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Telepathische Harmonie
Das „&“ in ihrem Bandnamen schenken sich die niederländischen Schwestern Sarah und Julia Nauta, wenn sie als Sarah Julia auf der Bühne stehen, und passend dazu verzichten sie bei ihrem Auftritt in Meerbusch auch auf all das Beiwerk, das ihre Konzerte in kompletter Bandbesetzung in der Vergangenheit an Phoebe Bridgers erinnern ließ, und rücken bei ihrem Gastspiel im Musikgarten auf dem Areal Böhler lieber simpel-zeitlose Folk-(Pop-)Magie und fabelhafte Gesangsharmonien in den Mittelpunkt, als gälte es, den Geist von Simon & Garfunkel, Joni Mitchell oder Crosby, Stills & Nash zu beschwören.
Musik und alte Industriestätten gehören an Rhein und Ruhr schon seit Jahrzehnten eng zusammen. Seit 2024 ist das auch auf dem weitläufigen, direkt an der Stadtgrenze von Düsseldorf und Meerbusch gelegenen Areal Böhler nicht anders. Seit 2024 tummeln sich im Musikgarten des imposanten ehemaligen Stahlwerks jeden Sommer die Stars und Sternchen (nicht nur) der deutschen Indie-Szene.
In den letzten beiden Jahren standen hier unter anderem der niederländische Superstar Douwe Bob, Lina Maly, zeck, so soon und Juli Gilde auf der Bühne, und auch in diesem Jahr sind mit Stina Holmquist, Philine Sonny oder eben Sarah Julia gleich eine ganze Reihe hochkarätiger Acts für vergleichsweise schmale 15 Euro Eintritt zu erleben.
Dass hier Konzerte mit Liebe zum Detail veranstaltet werden, zeigt sich schon an der Einlassmusik, als hintereinander weg Haley Heynderickx, Slow Pulp, Soccer Mommy und tatsächlich sogar auch Elliott Smiths alte Band Heatmiser zu hören sind, während sich das bunt gemischte Publikum mit Weißweinschorle oder Aperol Spritz – das ist hier ja nicht der Ruhrpott, sondern Düsseldorf! – auf das Konzert einstimmt.
Auch wenn einige eher so aussehen, als seien sie eher wegen der sommerlichen Vibes als wegen der Musik gekommen, haben Sarah Julia gemeinsam mit ihrer brillanten Multiinstrumentalistin Juayne Kaya keine Mühe, die Zuschauerinnen und Zuschauer vom ersten Ton an zu fesseln.
Mit einem Airstream-Trailer und einem Sonnenuntergang als Bühnen-Backdrop fesseln die Schwestern mit einer unnachahmlichen, fast schon telepathischen gesanglichen Harmonie, die in diesem reduzierten Unplugged-Setting – Akustikgitarre, Mandoline, „Babyharfe“ und ganz selten mal ein wenig Synths-Atmosphäre – noch stärker zur Geltung kommt als im Full-Band-Kontext. Die Stimmen der beiden sind dabei so perfekt ineinander verwoben, wie es wohl nur bei Geschwistern möglich ist.
Auch wenn Sarah gestehen muss, dass ihr in der Schule gelerntes Deutsch inzwischen ziemlich eingerostet ist, agieren die zwei zwischen den Songs charmant und nahbar mit dem Publikum und überspielen mit augenzwinkerndem Humor die langen Stimmpausen, die nicht zuletzt ob Julias Faible für ungewöhnliche Tunings nötig sind, wenn sie die Hintergründe zu ihren Songs verraten.
So geht es in „Conspiracy Theorists“ um Menschen aus ihrem Bekanntenkreis, die auf seltsame Ideen gekommen sind, während „Cairngorms“ um die schottische Berggruppe kreist, in der die Schwestern als Kinder mit ihrem Vater wandern waren. Dagegen ist „Daughters“, das sich als heimliches Highlight des Sets entpuppt, eine emotionale Hymne über das Aufwachsen als Frau in einer oft unsicheren Welt.
Oft faszinieren die Songs mit entwaffnender Ehrlichkeit, und das spiegelt sich auch in der neuen Single „Wishing Stone“ wider – einer zarten, fast meditativen Ballade, die an diesem Abend ihre Live-Premiere erlebt und die Vorfreude auf die im Oktober erscheinende Debüt-LP „The Fear That This Is Real“ schürt, bevor ganz am Ende „Amsterdam“ mit bittersüßer Melancholie die Zerrissenheit zwischen familiärer Loyalität und dem Drang nach persönlicher Freiheit verarbeitet.
Eine Zugabe ist danach eigentlich nicht geplant, doch als Sarah und Julia fast zehn Minuten später wieder auftauchen, um noch ein paar Devotionalien zu verkaufen, lassen sie sich – nachdem sie erst einmal ihre Gitarristin suchen mussten – doch noch zu einem weiteren Song überreden. Komplett unplugged und versammelt um ein einziges Mikro geht der Abend dann mit „How Do You Fall In Love So Easily?“ ganz puristisch zu Ende und stellt noch einmal all das in den Mittelpunkt, was dieses Konzert (und Sarah Julia) so besonders gemacht hat.



















