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Déjà Vu 20+
Es war schon sehr passend, dass Konstantin Gropper mit seinem Ensemble Get Well Soon den offiziellen Abschluss der Club-Tour zum aktuellen Album „Minus The Magic“ im Kölner Gebäude 9 feierte, denn bei dieser Tour ging es ja unter anderem darum, die 20-jährige Band-Historie zu feiern – und die hatte dereinst mit einem Konzert an gleicher Stelle ihren Anfang genommen. Ein echtes Déjà Vu gab es dennoch nicht, denn in den letzten 20 Jahren hatte sich ja doch viel getan.
„Wir haben uns heute verkleidet als unsere 17-jährigen Versionen von früher“, kündigte Konstantin Gropper die Show im ausverkauften Kölner Traditionsklub an – wohl auch um deutlich zu machen, dass es musikalisch dann ziemlich energisch und jugendlich frisch zugehen sollte. Zusammen mit seiner auf das Rock-Programm zugeschnittenen aus Sebastian Brödner, Paul Kenny, Marcus Wüst und Max Schenkel bestehenden Kernband lieferte Konstantin Gropper im Folgenden ein strammes Programm von insgesamt 21 Tracks ab, mit dem es klanglich sozusagen zurück zu den Basics ging (obwohl Get Well Soon im klassischen Sinn mit „Basics“ ja eigentlich nie viel am Hut hatten).
Für einen Support Act blieb da kein Platz – zumal GWS sich mächtig Zeit ließen und erst kurz vor 21 Uhr den Weg auf die Bühne fanden. Worum es ging, wurde dann dadurch deutlich, dass die Instrumente und Mikro-Ständer wirklich so nahe am Bühnenrand aufgebaut waren, dass die Front-Row-Gäste die Nasenlöcher der Musiker eindringlich studieren konnten. Will meinen: Näher ist der geneigte Fan den Musikern während einer Show schon länger nicht mehr gekommen – und wird das in Zukunft vermutlich auch nicht mehr können, denn die nächste Tour findet wieder in größeren Hallen statt.
Los ging es entsprechend druckvoll mit den beiden Album-Tracks „Staying Home“ und „OK“ – beide kompromisslos als straighte No-Nonsense-Rock-Nummern durchgezogen. Obwohl es sogar auf dem dezidiert als Rock-Album angelegten Album „Minus The Magic“ auch besinnliche Stücke wie den Schlüsseltrack „That’s Not Me“ gibt (der gegen Ende der Show gegeben wurde), hatte sich Konstantin Gropper entschlossen, die getrageneren Nummern des 2018er Albums „Love“ zum Ausgleich der Rock-Nummern in das aktuelle Set einzubauen. Und so folgte dann als dritter Track der im Vergleich dann relativ entspannte Song „Eulogy“ von dem besagten Album, bevor es dann mit dem runderneuerten EP-Track „A Night Of The Riffifi-Bar“, der ja schon auf der „Minus The Magic“-LP ein druckvolles Band-Upgrade erhalten hatte, wieder lauter wurde. Apropos lauter: So laut war die Geschichte für eine dezidierte Rock-Show eigentlich gar nicht. Tatsächlich schien die Masse der bis zur Ausgangstür dicht gedrängten Zuschauer den Sound so ordentlich zu dämpfen, dass beispielsweise im hinteren Teil der Halle die Ansagen Groppers und die Witzeleien mit der Band (etwa die Fragestunde mit Drummer Paul Kenny) kaum noch zu verstehen waren. Das ist dann aber meckern auf hohem Niveau, denn die Zuschauer bekamen genau das geboten, was Konstantin Gropper im Vorfeld angekündigt hatte: Einen jugendlich frischen Blick auf die Gesamtleistung des GWS-Ensembles in Form einer knackigen Rockshow.
Interessanterweise gingen die Jungs dabei aber nicht so weit, dass sie auf Biegen und Brechen alle Songs im Punk-Modus angingen. Ganz im Gegenteil: Der wilde Agit-Prop-Punk-Rausschmeißer „When They Cheer You You Are Wrong“ (mit dem Gropper die erfolgsheischende Anbiederung an extremistische Bewegungen anprangert) wurde sogar eine Spur zurückhaltender inszeniert als bei der Studio-Produktion. Der orchestral/symphonische Charakter früherer Produktionen wurde aber auch nicht bis ins Extreme ausgespielt. Die anderen Love-Tracks wie „It’s A Catalogue“, „It’s An Airlift“, „33“, „It’s A Mess“ und „It’s A Fog“ sorgten zwar für schwelgerisch/nostalgische Momente – allerdings „Minus The Magic“ wie Konstantin das heute ausdrückt – also ohne den Bombast der Jugend, dafür aber einen realistischen Blick auf das Machbare. Will meinen: Das ging dann alles ein wenig reduziert zu als etwa bei der damaligen Tour zum „Love“-Album (bei der ja aber auch zusätzliche Musiker wie Konstantins Schwester Verena mit auf der Bühne gestanden hatten).
Die neue Sachlichkeit wirkte sich hingegen auf die knackigen Rock-Songs des neuen Albums – wie beispielsweise auch das abschließend gegebene „The 4:3 Days“ – durchaus förderlich aus, denn diesen „No Frills“-Ansatz war man ja bislang in dieser Konsequenz ja gar nicht gewohnt von GWS. Im Zugabenblock gab es dann noch die Cover-Version von Robert Palmers „Johnny & Mary“, mit „Angry Young Man“ einen Rückgriff auf das „Vexations“-Album und mit „33“ und dem wirklich letzten Song „It’s A Fog“ noch mal zwei besinnliche Rückgriffe auf das „Love“-Album.
Mit dieser Show gab es dann den versprochenen, unverklärten Rückblick auf 20 Jahre GWS-Historie im Gewand einer Rockshow jung gebliebener Live-Veteranen, die zeigen, dass man auch im eher gesetzten Alter noch für ordentlich Schwung in der Bude sorgen kann, ohne sich dabei im Replizieren zu ergehen. Als echte Rockstars gebärdeten sich die Herren dann doch nicht – dafür sind GWS einfach nicht hip und cool genug (und zwar im allerbesten Sinne). Dafür bedankte sich Konstantin Gropper mit diesem Projekt ja auch bei seinen Live-Musikern, die ihm die ganzen Jahre die Treue gehalten haben – obwohl er sie im Studio ja erstmals bei der Produktion im Studio als Band beteiligt hatte.
Nach den anstehenden Festival-Terminen ist dann erst mal Schluss mit Lustig: Das nächste GWS-Album steht bereits in den Startlöchern und ist für den Herbst geplant – und das soll dann wieder ein eher „normales“ GWS-Album werden.

















