Platte der Woche KW 17/2026
„Can I get a ‚hell yes‘?“, fragt Frontfrau Emily Haines gleich in „Victim Of Luck“, dem fabelhaften ersten Song des neuen Metric-Albums “Romanticize The Dive”, und diesen Wunsch erfüllen wir ihr nur zu gern. Denn nachdem sich das kanadische Quartett auf den 2022 veröffentlichten Alben „Formentera I“ und „Formentera II“ weiter denn je von ihren Ursprüngen entfernt hatte, führt die neue, inzwischen zehnte LP die Band nun zurück zu den Wurzeln.
„Als wir nach einer Ausrichtung für das Album suchten, hörten wir uns unsere eigenen Werke noch einmal an“, erzählte Haines kürzlich dem NME. „Bei unserem zehnten Album macht es Sinn, sich zu fragen: ‚Was würden Metric tun?‘ Ich weiß es nicht! Lass uns zurückdenken: Was ist die Essenz unseres Sounds und unserer Emotionen?“
Die Antwort auf diese Frage führt Metric zurück in der Zeit. Schon das bereits eingangs erwähnte „Victim Of Luck“ bringt die Band dorthin, wo sie in den Köpfen vieler Fans der ersten Stunde auch nach all den Jahren immer noch hingehört. Der Song reiht sich mühelos zwischen frühen Klassikern wie „Combat
Baby“ und „Help I’m Alive“ ein und trifft den Sweetspot zwischen energetischem Indierock und ohrwurmigem Electro-Pop, zwischen Euphorie und Melancholie so perfekt wie schon lange nicht mehr.
Dass Haines in diesem ersten Lied auch textlich den Blick zu den Anfangstagen der Band zurückschweifen lässt, ist natürlich kein Zufall, sondern gewissermaßen ein mission statement. Mit diesem Lied springen Metric sofort mitten hinein in die Thematik, um die dieses Album kreist. Der Drang und der Ehrgeiz der frühen Tage werden zum Sinnbild für das, was in der Gegenwart fehlt.
Während die beiden „Formentera“-Alben durch eine Hinwendung zu einem stärker elektronischen Klangbild bzw. zu betont unterkühlten Songs in langsamem Tempo geprägt waren, sind das Energielevel und der Indierock-Faktor auf „Romanticize The Dive“ nicht nur bei den Singles „Time Is A Bomb“ und „Crush Forever“ oder dem im Bombast schwelgenden „Wild Rut“ durchweg hoch. Wenn mit „Moral Compass“ die erste Ballade auftaucht, die zudem das emotionale Herzstück der LP darstellt, ist bereits die Hälfte der Albumspielzeit erreicht.
All die alten Tugenden machen auch die letzte der elf Nummern der Platte zu einem echten Highlight. Geradezu programmatisch „Leave You On A High“ betitelt, klingt die Alternative-Rock-infizierte Nummer wie ein Geschenk an all die Anhängerinnen und Anhänger des durch GItarrist/Keyboarder/Produzent Jimmy Shaw, Bassist Joshua Winstead und Drummer Joules Scott Key komplettierte Quartetts, das seit inzwischen annähernd 30 Jahren zu einer der konstantesten und besten Bands im Indie-Universum zählt.
Aufgenommen in New York, wo Haines und Shaw einst den Grundstein für die beeindruckende Karriere ihre Band legten, ist „Romanticize The Dive“ sowohl eine Hommage an langjährige Freundschaften als auch eine Bestätigung gemeinsamer Werte. Ein Hauch Nostalgie ist dabei durchaus erlaubt, Sentimentalität hingegen nicht. Denn auch wenn die Vergangenheit die Inspiration lieferte: Der Drang zur Weiterentwicklung ist und bleibt auch auf der zehnten Platte ein Teil von Metric.
„Romanticize The Dive“ von Metric erscheint bei Metric Music/Thirty Tigers/Open.



