Wenn Nina Winder-Lind ihr erstaunliches Debütalbum „Wild Love“ nennt, dann geschieht das sicher nicht zufällig. Denn für ihr musikalisches Solo-Debüt hat sich die in Brighton lebende schwedische Songwriterin, Poetin und Gelegenheits-Sängerin beim Brightoner Ensemble The New Eves eine nervenzerfetzende, aber ungemein ursprüngliche und ungefiltert lebendige Ode an das Leben – oder die Lebensfreude oder die wilde Liebe auserkoren.
Seit Patti Smith in den 70ern hat jedenfalls niemand mehr mit solcher Zerrissenheit und Hingabe sein Leben auf so spannende Art musikalisch viviseziert, wie das Winder-Lind tut. Patti Smith ist dabei nicht die einzige Leitlinie, an der sich Winder-Lind entlanghangelt, aber (aufgrund der nervösen, hysterischen Energie, mit der Winder-Lind ihr Material darbietet) die prominenteste. Sie selbst listet auch Lou Reed, Buffy Sainte Marie, Nina Simone, Steve Reich, Philip Glass, Daniel Johnston und Hildegard von Bingen als Vorbilder. Das ist in Teilen auch nachzuvollziehen – wichtig ist aber vor allen Dingen, dass Nina mit diesem Ansatz heutzutage auf weiter Wiese alleine dasteht.
Schön im Sinne von „gefällig“ ist das alles nicht und es ist auch nicht unterhaltsam, was Nina Winder-Lind als musikalische Wurzelbehandlung ohne Betäubung präsentiert – aber eigentlich auch unverzichtbar, denn Musikerinnen wie sie werden heutzutage nicht mehr allzu oft gebacken. Und solcherlei Tun hat auch gewisse Vorteile für eine offensichtlich sensible Künstlerin wie Nina Wilder-Lind – denn sowohl Produktgestalter als auch Marketingexperten wie auch die AI und in gewisser Hinsicht die Kritiker dürften sich an diesem Werk die Zähne ausbeißen.
„Wild Love“ von Nina Winder-Lind erscheint auf Transgressive/Bertus.




