Wenn es da in der Bio heißt, dass das neue Notwist-Album „News From Planet Zombie“ das erste seit dem 1995er Werk „12“ sei, das die Band um die Acher-Brothers mit den aktuellen Live-Musikern und Gästen gemeinsam live im Studio eingespielt hat, dann erklärt das zum einen den organischen Band-Sound und das spielfreudige Miteinander der Beteiligten – macht aber zum anderen auch deutlich, dass die im Detail grundsätzlich unberechenbare stilistische Ausführung des Ensembles nach Jahren der Experimentierlust – etwa mit Elektronika und den zahlreichen Soundtrack-Arbeiten – einer musikalischen Bodenständigkeit gewichen ist, die man tatsächlich aus den Anfangstagen der Band kennt – als es darum ging, dass der damals überraschende Mix aus Krautrock, Indie-Pop, Punk- und Metal-Elementen und bayrischem Mutterwitz noch neu war.
Der kollaborative Charakter der Produktion – bei der die zuvor geschriebenen Songs innerhalb einer Woche erst im Studio von allen Beteiligten arrangiert, ausgearbeitet, geprobt und eingespielt wurden – führt zu einem breit gefächerten musikalischen Angebot und zu einem im Vergleich eher rauen Klangbild. Da darf dann geschrammelt und gepoltert werden, was das Zeug hält – und es wird erstaunlich viel geschrammelt und gepoltert, auch wenn der Tenor des Albums ein eher lyrischer ist und sich vieles um versöhnliche, folky arrangierte Balladen dreht (wie zum Beispiel die als Single ausgekoppelte Moritat „Projector“ eine ist).
Auch der Krautrock-Bereich wird in Songs wie „Propeller“, „The Turning“ oder „Xray“ wieder ausgiebig bedient – mit der notwendigen Unerbittlichkeit, aber auch mit versöhnlicher Melodik unterlegt. Der Charme liegt dann sowieso darin, den Klangkörper mit unerwarteten Zutaten (Klarinetten, Harmonium, Farfisa-Orgel, Xylophon und ein bisschen homöopathischer Elektronika) anzureichern. Der Live-Charakter der Aufnahmen wird dann durch die ungeschliffenen Ecken, die so etwas mit sich bringt, noch mal betont. Und um es mit den Worten von Steve Wynn zu sagen: Wenn es um Musik geht, ist Perfektion ja sowieso nicht gut genug.
Der weitestgehend nachdenklich/stoische Charakter, mit der The Notwist hier insbesondere die Balladen präsentieren – mal folky „Where We Used To Be“, mal psychedelisch „Teeth“ und mal gar mit minimalmusikalischen Referenzen wie bei der abenteuerlich verdrehten Version des obskuren Neil Young-Covers „Red Sun“ -, hängt wahrscheinlich mit dem Thema bzw. Leitmotiv des Albums zusammen – bei dem es darum geht, in einer zunehmend komplexeren, verstörenden, irritierenden Welt zurecht kommen zu müssen, in der alte Regeln und Gewissheiten schlicht nicht mehr existieren und die Politik zu einem Drohbild auszuarten droht. Die beste Chance, sich mit der Zombie-Welt zu arrangieren, ist laut der Achers dann der, das Heil in der Gemeinschaft zu suchen und nach vorne zu schauen, anstatt der vermeintlich besseren Vergangenheit nachzutrauern – auch so eine Metapher, die auf die Produktionsweise des Albums zutrifft. In dem Sinne ist wahrscheinlich der Song „Like This River“ der Schlüsseltrack des Albums – denn der besungene Fluss fließt – unbeeindruckt von dem Gewusel um ihn herum – einfach immer weiter in Richtung Zukunft.
„News From Planet Zombie“ von The Nowtist erscheint auf Morr Music/Indigo.




