Es gibt Old-School-Country, Country-Pop, Outlaw-Country, Alt-Country und Retro-Country. Und es gibt Scheiben wie „Lucky To Be“, dem Debüt-Album der hawaiianischen Songwriterin Lily Meola, die von allem ein bisschen bieten – und noch einiges mehr. Das kommt nicht von ungefähr: Bereits als Elfjährige stieg Lily Meola ins Musikgeschäft ein und geriet schnell an die richtigen Leute, die sie bis heute als Freunde und Förderer unterstützten. So erhielt sie bereits als Jugendliche Songwriter-Unterricht von Jackson Browne, hing im Studio ihres Produzenten und Mentors Bob Rock ab und wurde von Willie Nelson – mit dem sie bis heute freundschaftlich verbunden ist – unterstützt. Lange bevor sie erwog, eine Karriere als Solo-Künstlerin ins Auge zu fassen, stand sie mit „Kollegen“ wie Jamey Johnson, Steven Tyler, Kris Kristofferson, Sammy Hagar wie auch Willie Nelson auf der Bühne und unterstützte diese gesanglich. Kein Wunder, dass sich Willie Nelson, sein Sohn Lukas und Jamey Johnson (bei dem Lily als Backing-Sängerin ihre professionelle Laufbahn begann) nicht lange bitten ließen, ihr nun ihrerseits als Duettpartner unter die Arme zu greifen.
Die Früchte dieser Lehrjahre sind nun auf dem vorliegenden Debüt-Album „Lucky To Be“ zu bestaunen – das sich somit nicht ohne Grund anhört, wie das Werk einer langjährigen Veteranin, die Lily Meola ja in gewisser Weise auch ist. Aufgrund der Vielseitigkeit ihrer bisherigen Bemühungen als Musikerin, konnte sich Lily Meola ein geeignetes Setting für ihre – mit viel Liebe zum Detail und einer amüsanten, selbstironischen Grundhaltung verfassten – selbst geschriebenen Songs aussuchen; und entschied sich für ein zeitgemäß „aufgebeeftes“ Country-Setting, in dem (siehe oben) so einiges möglich ist, was im klassischen Country-Pop verloren gegangen ist.
In den 12 Songs pendelt Lily Meola – mit Unterstützung eines dreiköpfigen Produzententeams – leichtfüßig zwischen verschiedenen Spielarten von Country-Settings hin und her – die allesamt produktionstechnisch auf ein spannendes, poppiges Level gehievt wurden, das so gar nichts mit dem kommerziellen Nashville-Sound gemein hat, sondern songdienlich mal mehr oder weniger organische Pfade nutzt, um die Stories Lilys nach Hause zu tragen.
Dabei spielt sie erzählerisch auf geschickte und oft selbstironisch amüsante Weise mit den Klischees des Genres und schafft es dabei, ihren Gesang den jeweiligen inhaltlichen Gegebenheiten anzupassen: Leichtfüßig jubilierend in den Pop-Songs („Sleeping With My Boots On“), larmoyant bei den Herzschmerz-Songs („Should’ve Known Better“), unschuldig verspielt bei romantischen Themen („Daiseys“) oder erdig schmirgelnd bei den aus dem Ruder gelaufenen Beziehungsdramen wie „I Can’t Pretend“ oder „Mar Vista“. Das Leitmotiv des Albums – nämlich mit dem Zufrieden zu sein, was das Leben für einen bereit hält – markiert sie dabei en passant in Tracks wie „You And I“, „How Lucky To Be“ oder dem abschließenden Song „Never Want This To Change“, den sie mit Janey Johnson im Duett einspielte.
Mit ihrem Ansatz, die Country-Klischees inhaltlich selbstironisch auf die Schippe zu nehmen und musikalisch mit zeitgemäßen poppigen Elementen zu kombinieren und bei all dem die emotionale Strahlkraft des Genres nie aus den Augen zu verlieren, erschuf Lily Meola ein Debüt-Album, das sowohl für Country-Puristen, wie auch Leftfield-Freunde und Singer/Songwriter-Fans für Interesse sein dürfte.
„Lucky To Be“ von Lily Meola erscheint auf Nettwerk.




