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Tschüss, ihr!
Manchmal erwartet man einfach Besonderes. Möchte man das unbedingt, wünscht es sich. Doch wünsch dir was geht nicht immer. Geht aber bei Die Toten Hosen. Na klar. Die sind noch bis nächstes Jahr auf Abschiedstour, jetzt waren sie in Hamburg. Und spielten vor rund 34.000 Besuchenden eine wunderbare letzte Show.
Die Aufregung war schon vor dem ersten Song spürbar. Überall Vorfreude, Begeisterung, Liebe. „Das ist meine fünfte Abschiedsshow“ sagt einer und grinst. Und grinste sicher noch mehr, als die Hosen mit „Opel Gang“ loslegten. Old School, Baby, ein sehr guter Start. Bei natürlich weder sehr lautem noch sehr guten Sound. Wir sind auf der Trabrennbahn, da ist das eigentlich immer so. Der guten Laune aber störte das nicht, die Massen feierten und feierten und sangen und feierten.
Da spielte es tatsächlich kaum eine Rolle, ob sie neue Sachen wie „Die Show muss weitergehen“ und „Wir waren nie weg“ oder alte Klassiker wie „Bonnie & Clyde“, „Liebeslied“ und „Paradies“ zockten. Es war eine bunte Reise, ein großes Fest, ein riesiges Vergnügen. Einzig kleiner, aber natürlich unvermeidbarer Wehrmutstropfen: Es fehlten einfach zu viele Lieblingslieder. Kein „Liebesspieler“, kein „Bis zum bitteren Ende“, nicht mal das „Wort zum Sonntag“ wurde gespielt. Verdammt! Wobei gerade die beiden Letztgenannten wohl nur halb-gut gepasst hätten…
Aber auch so war die Setlist ganz schön voll und ganz schön super und alleine der reguläre Part mit 23 Songs und dem finalen Viererpack „Alles aus Liebe“, „Pushed Again“, „Wünsch dir was“ und „Hier kommt Alex“ sorgte für eine Menge Schweiß, Tränen und Heiserkeit. Immer wieder hörte man die Band tatsächlich nicht mehr. Weil der Sound so leise und die Leute so laut waren. Und die während der Zugabe noch mal lauter wurden.
Es war eine Zugabe, die so niemand erwarten konnte. Und die Wünsche erfüllte. Los ging es mit „Welt der Wunder“ und Marteria als erstem Gast. Stark, druckvoll, schönes Ding. Danach drehten beim Rote Rosen-Song „Halbstark“ alle durch und sogar „Tage wie diese“ störte nicht. Der Gast der zweiten Zugabe dann war tatsächlich Bela B. Die Toten Hosen und ein Arzt, „Schrei nach Liebe“. Bela hätte nur seine Lippen bewegen müssen. Doch auch danach und auch nach „Schönen Gruß, auf Wiederseh’n“ war noch nicht Schluss. Es wurde noch mal Geschichte geschrieben.
Zur dritten Zugabe nämlich erzählte Campino: „Es kommt nicht oft vor, dass wir wirklich nervös werden, aber manchmal eben schon, vor allem, wenn es einem viel bedeutet. Und wir hätten jetzt nie gedacht, was hier passiert. Wir haben es noch nie erleben dürfen, aber wir haben heute echt einen Wahnsinnsbesuch von einer Künstlerin, die beyond gut und böse ist. Ich muss sie nicht vorstellen. Hier ist Vicky Leandros.“
Und dann kam sie wirklich. Vicky Leandros. 74 Jahre alt, Ikone, Legende, Überraschung gelungen! Gemeinsam spielten sie natürlich „Ich liebe das Leben“, das sie auch für „Alles muss raus“, dem Bonus-Album zur letzten Platte „Trink aus, wir müssen gehen“ aufgenommen haben. Und die Fans? Feierten dieses Ereignis so hart ab, es war ein Erlebnis, es war einzigartig. Traditionell war kurz danach dann mit „You’ll Never Walk Alone“ und nach 2,5 Stunden endgültig Schluss. Ein letztes Mal alle Arm in Arm, schunkeln, singen, tschüss sagen.




