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Als Elfi Wildgrube und Fabian Melfort im letzten Jahr – ziemlich überraschend aber mit voller Wucht – mit ihrem Projekt Elfi in der Berliner Live-Szene aufschlugen und sich dabei als performerische Naturgewalten empfahlen, waren sie selber überrascht vom allgemeinen Zuspruch der Fans und der Presse. Gerade erst hatten sich die jungen Musiker bei gemeinsamen Jam- und Songwriter-Sessions kennen und schätzen gelernt und eine Handvoll von Songs zusammengestellt, die wie ein frischer Wind durch die klassische Deutschpop-Szene fegten, da vermittelte der Songwriter-Kollege und Fan Tristan Brusch dem Pärchen einen Deal beim engagierten Staatsakt-Label. Im Februar des Jahres erschien dann bereits die erste Songsammlung als EP mit dem trefflichen Namen „Emo Deluxe“ (womit nicht der Musikstil gemeint ist, sondern der Mehrwert an Emotionen, den Elfi in ihre Musik investieren).
Zurzeit arbeiten Elfi und Fabian mit ihren Band-Musikern an ihrem Debüt-Album und bereiten sich mit einem Auftritt beim c/o Pop-Festival auf die Festival-Saison (und den nationalen Headliner-Durchbruch) vor – und müssen angesichts des vorgelegten Tempos sogar darauf achten, sich nicht etwa selbst zu überholen. Die unbefangen freigeistige Art, mit der sie musikalisch alles verwurschteln, was ihnen gefällt und Spaß macht, hat schon des Öfteren dazu geführt, dass Elfi – die Band – als legitime Nachfolger von Wir sind Helden propagiert werden. Grund genug, Elfi und Fabian unsere zehn Fragen zu stellen – so lange noch die Möglichkeit dazu besteht.
1. Was ist eure Definition von „guter Musik“?
Elfi: Musik, die berührt.
Fabian: Musik, die ehrlich und authentisch ist. Was ich so höre, ist, dass es heute oft um ein bestimmtes Verstellen geht, um ein bestimmtes Bild zu erfüllen und etwa bestimmte Gesangsarten zu wählen. Für mich verliert das dann an Authentizität, wenn man versucht, wie jemand anderes zu klingen und in einem bestimmten Stil zu singen. Wenn man sich zu sehr verbiegt, um die Massen zu gewinnen, dann verliert man eben an Authentizität – und das muss man dann vermeiden.
2. Was war der wichtigste Einfluss bei den Aufnahmen zur neuen Veröffentlichung?
Elfi: Unsere Trennungen. Wir sind nämlich beide aus langjährigen Beziehungen gekommen. Wir haben uns da so eine Art Therapie-Session verordnet und stundenlang über unsere Musik geredet. Oft kam ich mit irgendwelchen Textfetzen und Fabian hat dann hinterfragt, was ich damit sagen will oder ob ich nicht etwas anderes ausdrücken wolle, und das war wie ein super schönes Gespräch – einfach wie eine Therapie-Session.
Fabian: Diese Parallelität war es dann auch, was uns inspiriert hatte. Wir konnten uns beide auf die Texte beziehen – und deswegen waren es nicht einfach nur Elfis Songs. Ich finde es auch schön, Texte zu schreiben, wenn man so etwas erlebt hat, denn dann muss man die ganze Gefühlswelt ergründen und jede einzelne Nuance ein Mal erkundet haben, um zu sehen, was man davon für das Metrum und die Reime nehmen kann, damit es auch musikalisch und technisch passt. Musikalisch würde ich sagen, dass das, was wir geteilt haben, klassische Indie-Einflüsse wie die Strokes waren, aber auch eine Prise Midwest-Emo und Shoegaze, die wir für uns entdeckt haben – das ist aber erst in der zweiten Hälfte der Aufnahmen gekommen.
Elfi: Stimmt – am Anfang fanden wir die Düsseldorf Düsterboys toll und International Music vom Gefühl und den Texten her. Ich finde, dass unsere Songs „Ich komm nicht von dir los“ und „Kottbusser Damm“ vom Gefühl her sehr ähnlich angelegt sind.
3. Warum sollte jeder eure neue Veröffentlichung kaufen?
Elfi: Also ich glaube halt, dass „Emo Deluxe“ sehr nahbar ist. Jeder kann sich darauf beziehen. Man kann sich das immer anhören und dadurch, dass es so viele verschiedene Songs und Gefühle gibt, kannst du sowohl etwas Schwereres wie „Laufen“ finden, wie auch etwas Leichteres wie „Kottbusser Damm“. Das ist also sehr vielseitig wie auch gut verdaulich – auch wenn die Musik etwas experimenteller angelegt ist.
Fabian: Ich mag ganz gerne, wie die EP aufgebaut ist. Die beginnt nämlich fröhlich und hört auch fröhlich auf – und dazwischen sind die dunkleren Stimmungen eingefangen. Die EP ist so wie eine Reise, die man durchlebt.
4. Was habt ihr euch von eurer ersten Gage als Musikschaffende gekauft?
Fabian: Ich glaube, einen Synthie – den wir seither auch eifrig nutzen.
Elfi: Re-Investieren ist immer wichtig – in Pedals, Miete und sowas…
5. Gab es einen bestimmten Auslöser dafür, dass ihr Musikschaffende werden wolltet?
Elfi: Mir wurde immer schon von meinen Eltern gesagt, dass ich ein „Darstellungsmensch“ sei und irgendetwas mit „Bühne“ machen sollte. Ich finde mich auch auf der Bühne extrem wohl und wollte immer Schauspielerin oder Musikerin werden und dann dort sein. Ich habe sieben Geschwister – und alle spielen ein Instrument. Wir haben auch bei jeder Weihnachtsfeier und jeder Osterfeier zusammen musiziert. Das war für mich immer ganz natürlich, Musik zu machen.
Fabian: Bei mir war das ähnlich. Es ist ja auch immer der familiäre Kontext wichtig. Ich glaube, bei mir, was es als ich mit sechs „Jetzt kommt der Weihnachtsmann“ am Klavier gespielt hatte, dass ich einen kleinen Rush bekommen habe und mir klar wurde, dass mir das mit der Musik viel Spaß machen würde.
6. Habt ihr immer noch Träume – oder lebt ihr den Traum bereits?
Elfi: Wir sind ja noch total am Anfang. Aber wir sind schon stolz darauf, dass wir in dem einen Jahr, in das wir so richtig rein-investiert haben, schon so gute Rückmeldungen bekommen haben, auf vielen coolen Events sein durften, für Acts wie Die Sterne eröffnen, auf Festivals spielen konnten und im Radio gespielt wurden.
Fabian: Ich weiß nicht, ob das mein Lebenstraum ist, denn ich wollte ja sowieso immer auf der Bühne stehen, aber mich hat es schon überrascht, wie schnell das jetzt alles ging. Das ist also auf jeden Fall bereits ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist – aber wir sind noch im Prozess des Erfüllens.
7. Was war eure größte Niederlage?
Elfi: Dadurch, dass wir unser erstes Konzert als Band erst vor einem Jahr gespielt haben – und direkt nach dem Konzert schon das Label Staatsakt auf uns zu kam, ging das alles so schnell, dass es noch keine richtige Niederlage gab.
Man wünscht sich ja immer mehr – so hätte ich mir gewünscht, dass einer unserer Songs noch mehr Reichweite bekommt und in der richtigen Playlist landet, um die richtigen Hörer zu erreichen. Aber das ist ja keine Niederlage.
8. Was macht euch derzeit als Musikschaffende am glücklichsten?
Elfi: Live zu spielen und wenn wir einen Song schreiben und beim ersten Spielen dann festzustellen, dass der toll ist und gut funktioniert.
Fabian: Genau – der Schreibprozess. Wenn wir einen Song schreiben, ist das schon cool – aber der Euphorie-Moment kommt dann, wenn wir ihn in die Band hineintragen und es klickt und plötzlich explodiert.
9. Welches ist das schlechteste Lied, das je geschrieben wurde?
Fabian: Das ist aber eine schwierige Frage. Allgemein würde ich sagen, dass es in den 10er Jahren die Musik qualitätsmäßig schon ziemlich runtergegangen ist. Aber ich weiß einen Song: „How It Is (Wap Bab…)“ von Bibis Beauty Palace. Das ist auf jeden Fall der Song mit den meisten Dislikes auf YouTube.
Elfi: Genau – Bibi ist so eine super-berühmte YouTuberin.
Fabian: Ich finde generell, dass wenn Leute, die schon berühmt sind durch Schauspielerei oder als Influencer Musik machen und einen Song schreiben, um ihre Reichweite zu erhöhen, das oft in die Hose geht.
10. Wer – tot oder lebendig – sollte auf eurer Gästeliste stehen?
Elfi: Ich wünschte mir, dass die Band Wir sind Helden mal auf unserer Gästeliste stehen. Ich glaube, das, was wir machen würden, würde denen auch von der Energie her gut gefallen. Vielleicht entwickelt sich da auch eine Art von Kollaboration, denn unser Produzent ist mit Pola und Judith bekannt und wir überlegen gerade, ob wir ihn als Co-Produzenten oder sie als Songwriterin mit an Bord holen können.
Fabian: Wir haben auch die Angewohnheit, als Zugabe immer einen Song von Wir sind Helden zu spielen. Ich würde auch gerne Tristan Brusch auf der Gästeliste haben, denn er war es, der uns mit einem Video von unserem ersten Konzert auf Instagram den Labelvertrag vermittelt hat.
Elfi: Ja, das war total cool. Tristan Brusch ist der Bruder von unserem Keyboarder Nathan – was wir gar nicht wussten – und war deswegen bei dem Konzert anwesend. Dafür, dass er dann auf Insta gepostet hat, hat er sowieso einen ewigen Platz auf unserer Gästeliste sicher.
„Emo Deluxe“ von Elfi erscheint auf Staatsakt/Zebralution.




