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Entdeckungsreise
Eigentlich ist Flora Hibberd gerade als Support für Beirut auf großer Open-air-Tournee in Europa, dazwischen nutzt die britische Singer/Songwriterin aber auch immer mal wieder die Gelegenheit, in kleineren Locations als Headlinerin auf der Bühne zu stehen. Da kommt die Haldern Pop Bar gerade recht – und was sollen wir sagen? Für die von London nach Paris ausgewanderte Musikerin und ihre tiefgründige Melange aus entrücktem Indie-Folk und atmosphärischem Art-Pop auf den Spuren der seelenverwandten Kate Stables alias This Is The Kit könnte man sich kaum einen besseren Ort vorstellen.
Am Niederrhein unterreicht Flora Hibberd von Beginn an, dass ihr vielbeachtetes Debütalbum „Swirl“ nicht nur ein künstlerischer Glücksgriff war, sondern vielmehr dasFundament gelegt hat für eine durchaus eigene, cineastische Klangwelt, die nicht zuletzt mit emotionaler Dichte besticht. Gleichzeitig richtet sie auch den Blick auf ihr spürbar anders klingendes zweites Album, das unter dem Titel „Mammoth“ Ende Oktober erscheinen soll. Offenbar sind die Songs so neu im Programm, dass Hibberd sogar noch einen Spickzettel benötigt.
Ohne große Vorrede stellt sie eine introspektive Nummer, das Magnolia-Electric-Co.-Cover „Shenandoah“, an den Anfang, und richtet so sofort das Hauptaugenmerk auf das wohl auffälligste Element ihrer Musik: ihre sonore, Stimme, die mit rauer Eleganz im Cat Power’schen Sinne fasziniert, während ihr Sound und ihre Bühnengebaren in der Vergangenheit auch schon Vergleiche mit Aldous Harding inspiriert haben.
Nach der ersten Solonummer holt sie ihre hervorragend eingespielte Band – Victor Claass an der Gitarre, Niels Sorensen am Bass und Lucien Chatin am Schlagzeug – auf die Bühne. Was folgt, ist eine beeindruckende Lektion in Sachen Dynamik und Textur, denn die Musiker weben immer wieder einen dichten-Soundteppich aus Folk-Tradition und Indie-Pop, auf dem Hibberds abstrakte Lyrik perfekt thronen kann.
Immer wieder bricht die Band aus de, Folk-Korsett aus und beweist Facettenreichtum, etwa, wenn „Ache“ fast in Richtung Kate Bush zu deuten scheint oder „Shelley“ einen dezenten Belle-And-Sebastian-Vibe hat. Für „Deltaplane“, das gut und gerne auch von The Weather Station stammen könnte, wechselt Bassist Sorensen derweil vom Bass ans hauseigene Klavier und sorgt so für einen wirklich einmaligen Moment. Auch Hibberd selbst tauscht bei vielen der neuen Lieder die Akustikgitarre gegen den Synthesizer ein.
Trotz einiger energetischer Ausreißer blieb die Grundstimmung des Konzerts intim und poetisch sanft – und dabei doch auch betont heiter. Das i-Tüpfelchen ist an diesem Abend ohne Frage, wie sehr die Musikerinnen und Musiker in den neuen Liedern aufgehen. Die Freude daran steht ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht geschrieben. Auch amüsant: Weil Claass den Bottleneck für seinen Slide-Part in „Dew Pond“ nicht finden kann, behilft er sich kurzfristig mit einem Feuerzeug…
Die mögliche Zugabe mit einem weiteren Song aus fremder Feder (das Traditional „The Tailor And The Mouse“) verhindert dann allein die 22.00-Uhr-Curfew in der Pop Bar. Aber auch so war es ein wirklich feiner Konzertabend, der für viele im Saal zur Entdeckungsreise wurde.
















