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„Ich hoffe, ich habe genug geübt für so viele Leute“, sagt Sophie Chassée gleich zu Beginn ihres Gastspiels in Osnabrück und muss lachen. Ganz offensichtlich hat die in Köln lebende 29-jährige Singer-Songwriterin und Modern-Fingerstyle-Gitarrenvirtuosin nicht damit gerechnet, dass der Andrang bei ihrem Sonntagnachmittags-Auftritt auf dem Hasefriedhof so groß sein würde, dass die Veranstalter am Ende sogar die Stühle der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Merch- und Getränkestand zur Verfügung stellen, damit mehr Gäste einen Sitzplatz erhalten können. Als Dank gibt es ein besonders intensives, oft emotionales Konzert mit vielen neuen Songs, die vom Frust über das raue Klima im Musikbusiness ebenso handeln wie vom Glück der Liebe.
Im September startet die von Gaesteliste.de präsentierte Tour von Sophie Chassée, auf der sie in den kommenden Monaten ihr neues Album „ELYRA / SOLUNE“ deutschlandweit live auf die Bühne bringen wird – und da kommt das Open-Air-Konzert in Osnabrück zum „Warmspielen“ gerade recht. Dass sie viele Erinnerungen mit der Stadt verbindet, in der sie einst am IfM Bass studiert hat, und mit Jonas Axt auch der Co-Produzent ihres neuen Albums im Publikum sitzt, hat sicher auch nicht geschadet.
Obwohl Chassée die Location zunächst nicht ganz geheuer ist, entpuppt sich die Naturkulisse schnell als feiner Auftrittsort für sie. Schließlich bietet der historische, heute entwidmete und denkmalgeschützte Hasefriedhof eine einzigartige, betont ruhige und von alten Bäumen sowie verwitterten Grabsteinen umgebene, wunderbar andächtige Atmosphäre unter freiem Himmel.
Was Chassées Auftritte seit Jahren außergewöhnlich macht, ist das harmonische Zusammenspiel aus virtuosem Handwerk und der Wärme, die ihre Songs musikalisch wie gesanglich ausstrahlen. Das wird gerade auch bei den neuen Liedern von „ELYRA / SOLUNE“ deutlich, die den Spagat zwischen intimer Indie-Folk-Ästhetik und eingängigem Pop-Appeal perfekt einfangen.
Abwechslungsreich sind sie noch dazu: Denn auch wenn die Harp Guitar an diesem Nachmittag Pause hat, sorgt der bisweilen fliegende Wechsel zwischen Akustik- und Stromgitarre, beeindruckender Fingerstyle-Akrobatik („Fleeting“) und vergleichsweise traditionellen, aber deshalb nicht weniger beeindruckenden Songwriter-Nummern („Watered Flower“, dem heimlichen Highlight des Auftritts), echten Solosongs („Love At First Sight“) und Stücken mit dezenten Backingtracks aus dem Off („Inner Child“) für eine packende Dynamik und willkommene Kontraste.
Dafür sorgen auch die persönlich gefärbten, oft ausführlichen Ansagen, die viele der Songs einleiten und Chassées feines Gespür für textliche Nuancen offenbaren, wenn sie in ihren Liedern persönliche Themen wie innere Stärke, schmerzhafte Rückschläge und unerschütterliche Hoffnung thematisiert. Mit „Warme Haut“ und „Karma“ spielt sie erstmals auch zwei deutschsprachige Lieder, die ihr Gelegenheit geben, sich von einer noch verletzlicheren, ungeschminkteren Seite zu zeigen (und das Publikum bei Letzterem zu einem Singalong einzuladen).
Als sich das 90-minütige Set mit dem Cover-Medley aus Tracy Chapmans „Fast Car“ und „Talkin’ ’Bout a Revolution“ dem Ende zuneigt, hat Sophie Chassée einmal mehr eindrucksvoll unterstrichen, dass sich technischer Anspruch und echtes Gefühl in ihren Händen wunderbar ergänzen.
























