Auf seinem neunten Album ist dem renommierten Americana-Crack Jeffrey Halford deutlich geworden, dass man einem alten Hund keine neuen Tricks beibringen kann – und ergo versuchen er und seine Band The Healers (zu der auch Songwriter-Kollege Tom Heyman als Gast stößt) auch gar nicht, das Rad neu zu erfinden. Im Titeltrack etwa kommt der Musiker aus San Francisco gar zu dem Schloss, dass man ja auch mit gebrauchten Teilen arbeiten kann, wenn es darum geht, die Maschinerie in Gang zu halten. Eine trefflichere Metapher für diese Scheibe hätte er kaum finden können.
Überhaupt zeigt Halford auf diesem Album seine Stärken vor allen Dingen als Texter: Wie er da seinen Charakter (der laut eigener Aussage nur zum Teil aus ihm selbst besteht) mit anschaulichen Bildern aus dem Leben eines rastlosen Guitar-Man erzählen lässt, das hat schon was. Gleich im ersten Song „Bright Lights“ fasst er das Leben als Musiker, der ständig auf Achse ist und alle Höhen und Tiefen des Musikantendaseins durchgemacht hat, anschaulich im Songformat zusammen. Dabei bildet Halford das Ur-amerikanische Leitmotiv des Getriebenen, der ständig auf Achse ist, sich aber doch nach einem Lebensanker (oder einem Zuhause) sehnt, von dem er weiß, dass er es wahrscheinlich nie finden wird, in anschaulichen Vignetten ab. Diese erzählen entweder von den Orten seiner Lebensreise: Amsterdam, Reno, Madrid, der Mississippi, der hohe Norden, Mexico oder die Rock Mountains – oder aber sie berichten von den überwiegend weiblichen Charakteren, denen er auf seinen Reisen begegnete. Dabei fallen ebenso richtige Liebeslieder wie „Don’t Turn Out The Light“ wie auch augenzwinkernde Tracks über One-Night.Stands wie „Rhytmn Of The Rails“. Das ist alles sehr schlüssig, authentisch und unterhaltsam – und zwar, weil sich Fakt und Fiktion auf eine regelrecht zwingende Weise miteinander verquicken.
Als Sänger leidet Jeffrey Halford unter dem Dylan-Syndrom: Eigentlich kann er es ganz gut – aber seine unstet wackelnde, nölig/nasale Gesangsstimme hat eher Charakter als Volumen und klingt eben nicht so beeindruckend. Davon lässt sich der Meister aber nicht bremsen: Zusammen mit seinen Bandmusikern verfeinert er hier seinen Blues-Rock-Shtick auf eine ganz angenehme Art. Nämlich indem er nicht in Richtung Rock marschiert, sondern eher bei Soul-Sprengseln, Shuffle, Rockabilly, originärem Blues-Sounds und Rock’n’Roll sein Heil sucht. Insbesondere die Idee, oft und gerne mit einem akustischen Kontrabass zu arbeiten, gibt dem Sound eine bauchige Basis, die viel effektiver ist, als es satte Rock-Riffs wären. (Gleich drei Musiker teilen sich dabei die Arbeit am Bass.)
Auch die Idee, seine Familie und Freunde als Backing-Chor zu engagieren, macht sich positiv bemerkbar, denn so kommen noch Gospel und Country-Vibes ins Spiel. Und dann noch etwas: Ohne dass Halford & Co. hier musikalisch irgendwelche Referenzen bemühten (da ist schon die Stimme vor), kommt diese Scheibe mit dem Swagger und der Attitüde einer Stones-Scheibe aus den 70ern daher – was ja nun wirklich nicht die schlechteste aller Inspirationsquellen ist. Und „Don’t Turn Out The Lights“ ist ein Killer-Song, der so viele Halbtöne, Akkord- und Harmoniewechsel enthält von denen hochbezahlte Pop-Produzenten sicherlich abgeraten hätten, dass er fast schon etwas anarchistisches an sich hat.
„Used Parts“ von Jeffrey Halford & The Healers erscheint auf Floating Records.




