kopf über TikTok-Strategien zu zerbrechen und auf den viralen Durchbruch zu warten, hat das Londoner Geschwister-Duo der Pandemie zum Trotz in den letzten fünf Jahren sage und schreibe mehr als 600 Konzerte absolviert. Dabei haben sie ganz nebenbei bewiesen, dass Rock längst noch nicht tot ist. Genau das spiegelt nun auch ihr mitreißendes Debütalbum wider.
Ältere Semester dürfen sich auf „Wasted On Youth“ schon bei den ersten Takten an die wuchtige Energie von Mod-Heroen wie Small Faces und The Jam erinnert fühlen, wenn die beiden Teenager Issey und Matthew Cartlidge den hochmelodischen Jangle-Sound von gestern mit einer ordentlichen Portion Zeitgeist-Garagen-Rock in die Gegenwart katapultieren. Gleich beim Opener „Get A Life“ ist kein Ton verschwendet: The Molotovs fallen mit der Tür ins Haus, und weniger als zwei Minuten Ohrwurm-Schocktherapie später ist die Nummer auch schon wieder vorbei.
Auch Songs wie „More More More“ oder „Popstar“ funktionieren nach diesem seit Jahrzehnten unschlagbar simplen Erfolgsrezept, doch Issey und Matthew können und wollen mehr, als ihrem Publikum nur mit unbändiger Live-Power und unwiderstehlicher Dynamik direkt ins Gesicht zu springen.
So stehen etwa bei „Nothing Keeps Her Away“ Akustikgitarren und zuckersüßer Harmoniegesang im Vordergrund, wenn Matthew stimmlich seine beste Paul-Weller-Imitation abliefert und der sentimentale Vibe sicher auch Ray Davies von den Kinks gefallen würde.
Passend zum Titel „Wasted On Youth“ drehen sich diese elf Songs um Selbstermächtigung und Entschlossenheit, vergessen aber trotz eines durchaus vorhandenen Sendungsbewusstseins nicht, dass die Freude am Musikmachen stets im Mittelpunkt steht.
Die alten Werte verkörpern The Molotovs allerdings nicht nur musikalisch. Die Band trägt betont stylische Retro-Outfits, gibt sich bei ihren Ansagen auf der Bühne und in Interviews erfrischend direkt und ehrlich und trifft so nicht nur klanglich immer den richtigen Ton. Über jeden Zweifel erhabene Legenden wie The Libertines, Blondie, Sex Pistols und sogar Iggy Pop sind bereits Fans (und haben The Molotovs als Support eingeladen), und mit „Wasted On Youth“ tut die Band alles dafür, dass das erst der Anfang ist!
„Wasted On Youth“ von The Molotovs erscheint auf Marshall Records/Bertus.




