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„Jacob Brodovsky ist ein Singer-Songwriter, College-Radiomoderator und Leiter eines Sommercamps aus Winnipeg, Manitoba (Treaty One Territory). Er wurde von den Canadian Folk Music Awards als ‚Songwriter des Jahres 2024‘ ausgezeichnet“, heißt es auf der Website des kanadischen Liedermachers, der mit dem Album „Tell The Kids We Tried“ nun seinen zweiten Longplayer als Solo-Künstler vorlegt. Auf diesem Album beschäftigt sich der zweifache Vater mit seinem persönlichen Umfeld, seiner Heimatstadt Winnipeg in der Provinz Manitoba (die er als ‚exzellente Muse‘ bezeichnet) und seiner erweiterten Familie. Anders als sein 2022 veröffentlichtes Solo-Debüt-Album „I Love You And I’m Sorry“ – an dem er fünf Jahre lang arbeitete – entstand das neue Album eher spontan in Zusammenarbeit mit befreundeten Musikern – ungefähr zur Zeit der Geburt von Jacobs zweitem Kind.
„Jacob Brodovsky ist ein Singer-Songwriter, College-Radiomoderator und Leiter eines Sommercamps aus Winnipeg, Manitoba (Treaty One Territory). Er wurde von den Canadian Folk Music Awards als ‚Songwriter des Jahres 2024‘ ausgezeichnet“, heißt es auf der Website des kanadischen Liedermachers, der mit dem Album „Tell The Kids We Tried“ nun seinen zweiten Longplayer als Solo-Künstler vorlegt. Auf diesem Album beschäftigt sich der zweifache Vater mit seinem persönlichen Umfeld, seiner Heimatstadt Winnipeg in der Provinz Manitoba (die er als ‚exzellente Muse‘ bezeichnet) und seiner erweiterten Familie. Anders als sein 2022 veröffentlichtes Solo-Debüt-Album „I Love You And I’m Sorry“ – an dem er fünf Jahre lang arbeitete – entstand das neue Album eher spontan in Zusammenarbeit mit befreundeten Musikern – ungefähr zur Zeit der Geburt von Jacobs zweitem Kind.
Wie ließe sich denn die musikalische Geschichte des Jacob Brodovsky zusammenfassen?
„Nun, ‚Tell The Kids We Tried‘ ist ja mein zweiter Longplayer“, führt Jacob aus, „Songs habe ich schon geschrieben, seit ich 12 war. Ich habe als Musiker zunächst in einer Band namens Kakagi hier in Winnipeg gespielt, bevor ich dann mit 19 begann, Musik unter meinem eigenen Namen zu veröffentlichen. Mit John Sampson von den Weakerthans bin ich gut befreundet und er produzierte meine erste LP „I Love You And I’m Sorry“. Der Weakerthans-Drummer John Tait spielt heute in meiner Band – ebenso wie Julie Penner, eine Geigerin, die auch schon mit den Weakerthans arbeitete. Das neue Album wurde indes produziert von dem Produzententeam Champagne, James Robinson und Gavin Gardiner, die unter dem Namen Moonriivr auch selbst Musik machen.“
Die neue Musik hat ja einen betont organischen Charakter. Man hört deutlich heraus, dass hier Musiker auf einer gemeinsamen Basis miteinander zusammenarbeiten. Wie ist denn der Sound – ein Mix aus Folk- und Indie-Pop ohne dominierenden Americana-Touch – entstanden?
„Nun – wir haben ja alle unsere kreative DNA, die sich daraus entwickelt hat, was wir als Kinder und Teenager mochten – in meinem Fall Death Cab For Cutie und die Weakerthans – und das bestimmt dann die Musik, die wir heute machen. Besonders das neue Album habe ich dann versucht, so kollaborativ wie möglich zu gestalten. Wir sind dann einfach mit der Band ins Studio gegangen und ich habe keine spezifische Richtung vorgegeben – außer der, dass ich wollte, dass wir alle zusammenarbeiten.“
Okay – zu diesem Zeitpunkt sind die Songs dann ja schon fertig – wie entstehen sie aber; insbesondere musikalisch?
„Auch das kommt drauf an“, erklärt Jacob, „Jason, der Drummer, lebt zum Beispiel in meiner Nähe. Wenn ich also einen Song schreibe, dann gehe ich bei ihm vorbei und dann arrangieren wir den Song erst mal für Gitarre und Drums – einfach, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie das klingen sollte.“
Dabei bleibt es dann ja aber nicht. Auf dem Album gibt es neben Gitarren und Drums ja noch Synthies, Wurlitzer, Mellotron, Klavier, Trompete, Vibraphon, Geige und eine sogenannte Tube-Gitarre (eine experimentelle Gitarre mit einem Stück Reifengummi unter dem Steg) zu hören.
„Stimmt – die Arrangements sind mir auch sehr wichtig“, bestätigt Jacob, „wobei die Texte meiner Meinung nach schon die grobe Arbeit erledigen sollten, damit ich etwas fühlen kann. Aber um die Texte herum arrangiere ich dann auch die Songs – entweder um bestimmte Sachen zu verstärken oder von ihnen abzulenken. Den Song ‚Beneath It All‘, wo zum Beispiel die Tube-Gitarre zum Einsatz kommt, habe ich mit einer kleinen Tape-Machine alleine in meinem Studio aufgenommen. Ich mag es einfach, neue Sounds zu entdecken – Sounds, die sich für mich irgendwie anders anfühlen.“
In seinen Lyrics konzentriert sich Jacob Brodovsky – zumindest für dieses Album – auf sein familiäres Umfeld. Gleich mehrere Songs beschäftigen sich mit seinen und anderen „Kids“. Ganz erstaunlich ist das nicht, denn die Hälfte seiner beruflichen Tätigkeit verbringt Brodovsky als Summer-Camp-Kurator (was in Nordamerika ein Fulltime-Job sein kann). Aber auch der Rest seiner Familie – Frau, Geschwister und Verwandte – sind Thema seiner Songs. Wie findet er denn als Songwriter seine Topics?
„Also, ich schreibe über das, was ich kenne“, führt Jacob aus, „ich habe einen dreijährigen und einen einjährigen Sohn – das steht also offensichtlich ganz oben auf der Liste. Ich mag Song-Texte, die man sich mehrfach anhören und dabei jedes Mal etwas Neues entdecken kann. Deswegen sind mir Details wichtig und deswegen mag ich es, kleine Easter-Eggs für den Hörer in meinen Songs zu verteilen, die man nur entdecken kann, wenn man sich die Songs öfter anhört. Das mag vielleicht nicht die beste kommerzielle Strategie sein, aber ich versuche, das Beste daraus zu machen.“
Wie sieht Jacob Brodovsky die Funktion seiner Songs – sind sie Therapie? Gibt es Botschaften? Will er Gedanken weitertragen?
„Ehrlich gesagt ist das Schreiben von Songs für mich mehr eine Art Zwang als alles andere“, muss Jacob einräumen, „ich könnte nicht einmal dann damit aufhören, wenn ich es wollte. Es geht mir dabei mehr um den Prozess selbst als das Ergebnis. Aber es soll ja auch alles Sinn machen. Zurzeit fühlt sich unsere Welt ja doch schon ein wenig trostlos an – und zwar schon seit einiger Zeit. Ich versuche zumindest, etwas zu erschaffen, was sich hübscher anhört als das und positive Vibes verbreitet. Etwas, das sich auch ein bisschen kathartisch anfühlt. Ich schreibe Songs in verschiedenen Kontexten. Ich schreibe über die Menschen – und zumindest in meiner Eigenschaft als Solo-Künstler sind meine Songs eine Art Tagebuch für meine Gefühle.“
Geht es demzufolge darum, eben diese Gefühle über die Songs zu vermitteln?
„Ja – ich verwende Emotionen und Erinnerungen in meinen Songs. Es kommt drauf an, worauf ich mich dann fokussiere. Ich habe eine Notiz-App auf meinem Handy und halte dort bestimmte Zeilen fest. Für gewöhnlich fange ich dann mit einer solchen Zeile an. Oft arbeite ich aber auch mit einem Stream-Of-Consciousness.“
Wie sieht Jacob seine Beziehung zur Musik?
„Gute Frage“, überlegt er kurz, „für mich war die Musik eine Konstante in meinem Leben schon seit ich alt genug war, zu sprechen. Für mich ist Musik die zugänglichste Kunstform – also die Kunstform, auf die ich zugreifen kann und die sich für mich gut anfühlt. Ich weiß, dass andere sich eher für das Malen, das Schreiben, das Tanzen – was immer – interessieren; aber für mich ist es die Musik. Was mich an der Musik immer begeistert hat – und das ist die einfachste Art, das zu beschreiben – ist, dass ich davon immer Gänsehaut bekomme und ich dabei etwas fühlen kann. Ich denke, dass eigentlich jedermann etwas in dieser Art in seinem Leben haben sollte. Ich versuche jedenfalls, so viel Zeit wie möglich mit der Musik zu verbringen.“
Geht es dabei darum, weniger auf einer intellektuellen, als vielmehr einer intuitiven Ebene zu agieren?
„Ja, es gibt etwa bestimmte Momente, wenn man etwa um einen Song wetteifert – besonders in Zusammenarbeit mit einer Band – und man dann diesen entscheidenden Moment findet, an dem alles stimmt und zusammenkommt, dann hat das schon etwas Magisches. Das ist keine Sache des Hirns oder des Körpers. Und dieses Gefühl ist etwas, wonach ich ständig suche. Manchmal schreibe ich einen Song und realisiere erst Monate später, wovon er eigentlich handelte. Ich denke, Songs zu schreiben, ist eine großartige Möglichkeit für mein Unterbewusstsein, sich mir zu offenbaren. Ich denke dabei vielleicht unbewusst über etwas nach, das ich bewusst noch gar nicht realisiert habe.“
Hat Jacob auf diese Weise vielleicht etwas über sich selbst erfahren, als er an diesem Album arbeitete?
„Oh, sicherlich – immerzu. Es geht immer um die Selbsterfahrung und die Gefühle, die damit verbunden sind. Ich schreibe deswegen auch Tagebücher – und zwar mit Stift und Papier. Ich bin nicht so gut mit Computern und Smartphones. Ich habe neulich mit jemand anderem gearbeitet und der fragte mich dann, was ich denn da mache, wenn ich mit einem Stift in meinem Tagebuch schreibe. Im besten Fall arbeiten dein Stift und dein Hirn dann zusammen und du kannst es einfach passieren lassen, ohne dein Bewusstsein Gedanken ins Spiel zu bringen. Diesen Zustand versuche ich dann immer zu erreichen.“
Gibt es vielleicht auch einen gewissen Aspekt des Eskapismus in Jacobs Musik? „Ja, schon“, bestätigt er, „ich versuche aber, die Songs nicht allzu sehr mit solchen Elementen auszuschmücken, weil ich denke, dass es schon genug Geräusche draußen gibt. Wenn ich dann noch meinen Krach dazu gebe, wird es etwas zu viel – deswegen schmücke ich meine Songs nicht allzu sehr aus.“
Was bei diesem Album eine gewisse Rolle gespielt zu haben scheint, sind Jacobs Erfahrungen politischer Natur, die ihn veranlasst haben, seine Position bei der Gemeinschaft beim jüdischen Sommercamp, für das er lange tätig war, zu verlassen.
„Oh – die Songs hatte ich schon geschrieben, bevor diese Sache passiert“, berichtet Jacob, „sie haben aber dann eine Art prophetischen Charakter angenommen. Die Sache ist die: Ich war lange Zeit – für 25 Jahre – der Geschäftsführer eines jüdischen Sommer-Camps. Ich selbst bin mit diesem Camp aufgewachsen, meine Eltern sind dort hingegangen und ich habe meine Frau dort getroffen. Vor ungefähr einem Jahr – etwa zur Zeit, als mein jüngster Sohn geboren wurde – bin ich von diesem Job zurückgetreten, weil ich auf meinem Insta-Account mehr und mehr Posts fand, die sich mit Palästina solidarisierten und einige Leute auf eine üble Weise gegen mich vorgegangen sind. Ich hätte mich auch dazu entscheiden können, dazubleiben und die Sache auszufechten – aber es wurde deutlich, dass ich in dieser Gemeinschaft nicht länger willkommen war und ich entschloss mich, der Sache aus dem Weg zu gehen. Wenn es um die Palästina-Frage geht, gibt es halt keinen Raum für Zwischentöne und Argumente mehr. Ich glaube, dass einige der Songs auf dem neuen Album das irgendwie vorwegnahmen, denn ich denke, dass mein Unterbewusstsein die Warnzeichen bereits wahrgenommen hatte, bevor ich selbst das realisierte.“
Was macht Jacob denn jetzt, wo er seinen Job im Camp los ist?
„Ich arbeite selbständig als Produzent, als Veranstalter für Musik-Festivals und als Berater – auch für andere Summer-Camps wie z.B. dieses Punk-Rock-Summer-Camp in Kalifornien. Ich produziere gerade auch ein Album für einen Freund – bin aber nicht so gut in technischen Dingen und bin ziemlich ungeduldig in dieser Hinsicht. Allzu viel produziere ich sowieso nicht – aber ich bearbeite ziemlich viel Musik für Freunde – schreibe Texte oder helfe ihnen damit, welche zu finden. Das würde ich aber nicht ‚produzieren‘ nennen. Hauptsächlich versuche ich aber, selbst so viele Songs wie möglich zu schreiben.“
Worum geht es Jacob denn auf der musikalischen Seite? Was macht für ihn einen guten Song aus?
„Ein Freund von mir sagte einmal, dass Alben nicht unbedingt die definitive Version der jeweiligen Songs enthalten, sondern dass ein Album eher eine Momentaufnahme der Songs zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt. So sehe ich das auch. Ich versuche, mir nicht allzu viele Gedanken über so etwas zu machen. Es gab auch kein großes Konzept für dieses Album – es ist einfach eine Songsammlung, die zu diesem Zeitpunkt entstand. An meinem ersten Album habe ich zum Beispiel lange herumlaboriert und die Songs entstanden über einen Zeitraum von fünf Jahren – während das neue Album einfach passiert ist. Ehrlich gesagt, bevorzuge ich diesen Ansatz.“
Okay – versuchen wir es mal so: Wann weiß Jacob Brodovsky denn, ob ein Song gut ist?
„Ich gehe viel zu Open-Mic-Abenden hier in Winnipeg und probiere da meine Songs aus“, erklärt Jacob, „und da ist es dann entweder so, dass die Leute plappern – oder sie hören zu. Für gewöhnlich kann ich dann schon abschätzen, ob ein Song funktioniert oder nicht. Ich erinnere mich noch daran, wie ich das erste Mal den Song ‚Kids‘ gespielt habe. Ich habe vor einer größeren Menge gespielt, und das Publikum verstummte sofort, als ich den Song anstimmte – und da wusste ich, dass das ein guter Song sei.“
Bis sich Jacob Brodovsky seine neuen Songs dann auch in unseren Breiten testen kann, wird noch einige Zeit ins Land gehen, denn zunächst einmal wird er sein neues Material im Sommer in Kanada und dann in den USA präsentieren. Eine Europa-Tour wird es dann vermutlich erst im nächsten Jahr geben.
„Tell The Kids We Tried“ von Jacob Brodovsky erscheint auf Make My Day Records/Indigo.




