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Mit seinem letzten Album „Mushroom Cloud“ von 2024 hatte der irische Wahlberliner A.S. Fanning wohl seinen thematischen Tiefpunkt erreicht. Zwar mit einem Augenzwinkern sang er damals vom Dasein im Schatten von Atompilzen, dem Wandeln am Rande des Abgrundes und dem alltäglichen Wahnsinn einer sich nicht eben zum Guten wandelnden Welt. Im Vergleich dazu klingt sein neues Album „Take Me Back To Nowhere“ geradezu stoisch. Ursprünglich hätte das Album zwar „Greetings From The Depths Of Confusion“ heißen sollen, allerdings entschied sich Fanning stattdessen, den (im Vergleich neutralen) Zustand des „Nichts“ nostalgisch verklärt als erstrebenswerter als den Kampf gegen die Verwirrung anzustreben. Mehr noch: Mit den beiden Tracks „Now I’m In Love“ und „Romance“ beschäftigt sich Fanning sogar mit Themen wie Liebe und Romantik – bzw. dann auch mit deren Problemen.
Dass das Album, mit dem A.S. Fanning nun auf große Europa-Tour geht, musikalisch in eine für ihn neue, elektronischere Richtung geht, hat allerdings nichts mit dem gegenwärtigen Mindset zu tun – sondern damit, dass er sich bei einem Sturz vom Fahrrad das Handgelenk gebrochen hatte und deswegen während der Produktion des neuen Albums im schwedischen Studio von Produzent Robbie Moore nicht mehr Gitarre spielen konnte. Bevor es nun mit seiner bewährten Band auf Tour auch durch unsere Breiten geht, hatten wir noch die Gelegenheit, Fanning unsere zehn Fragen zu stellen.
1. Was ist deine Definition von „guter Musik“?
Musik bedeutet mir viel – auf viele verschiedene Arten. Manchmal fühlt sie sich einfach notwendig an, manchmal wie ein Luxus. Man kann mit der Musik am besten seine Gefühle vermitteln und man lernt auch viel über sich selber. Deswegen ist meine Definition von guter Musik Musik, die ich selbst genießen kann. Es gibt keine Möglichkeit, das genauer zu beschreiben.
2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?
Ich habe viel experimentelle elektronische Musik gehört – etwa Laurie Spiegels Album „The Expanding Universe“ von 1980 und ich habe viel Mort Garson gehört – einem frühen Synthesizer-Spezialisten. Er hat ein Album namens „The Wozard Of Iz: An Electronic Odyssey“ gemacht, das eine elektronische Parodie auf den Film „The Wizard Of Oz“ war und ich mag auch sein Album „Mother Earth’s Phantasia“. Ich wollte mit meinem neuen Album ja vor allem ein Gefühl des Seltsamen vermitteln – und da boten sich dann Science-Fiction-Elemente als Tor in eine andere Welt als Referenzen geradezu an.
3. Warum sollte jeder deine neue Veröffentlichung kaufen?
Niemand soll irgendetwas kaufen.
4. Was hast du dir von deiner ersten Gage als Musiker/-in gekauft?
Keine Ahnung – aber es kann nicht viel gewesen sein. Ich habe als Kind schon angefangen, Musik zu spielen und dann den Hut herumgereicht. Vermutlich habe ich mir also Süßigkeiten gekauft.
5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass du Musiker/-in werden wolltest?
Nein, es gab keinen bestimmten Auslöser – eher so ein Gefühl. Es war immer Musik um mich herum, als ich aufwuchs – und das hat sich dann irgendwann auch in meinem Kopf verfestigt. Mein Vater war auch ein Musiker – und ich bin da langsam hineingewachsen.
6. Hast du immer noch Träume – oder lebst du den Traum bereits?
Die Antwort zu beidem ist „Nein“.
7. Was war deine größte Niederlage?
Das passiert täglich – wenn mein Ego erschüttert wird. Ich kann da gar nicht einen bestimmten Moment herauspicken. Ich denke, man muss einfach generell demütig bleiben.
8. Was macht dich derzeit als Musiker/-in am glücklichsten?
Glücklich? Hm. Ich denke, mit der Band zu spielen. Das hat sich auf dem letzten Album allmählich angebahnt und heute verstehen wir uns bestens und die Musiker tragen zu meinen Ideen bei. Heute genieße ich es einfach, mit den Jungs auf der Bühne zu stehen und zuzuschauen, wie sie meine Songs besser spielen können als ich selber. Es gibt viel Freiheit dabei, denn sie wissen ja viel besser als ich, was als nächstes passiert. Darüber brauchen wir dann auch gar nicht mehr zu sprechen.
9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?
Ach, es gibt so viele schreckliche Songs – aber ich möchte jetzt gar nicht weiter darauf eingehen und jemanden anschwärzen. Ich habe auch eine eher zynische Einstellung zu AI-Musik – denn die AI arbeitet ja auch nur mit Mustern – wie eigentlich wir Künstler auch. Mag sein, dass sie jetzt noch schlechte Songs fabriziert – aber irgendwann wird sie also auch gute Songs schreiben.
10. Wer – tot oder lebendig – sollte auf deiner Gästeliste stehen?
Louis Armstrong. Ich würde mich gerne mal mit Louis nach einem Gig unterhalten. Louis war ein Favorit meines Vaters – denn er war ein großer Jazz-Fan – und so habe ich eine Menge über ihn gelernt, als ich aufgewachsen bin. Louis nimmt also als titanische Figur bis heute einen großen Raum in meiner Vorstellung ein. Ich habe ja sogar einen Song über Louis auf meinem Album „Second Life“.
„Take Me Back To Nowhere“ von A.S. Fanning erscheint auf K&F Records/Broken Silence.




