Um da gleich mal mit der Tür ins Haus zu fallen: So schön und pastoral wie das die schweizer/niederländische Songwriterin Femi Luna auf ihrem zweiten Album „Wash Away The Pain“ gelingt, hat schon lange niemand mehr Melancholia, Sehnsucht, Leidenschaft und Verletzlichkeit aber auch Trost und Hoffnung in musikalische Töne gepackt. Einer der Gründe, warum Luna und ihren Musikern das so anschaulich und nachvollziehbar gelingt, mag mit der Wahl des Produktionsortes zu tun haben, denn die MusikerInnen wählten das in einer alten evangelikanischen Kirche befindliche Studio Cimitiére im kanadischen Quyon in der Provinz Quebec für die Aufnahmen des Materials aus.
Wie das schon die Cowboy Junkies und die Great Lake Swimmers (zufällig beides kanadische Acts) vorgemacht haben, hat die Wahl einer Kirche für musikalische Produktionszwecke unweigerlich einen prägenden Einfluss auf den Klang und die Atmosphäre der so entstandenen Aufnahmen. Und so wundert es denn auch nicht, dass die meisten der Tracks des Albums einen gewisses Gospel-Spirit verbreiten – nicht alleine wegen der mit klagender Stimme vorgetragenen, reflektiven Lyrics, die mit einer gewissen spirituellen Note präsentiert werden, sondern auch in Bezug auf das organisch/warme Klangbild, das durch den großen Raum des Kirchenschiffs (in dem die Live-Aufnahmen stattfanden) automatisch für ein fast schon fühlbar dreidimensionales Hörerlebnis sorgt.
Und dann ist da noch die Instrumentierung: Femi selbst und der als Multiinstrumentalist agierende Produzent Michael Dubue arbeiten viel mit organischen Keyboard-Sounds wie Klavier, Hammond-Orgel, Mellotron und analogen Synthie-Sounds, während mit einer unglaublich tief gestimmten Twang-Gitarre und Effekten wie E-Bow Slide-Gitarren monumentale Akzente im Gesamtflow gesetzt werden (wer hier nach Referenzen sucht, wird bei Angelo Badalamentis „Twin Peaks“-Soundtracks fündig). Die Vocals schließlich werden zumindest mit viel Hall in Klangwatte gepasst und oft genug gedoppelt und gestaffelt angerichtet – beispielsweise in Tracks wie „Ocean“, „Time“ oder dem Titeltrack. Echte Gospel-Chöre und irgendwelche Halllelujah-Lobpreisungen braucht es dann gar nicht mehr, um das gewünschte Feeling zu evozieren.
All das wäre freilich nichts ohne das brillante Songwriting, für das Euphemia Fokkens (so heißt Femi Luna mit vollem bürgerlichen Namen) alleine verantwortlich zeichnet. Dabei gelingt ihr das Kunststück, ihren Texten über Verlust, Verlustängste, Ängste allgemeiner Art, Zweifel und Verzweiflung am Ende stets einen versöhnlichen Twist – sei es in Sachen Akzeptanz oder aber gar Hoffnung – zu vermitteln. Die eher existentiellen Songtitel in der ersten Hälfte des Albums – wie „Tired“, „Empty“, „Lost“, „Fretful“, „Sleepless“ und „Anxiety“ werden in der zweiten Hälfte mit positiv konnotierten Titeln wie „Ocean“, „Time“, „Wash My Pain Away“ und „Dreaming“ aufgefangen und relativiert. Und da alle Songs in dem schwelgerischen musikalischen Gospel-Setting sowieso eine tröstliche Bewertung erfahren, wirkt das ganze Projekt – trotz der inhärenten Melancholia und der dezidiert balladesk angelegten Songstrukturen – denn auch nicht depressiv oder dystopisch. Die Balance macht es dann eben.
„Wash My Pain Away“ von Femi Luna erscheint im Eigenvertrieb.




