Platte der Woche KW 35/2026
Vor zwei Jahren spielten Interpol vor den Smashing Pumpkins. Zumindest in Berlin hat es nicht so wirklich funktioniert. Die Band wirkte etwas zu unterkühlt, die meisten Menschen vor der Bühne wollten Billy Corgan. Nur Billy Corgan. Im Winter diesen Jahres kommen Interpol wieder auf Tour. Und wieder mit prominenten Kollegen: Bloc Party. Co-Headliner-Tour. Und das darf man nicht verpassen. Zum einen, weil sie in den Hallen spielen. Und vor allem, weil ihre neue Platte überragend gut geworden.
Es ist die erste Interpol-Platte seit vier Jahren, die erste seit „The Other Side Of Make Believe“. Und es ist eine Platte, auf der ganz viel passiert. Viel Unterschiedliches, viel Wunderschönes. Viel Spannendes! Das geht schon beim Opener „This Mirror Weighs A Ton“ los. Sehr atmosphärisch, fast schon sanft, berührend und nur im ersten Moment ein wenig langweilig. Schnell spürt man die Musik, lauscht und genießt. Es kann losgehen.
Und es hört nicht mehr auf. Hier spielen Interpol mal mit Streichern, da mit Bläsern, beim druckvollen, sehr energetischen „See Out Loud“ singt in der Mitte dann plötzlich Gitarrist Daniel Kessler. Passt perfekt. Und: Live wird der Song rasieren, bitte tanzen Sie jetzt. Und springen Sie später bei „Wake Up“. Danke sehr.
Nein. „This Mirror Weighs A Ton“ ist keine Partyplatte. Tempo wird überschätzt, Wucht ist nicht so wichtig, Energie kann man auch anders loswerden. Interpol bleiben auch 2026 distanziert, arrogant, selbstbewusst, kalt. Natürlich immer mit Herz. „Wings On Fire“ klingt gleichzeitig herzlich verkopft. Anderes ist fast butterweich, sehr, sehr sanft. Ist Schunkelmusik für laue Herbstabende mit Editors-Melodien. Und das klingt viel, viel besser, als es klingt. Ganz besonders „So Rides The Reindeer“. Umso opulenter und damit wieder anders begeistert „Bird And The Serpent“, mit „Iron City“ gibt es hier vielleicht den musikalisch schönsten Song des Jahres.
Zwölf Lieder haben Interpol mit Produzent Andrew Wyatt aufgenommen, der zuvor mit Leuten wie Carl Barât von den Libertines, Lady Gaga und Charli XCX gearbeitet hat. Und einen Oscar, einen Grammy und einen Golden Globes gewonnen hat. Gemischt hat David Fridmann (Sleater-Kinney, MGMT). Alle gemeinsam haben ein komplett aufregendes, ein in jedem Moment tolles, sehr tolles, übertrieben schönes Album kreiert.
„This Mirror Weighs A Ton“ von Interpol erscheint auf Partisan Records.



