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Exploding into Space
Better safe than sorry: Der letzte Versuch von The Besnard Lakes in NRW auf der Bühne zu stehen, scheiterte vor vier Jahren in den Nachwehen der Pandemie am schlechten Kartenvorverkauf für das geplante Konzert im Kölner Blue Shell. Für das einzige Deutschland-Konzert ihrer aktuellen Gastspielreise kehren die kanadischen Space-Rock-Giganten deshalb bei freiem Eintritt in die Haldern Pop Bar zurück – und können trotz vieler widriger Umstände vom ersten Ton an begeistern.
The Besnard Lakes haben die Haldern Pop Bar in guter Erinnerung. Vor etwas mehr als zehn Jahren hatte das Quintett aus Montreal hier einen denkwürdigen Abend erlebt, der nach einem mitreißenden Konzert und einer feuchtfröhlichen Aftershow-Party erst in den frühen Morgenstunden zu Ende gegangen war.
Dass es dieses Mal nicht ganz so wild wird, hat seine Gründe: Bassistin und Sängerin Olga Goreas geht wegen eines gebrochenen Fußes im wahrsten Sinne des Wortes am Stock, Gitarrist und Sänger Jace Lasek muss, geschwächt von einer Lebensmittelvergiftung, das ganze Konzert über sitzen anstatt wie üblich zu stehen und außerdem zwingt die winzige Location zwei der fünf Musikerinnen und Musiker dazu, sich vor der Bühne aufzubauen.
Eigentlich keine guten Voraussetzungen für einen rauschenden Konzertabend, aber davon lässt sich eine Band vom Kaliber The Besnard Lakes natürlich nicht abschrecken – zumal die Haldern Pop Bar wirklich rappelvoll ist.
Selbst die schöne Floskel, dass die Band nur eine Armlänge vom Publikum entfernt ist, passt an diesem Abend nicht: Leadgitarrist Gabriel Lambert und die schwedische Tourkeyboarderin Erika Angell – die etatmäßige Frau an den Tasten, Sheenah Ko, tritt nach der Geburt ihres Kindes kürzer – trennt tatsächlich nur eine Handbreit von den Menschen in der ersten Reihe.
Überhaupt sind die Bezzies mit bemerkenswert viel Equipment angetreten, oder wie Lasek es lachend ausdrückt: „Immer, wenn ich hinter meinen Verstärker greife, ist da eine neue Gitarre!“ Das einzige Bandmitglied, das einigermaßen normale Arbeitsbedingungen vorfindet ist deshalb Schlagzeuger Kevin Laing, dessen Drumkit fast die Hälfte des Bühnenpodest einnimmt.
Das Set beginnt – eine Parallele zum letzten Gastspiel vor einem Jahrzehnt – mit dem Klassiker „Like The Ocean, Like The Innocent“, aus dem bis heute ungeschlagenen Album „The Besnard Lakes Are The Roaring Night“ von 2010. Es ist ein monumentaler Beginn, bei dem Laseks zum Niederknien schöner Falsettgesang in eine beeindruckende Klangflut von Spiritualized’schen Ausmaßen eintaucht, die kurzerhand alles mit sich reißt.
Facettenreich geschachtelt, streifen die fünf danach alles, was in den letzten sechs Jahrzehnten zwischen Progressive Rock, Shoegaze und Psychedelic-Pop zeitlos schön war und faszinieren dabei immer wieder mit sich langsam steigernder Intensität, wenn die Gitarren einen turmhohen Wall of Sound bauen, für den die Haldern Pop Bar eigentlich viel zu klein ist.
Kontrapunkte setzen derweil luftige Songs wie „Carried It All Away“ oder „Give Us Our Dominion“, die unterstreichen, wie ernst es den Bezzies damit war, auf ihrem feinen aktuellen Album „The Besnard Lakes Are The Ghost Nation“ nach Ausdrucksmöglichkeiten abseits der Rock-Wucht Ausschau zu halten. Eines aber haben alle Lieder gemein: Sie sind spannend, abwechslungsreich, hypnostisch – und am Ende vergeht die Zeit wirklich wie im Fluge.
Anders als bei so vielen Konzerten heutzutage ist der Auftritt nicht nur ein Showcase für das aktuelle Album. Aus immerhin sechs der acht Studiowerke der Band stehen Songs auf der Setlist, darunter auch das unwiderstehliche „Tungsten 4 – The Refugee“ von der LP „A Coliseum Complex Museum“ aus dem Jahre 2016, das sich ganz am Ende unwiderstehlich eingängig die die Gehirnwindungen der Anwesenden frisst.
Noch schöner wäre es gewesen, wenn das Konzert nicht bereits nach elf Songs und 65 Minuten ohne Zugabe geendet hätte, sondern wie sonst bei The Besnard Lakes üblich erst nach knapp zwei Stunden. Aber den Haldernern ist ihre 22.00 Uhr-Curfew nun mal heilig!
















