Ganz richtig: Da gibt es gleich drei „r“ im Bandnamen Villagerrr. Den hat sich Mark Allen Scott für sein aus Columbus, Ohio stammendes Songwriter-Projekt ausgesucht – vermutlich, damit er im Web überhaupt gefunden … und nicht mit Conor O. Briens Pseudonym Villagers verwechselt wird. Lediglich für sein 2022er Solo-Album „Like Leaves“ griff er auf den Moniker Villager zurück. Da war er aber bereits eine anerkannte Größe in der Indie-Szene des mittleren Westens. Der vorliegende fünfte Longplayer „Carousel“ ist nun definitiv wieder ein Band-Album geworden, bei dem Scott erneut die Hilfe von befreundeten Musikern beanspruchte – wie er das auch schon bei seinem Durchbruchalbum „Tear Your Heart Out“ getan hatte (unter anderem mit Merce Lemon, Lydia Slocum und Boone Patrello), um seinem bis dahin eher zurückhaltend inszenierten Indie-Americana-Sound mehr Opulenz und Durchsetzungskraft angedeihen zu lassen.
Auf dem neuen Werk machen ganze achtzehn (!) Musiker verschiedenster musikalischer Provenienz mit: Neben Boone Patrello (der inzwischen zu einer Art Mentor für Scott geworden ist) sind das z.B. Alice und Elliott von der Band Rug und Aby Gray, die Streicherparts beisteuerten (für die Scott ein paar Gitarrenparts beiseite räumte), Pedal Steel Player Henry Schuellerman sowie etliche Songwriter-KollegInnen wie H. Pruz, Carolina Chauffe von der Band Hemlock oder Alex Montenegro vom Projekt Skirts, die das Ganze gesanglich bereichern. Das betrifft insbesondere die psychedelische Folk-Ballade „Indiana“, die mit einer Art Hometown Companion Chor aufwartet.
Musikalisch bietet „Carousel“ ein breites Spektrum an Indie-Sounds zwischen Folk, Americana und Country-Seligkeit auf der einen Seite und teils gar abrasiven Rock-Sounds auf der anderen, die von Scotts eher sanftmütigen, oft von weiblichen Harmonie-Stimmen augmentierten Gesangs-Parts und der im Vergleich eher schnürsenkeligen Rhythmusgruppe zusammengehalten werden. Grundsätzlich schreibt Scott ohnehin introspektive Rocksongs, die hier durch dezidierte Akzente jeweils einen besonderen stilistischen Touch bekommen. Beispielsweise etwa durch die Streicher im Song „Indiana“, eine Harmonika-Einlage und Banjo-Geklimper bei „Roadstar“, ein Glockenspiel beim Closer „What Does It Mean“ oder eine Steel-Gitarre, die in diesem Track für eine tröstliche Note, hingegen bei „Swimming“ für einen bittersüßen psychedelischen Flow sorgt. Um Country- und Folk-Referenzen geht es Scott dabei allerdings gar nicht – solche Elemente versteht er als Mementos an die Radio-Sounds seiner Kindheit.
Für das Album „Carousel“ nahm sich Scott mehr Zeit als bis dahin üblich und vertraute stärker auf die inzwischen beeindruckende Community von gleichgesinnten Musikern, die er im Laufe der Zeit über seine Tätigkeit als Solo-Künstler kennengelernt hatte – während er sich selbst früher eher als Control-Freak gesehen hatte. All das führt zu einem entspannten, eher balladesken Flow, der trotz einiger rockigen Elemente ohne wirklich hektische Up-Tempo-Einlagen auskommt.
Das „Carousel“ ist dabei das Karussell des Lebens. Hier besingt er die alltäglichen Katastrophen und politischen Störfeuer, die sich uns über die sozialen Medien immer stärker aufdrängen. Kein Wunder, dass die Songs dank Scotts eher larmoyanten Vortrags von einem melancholischen Ton geprägt werden – auch wenn sie durch ihre musikalische Opulenz gelegentlich auch einen schwelgerischen Charakter annehmen. Nur aggressive Wutausbrüche wird man hier nicht finden – dafür ist Mark Scott heutzutage einfach zu sehr Stoiker.
Wer etwas weiter eintauchen will in die Welt des Mark Allen Scott, dem sei die mehrteilige Dokumentation „Merry Go Round“ empfohlen – eine Art Video-Tagebuch, die die Produktion des Albums widerspiegelt.
„Carousel“ von Villagerrr erscheint im Eigenvertrieb.




