Eigentlich sollte man ja glauben, dass es in unseren modernen Zeiten alles schon mal gegeben hat. Mit ein bisschen Fantasie ist es dann selbst in der Musikindustrie gar nicht so schwierig, sich zumindest ein Stück weit von der grauen Masse abzusetzen. Den Beweis für diese These liefert nun das fesselnde Debütalbum von Mary In The Junkyard.
Mit „Role Model Hermit“ sprengt das Londoner Trio die Grenzen des klassischen Indierock und erschafft eine ganz eigene, magische Klangwelt im Spannungsfeld von intimer Zerbrechlichkeit und unberechenbarer Wucht. Vor allem Clari Freeman-Taylor (Gitarre, Stimme) beeindruckt dabei mit wandlungsfähigem, fast hypnotischem Gesang, bei dem es von zarten Nuancen zu wütenden Ausbrüchen oft nicht weit ist.
Schon die vorab veröffentlichte Nummer „Crash Landing“ glänzte mit prägenden Orgel-Drone-Sound und cineastischer Tiefe, während das vertrackte „Blood“ oder das kribbelige „New Muscles“ die enorme dynamische Reife der Band unterstreichen. Saya Barbaglias vielschichtige Läufe auf Bass und Viola (!) verschmelzen dabei nicht selten bruchlos mit David Addisons packenden, vom Post-Punk inspirierten Drums.
Vor allem die Bratsche entpuppt sich nicht selten als heimlicher Triumpf von Mary in The Junkyard. Mal akzentuiert sie klanglich reizvoll die gelassene Grundstimmung der Lieder, während sie an anderer Stelle heftige Stürme heraufbeschwört.
„Role Model Hermit“ verwebt düstere Fabeln mit surrealen Geschichten und radikaler emotionaler Direktheit und formt daraus ein lebendiges, atmosphärisches Kunstwerk voller reizvoller Kontraste. Auf den Spuren von Adrianne Lenker oder Wolf Alice – und doch oft betont idiosynkratisch – ist Mary In The Junkyard so ein unkonventionelles und kompromissloses Erstlingswerk geglückt, dass das bereits vor Veröffentlichung hymnische Echo fraglos verdient.
„Role Model Hermit“ von Mary In The Junykard erscheint auf AMF Records.




