So klingt es, wenn eine Band alles richtig macht! Für sein zweites Album, „Immer alles gleichzeitig“, nutzt das Leipziger Indie-Pop-Quartett Kapa Tult sein feines, vor drei Jahren veröffentlichtes Debütalbum„Es schmeckt nicht“ als Sprungbrett, um betont organisch neue Facetten am eigenen Tun zu entdecken.
Anders als bei so vielen anderen Bands heute, für die ein DIY-Indie-Debütalbum oft nur ein lästiger, aber notwendiger erster Schritt in die popmusikalische Beliebigkeit zu sein scheint, darf man bei Kapa Tult das Gefühl haben, dass Inga, Angi, Robin und Raphael sehr genau wissen, was sie gut und stark macht.
Genau das spielen sie auf ihrer neuen LP ganz lässig aus, zumal die Platte mit Produzent Moses Schneider in nur fünf Tagen eingespielt wurde und so echtes Bandfeeling in den Mittelpunkt rückt. Neben Indie-Pop-Flair bleibt deshalb auch noch viel Platz für wuchtige Punkrock-Attitüde, wenn es von leichtfüßigen Hooks zu einem crunchy Grunge-Sound oft nur ein Katzensprung ist.
Statt 08/15-Keyboard-Sounds sorgt nun bei vielen Songs eine Orgel für die besondere Note im Dunstkreis von New Wave und NDW, und auch die Tatsache, dass Inga nun nicht mehr die alleinige Leadsängerin ist, sorgt für Abwechslung, wenn die Band auf den Schultern von Ideal und Wir sind Helden ihren eigenen Weg findet.
Dass Kapa Tult durchaus in der Lage sind, echte Mitsing-Hymnen zu schreiben, hatten sie in der Vergangenheit schon mit Songs wie „1/2 Cappuccino“ oder „Straßenbahn“ bewiesen, und auch auf „Immer alles gleichzeitig“ finden sich mit „Niemand“ oder „Es bringt mir nichts“ gleich eine ganze Reihe Ohrwürmer, die massenhaft Pop-Appeal besitzen und mit memorablen Textzeilen auftrumpfen, ohne sich deshalb dem Mainstream ungeniert an den Hals zu werfen.
Dass Kapa Tult das nicht vorhaben, unterstreichen auch die herrlich unverkrampften Texte, mit denen die vier ehrlich, unverfälscht und gerne mit ordentlich Sarkasmus Geschichten mitten aus dem (Band-)Leben erzählen. Dabei steht zwischen Romanze, Raststättentoiletten und Reizüberflutung nicht zuletzt der konstante Kampf im Mittelpunkt, dem man sich ausgesetzt sieht, wenn sich selbst die realistischsten Wünsche so gar nicht mit der Realität vereinbaren lassen.
Um es in vier Worten zusammenzufassen: Eine ganz tolle Platte!
„Immer alles gleichzeitig“ von Kapa Tult erscheint auf Ladies & Ladies/Broken Silence.




