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Ein Engel zur Linken, der Teufel zur Rechten
Mit rund 370 Gästen ist das Hannoversche Kulturzentrum Faust recht gut besucht. Eingeladen hat Jake Smith alias The White Buffalo. Der US-Amerikaner wird allgemeinhin als Country-Folk-Musiker eingeordnet, was vor allem live falsche Erwartungen weckt. Zwar gibt es bei ihm auch die Folksongs zur Akustikgitarre wie „Wish It Was True“ in der Solozugabe, aber im Grunde bringt der 53-Jährige energiegeladenen Roots-Rock auf die Bühne. In der Trio-Besetzung mit Christopher Hoffee an der E-Gitarre und den Keyboards sowie Matt Lynott am Schlagzeug hauen durchaus in die Saiten, die Tasten und auf die Felle. Dabei geht freilich die hübsch ausbalancierte Architektur der Studioversionen flöten.
Einerseits überträgt sich die Präsenz der drei Künstler schnell auf das Publikum, das bereitwillig mitklatscht und die Arme in die Höhe streckt. Andererseits goutiert man Stücke wie „The Whistler“, wenn Smith Passagen pfeift oder wenn Klaviermelodien das Klangbild aufhübschen. „The Whistler“ repräsentiert archetypische Themen wie Glauben und Gewalt. Der Teufel flüstert dem Protagonisten ein: „It’s time for your curtain call/So, I dress myself on up with alcohol“. Der Killer schwört zwar der Gewalt ab, aber mit Alkohol im Blut ist dem Burschen kaum zu trauen. In „Come Join The Murder“ sitzt eine Amsel auf dem Fenstersims. Aus ihr aber scheint Gottes Stimme zu sprechen. Der Sünder möge sich dem Vogelschwarm anschließen und Erlösung von der Hand Gottes finden. Mit einem Engel zur Linken und dem Teufel zur Rechten muss sich der Hin- und Hergerissene in „Last Call To Heaven“ entscheiden, wohin sein Weg führen soll. Gleich im Anschluss fragt The White Buffalo in dem gleichnamigen Song: „Where is your savior?“ Den Retter mag man im Himmel oder in der Hölle suchen, doch warum nicht lieber im Irdischen, wenn die Mutter mit offenen Armen wartet?
Die Songs haben immer wieder ihre ruhigen Passagen. Dann klingt Smith‘ Stimme mitunter wie jene von Cat Stevens, in ihrer kratzigen Rauheit aber auch nach Joe Cocker. Ganz tief in den Keller kann der wohlklingende Bariton zum abgrundtiefen Bass führen, das ist durchaus beeindruckend. Aber wenn das Tempo anzieht, dann brüllt und schreit der weiße Büffel, jagt über die Bühne und springt auf das Schlagzeugpodest. Dort prügelt Lynott auf die Felle ein. Das nimmt den Stücken die Individualität, die auf Platte durch Bläser, Mundharmonika, Violine oder Steel-Guitar viele hübsche Nuancen aufweist. Hoffee allerdings holt aus dem Resonanzkörper seiner halbakustischen Gitarre viele kleine Preziosen hervor, die leider etwas untergehen.
Obwohl The Smiths oder Sam Smith mit diesem Namen riesige Erfolge feierten, hat sich Jake Smith den Künstlernamen The White Buffalo gegeben. Er passt zu seiner bärigen Gestalt und der Haarpracht ums Gesicht. Viele seiner Songs fanden Eingang in die Soundtracks von TV-Serien, darunter „Sons Of Anarchy“. Vor gut acht Jahren brachte ihm ein Auftritt bei „Inas Nacht“ einen gewissen Popularitätsschub in deutschen Landen. Ina Müller übernahm bei „I Got You“ die Stimme Audra Maes, die Smith in der Studioversion begleitet. Live fehlt das weibliche Pendant, das den Song bereichert. So breitet sich phasenweise eine gewisse Gleichförmigkeit aus. Dennoch: The White Buffalo spielt eine ordentliche Akustikgitarre, seine Stimme zeugt von Seele.
Den Support gibt der zurzeit in Berlin lebende Singer/Songwriter Tom Holland. Seine Lieder begleitet er selbst an Akustik- und E-Gitarre. Recht hübsche Stücke, die aber bei erstem Hören kaum nachhallen, jedoch warmherzig beklatscht werden. Möge er ein wenig von dem Ruhm abbekommen, den sein Namensvetter, der Spiderman-Darsteller, einheimst.



























