Mit seinem neuen Album bewegt sich der aus Philadelphia stammende Alt-Rocker Adam Weiner ostentativ auf einem Level, wie es zuletzt lediglich Bruce Springsteen (der selbst ein bekennender Low Cut Connie-Fan ist) beackerte und präsentiert ein klassisches Polit-Rock- bzw. Protest-Rock-Album. Wie beim Boss steht der Titel des Albums „Livin In The USA“ nicht für Hurrah-Patriotismus, sondern für die Systemkritik, die Weiner – als hauptberuflicher Pianist zwar aus einem anderen musikalischen Blickwinkel – hier in messerscharfen, knackigen Roots-Rock-Songs verpackt (bei denen dann eben auch eine Prise Honky Tonk mitschwingt).
Dennoch überzeugt das Werk als knackiges Rock-Album, bei dem produktionstechnisch keine Konzessionen an den Mainstream-Geschnack gemacht wurden und bei dem Weiner seinen Gitarreros Kelsey Cork und Rich Stanley genügend Freiraum lässt, sich gründlich auszuleben. Der besondere Touch kommt hingegen durch die Beiträge der Backing-Sängerin Amanda Bullwinkel zum Tragen, die der Sache einen inklusiveren Charakter vermitteln.
Low Cut Conny war einer der ersten, der sein Engagement am Kennedy Center widerrief, als Trump dort die Macht übernahm. Die Songs sind eine einzige Anklage gegen die gegenwärtigen Zustände in den USA. Mit bemerkenswerter Chuzpe wettert Weiner gegen ICE, Doge, die Tech Bros, Korruption, die Adminstration und Rassismus im Allgemeinen und prangert die Umstände und den Verfall der Moral im Besonderen an. Gleichzeitig macht er deutlich, dass es keinen Grund gibt, den Kopf in den Sand zu stecken, feiert in „Little Freakers“ den Hedonismus und die Diversität der Gen Z oder lädt mit „Can’t Be Wrong“ zum Party machen ein. Interessant dabei ist der Tenor der Umsetzung: Mit viel Wut im Bauch hangeln sich Weiner und seine Musikern an eher dystopischen Akkordfolgen entlang und bringen alle Tracks in Form knackiger Rausschmeißer ins Ziel.
Musikalisch agieren Low Cut Connie dabei zwischen klassischem Heartland-, College-, und Glam-Rock, und im Falle des Songs „Not My Problem“ sogar mit Punk-Attitüde (und Schaum vor dem Mund). Howe Gelb sagte ein Mal, dass Zeiten, in den Republikaner an der Macht wären, immer gut für kämpferische Rock-Musik seien. Low Cut Connie machen das mit dieser Scheibe wieder mal eindrucksvoll deutlich.
Den Anti-Ice Titeltrack „Livin In The USA“ gibt es dann noch in einer (leider nicht auf dem Album enthaltenen) akustischen Version mit einem Streicher-Trio, die Weiner als Reaktion auf eine Reise durch die USA einspielte, auf der er die in seinen Songs angeprangerten Zustände nochmals persönlich in Augenschein nehmen konnte.
„Livin In The USA“ von Low Cut Connie erscheint auf Contender Records.



