Share This Article
Farbe bekennen in dunklen Zeiten: Mit ihrem emotionsgeladenen neuen Werk „These Killing Times“ bricht Emma Ruth Rundle radikal aus der Isolation aus und fügt ihrem beeindruckenden Schaffen zwischen überwältigender Intensität und zarter Introspektion ein Werk hinzu, das einem Befreiungsschlag zwischen kathartischem Zorn und unerschütterlicher Hoffnung gleichkommt. Geprägt von antipatriarchaler Wut und globalen Krisen weicht auf dem inzwischen sechsten Studioalbum der US-Ausnahmemusikerin die Einsamkeit der vergangenen Tourjahre der heilenden Kraft der Zusammenarbeit, wenn sie sich den erdrückenden Lasten unserer Gegenwart stellt, ohne sich jedoch der lähmenden Verzweiflung geschlagen zu geben.
Die Veröffentlichung von „These Killing Times“ markiert für Emma Ruth Rundle einen weiteren Wendepunkt ihrer musikalischen Evolution, die seit jeher von beständigem Wandel geprägt ist. Frühen Meilensteinen in einflussreichen Post-Rock- und Shoegaze-Formationen wie Red Sparowes, Marriages oder The Nocturnes folgte eine Handvoll weltweit gefeierter, betont facettenreicher Solo-Veröffentlichungen wie „Marked For Death“ oder „On Dark Horses“.
Spätestens durch hochkarätige Kollaborationen mit Genre-Größen wie Chelsea Wolfe und Thou sowie die Veröffentlichung ihres vor anderthalb Jahren erschienenen Gedichtbands „The Bella Vista“ wurde unmissverständlich klar, dass sich das künstlerische Schaffen der 42-jährigen Musikerin aus Los Angeles hartnäckig jeder einfachen Kategorisierung entzieht. Das gilt in besonderem Maße für das aktuelle Werk, das sich klanglich fließend zwischen düsterem Gothic Folk, brachialem Post-Rock, 90er-Grunge und unerwarteten Free-Jazz-Nuancen bewegt.
In starkem Kontrast zu der nackten, rein akustischen und niederschmetternden Intimität von „Engine Of Hell“ aus dem Jahr 2021 wurde das neue Material von Anfang an mit der Wucht einer kompletten Band im Hinterkopf konzipiert. Vielleicht auch deshalb wirkt „These Killing Times“ bisweilen wie ein ungezähmtes Manifest und eine Echtzeit-Reaktion auf eine Welt in Flammen. Musikalisch und emotional balanciert die Platte derweil auf einem messerscharfen Grat zwischen ungezügelter Wut und der tiefen Sehnsucht nach Trost und drückt dabei Rundles Wunsch, neugierig auf die Welt und die Gedanken anderer Menschen zu bleiben, in neuen Facetten aus.
Im Gaesteliste.de-Interview spricht Rundle über den mutigen Schritt, das eigene Ego zu überwinden, Kontrolle abzugeben und inmitten einer brennenden Welt kollektive Hoffnung in der Gemeinschaft zu finden. Im Frühjahr 2027 steht sie dann mit kompletter Band auch wieder auf deutschen Bühnen.
Gaesteliste.de: Emma, wenn du auf deinen bisherigen Weg zurückblickst – was war deiner Meinung nach das Überraschendste?
Emma Ruth Rundle: Oh, ich weiß nicht! Ich schätze, ein gewisses Maß an Lampenfieber zu überwinden! Als ich jünger war, war ich furchtbar befangen und einfach von Angst überrollt. Vor anderen Menschen Musik zu machen, war ein Horror für mich. Ich habe mich nicht getraut, weil ich nicht wollte, dass mich jemand ansieht. Ich wollte nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, weil ich dachte, das stünde nicht im Einklang mit Demut.
Aber dann sagte jemand zu mir: „Hast du jemals darüber nachgedacht, dass deine Sicht der Dinge eigentlich sehr egoistisch ist und dass du in Wirklichkeit gar nicht so wichtig bist und es gar nicht um dich geht? Dass du etwas tun könntest, das von Nutzen ist, einfach, indem du Musik in die Welt trägst, bei einem Konzert, dem andere zuhören?“ Im Grunde hat mich also jemand darauf hingewiesen, dass mir mein großes Ego im Weg stand, und dann fing ich an, Musik als eine Tradition zu betrachten, in der ich in einer langen Reihe von Troubadouren stehe und es eigentlich gar nicht um mich geht.
Das hat meine Perspektive auf Musik und Auftritte komplett auf den Kopf gestellt und mir geholfen, darüber nachzudenken, was es eigentlich ist, was man während eines Auftritts weitergibt. Es hat mich darüber nachdenken lassen, wie ich mich als Zuhörerin fühle, wenn ich im Publikum sitze, wie entscheidend das ist und wie dankbar ich bin, Zeugin der Musik eines anderen Menschen sein zu können.
Gaesteliste.de: Vielleicht hätten wir diese Fragen schon vor Jahren stellen sollen, aber wie genau hast du eigentlich entdeckt, dass die künstlerische Betätigung und speziell das Musikmachen ein großartiges Mittel ist, um deinen Gedanken und Emotionen freien Lauf zu lassen?
Emma Ruth Rundle: Als ich das erste Mal ein Instrument in die Hand nahm, war das Gefühl fast augenblicklich da. Ich fühlte, dass es mir eine Stimme gab, weil es einfach extrem ermächtigend ist, Musik spielen zu können. Ich denke, das rührt daher, dass ich als Kind Musik gehört habe und sie bei mir einen so großen Eindruck hinterlassen hat: Ich wollte diesen Raum unbedingt betreten. Wenn man diese Fluttore erst einmal öffnet und es herauszuströmen beginnt, ist das überraschend und intensiv.
Gaesteliste.de: Wenden wir uns „These Killing Times“ zu. Was war das Aufregendste, als du mit der Arbeit daran begonnen hast, und was ist das Aufregendste jetzt, da es fertig ist?
Emma Ruth Rundle: Das ist interessant, denn ich empfinde nicht oft ein Gefühl der Aufregung, sondern eher Ängstlichkeit. Jedes einzelne Album fühlt sich wie ein riesiges Unterfangen an, und das empfinde ich als beängstigend. Da gibt es also eine Menge Stress. Aber dann fing ich an, mich auf die Arbeit mit der Band, mit Sonny DiPerri und mit all meinen Freunden zu freuen, und ich freue mich auch immer sehr auf das Drehen von Videos. Ich liebe es, Musikvideos zu machen, denn das ist eine so schöne Möglichkeit, ein bisschen Leichtigkeit in den Prozess der Albumproduktion und des Albumzyklus zu bringen.
Jetzt, wo das alles geschafft ist, freue ich mich am meisten darauf, mit der Platte auf Tour zu gehen, mit den Menschen wirklich in Kontakt zu treten und darüber nachzudenken, wie ein Konzert eine andere Art von Raum sein kann: Wie kann ich die Dynamik in der Live-Show so verändern, dass eine Umgebung entsteht, in der Menschen sich untereinander verbinden können, in der es nicht nur heißt: „Ich komme hierher, um eine Platte zu verkaufen.“ Ich möchte, dass die Leute Freundschaften schließen, und möchte in gewisser Weise eine positive Wirkung auf die Dinge haben.
Gaesteliste.de: Beim Vorgänger „Engine Of Hell“ hattest du eine klare Vorstellung davon, was du textlich tun und wie du es musikalisch rüberbringen wolltest. Nun wirkt es so, als sei „These Killing Times“ spontaner und fast wie eine Echtzeit-Reaktion auf das, was um dich herum passiert. Liegt das einfach daran, dass du dem Prozess mehr vertraust?
Emma Ruth Rundle: Ja, bei dieser Platte habe ich definitiv gelernt, die Kontrolle abzugeben. Ich trage natürlich immer noch die große Verantwortung, dafür zu sorgen, dass das Grundgerüst eines Songs steht, bevor es ins Studio geht, und dass am Ende eine Platte dabei herauskommt. Aber den anderen Musikerinnen und Musikern zu vertrauen, dass sie ihren Teil beitragen und auch Raum haben, ihren eigenen Stil und ihre eigene Stimme einzubringen – das war in gewissem Sinne neu. Alles ging etwas entspannter zu. Das war zumindest der Ansatz für die Aufnahmen und die Produktion, denn es gibt tatsächlich auch für diese Platte ein Konzept. Ob das nun sehr deutlich wird oder nicht, bleibt abzuwarten, aber ich bin mit einer bestimmten Vorstellung herangegangen, weil ich wollte, dass die Produktion sich stark von der letzten Platte unterscheidet.
Als ich anfing, die Songs für die neue Platte zu schreiben, wollte ich eigentlich ein hoffnungsvolles und fröhliches Album machen, aber das war schlichtweg unmöglich. Es gibt schon hoffnungsvolle Momente auf der Platte, aber ich kam an den Punkt, an dem ich mich fragte: Wenn ich jetzt nicht den Mund aufmache, was macht dann noch Sinn? Wir stehen jetzt an einem Scheideweg auf dem Planeten Erde, wo kein Raum mehr ist, sich mit introspektiven Dingen auseinanderzusetzen. Es geht vielmehr um die Frage, in was für einer Welt wir leben wollen.
Gaesteliste.de: Gab es dafür einen Katalysator oder einen Wendepunkt, an dem dir klar wurde, dass es kein Zurück mehr gibt? Hast du eine Schlagzeile in einer Zeitung gelesen und gedacht: Okay, genug ist genug?
Emma Ruth Rundle: Der erste Song, den ich für diese Platte geschrieben habe, war „God’s Picture“, und zu dieser Zeit stand ganz Los Angeles, wo ich aufgewachsen bin, in Flammen. Viele meiner Freundinnen und Freunde und auch Familienmitglieder mussten evakuiert werden, und die Häuser von einigen Bekannten von mir sind abgebrannt.
Es war eine reale Klimakatastrophe, und gleichzeitig sah ich auf meinem Handy all diese Bilder von extremer Gewalt, die sich zu der Zeit im Gazastreifen abspielte, und auch die ganze Sache mit Trump fing gerade an. All diese Dinge hängen zusammen, und die Intensität nahm so rasant und auf einem solchen Niveau zu, dass es meine Gedanken – und sicherlich auch die vieler anderer Menschen – völlig vereinnahmte. Seitdem – denn das ist jetzt auch schon wieder ein Jahr und zehn Monate her – kennt der Wahnsinn kein Ende.
Als ich vor ein paar Wochen nach einer Zeit auf Reisen nach Hause gekommen bin, war die Luftqualität hier wegen der Waldbrände so schlecht, dass die Empfehlung lautete, viele Tage lang nicht nach draußen zu gehen. Ich habe auch Freundinnen und Freunde in anderen Teilen der Welt, deren Häuser brannten und die extreme Hitze erlebten, ohne jede Erleichterung, ohne Klimaanlage. Ich weiß, bei euch in Deutschland war es diesen Sommer auch so unglaublich heiß! Wir müssen uns einfach vor Augen halten, dass es keinen anderen Ort gibt, an den wir gehen können. Wir haben keinen anderen Zufluchtsort. Es ist an der Zeit, der Realität ins Auge zu blicken!
Gaesteliste.de: Trotzdem findest du in den neuen Songs eine Balance zwischen Wut und Hoffnung…
Emma Ruth Rundle: In dieser Platte steckt eine Menge Wut, und es ist neu für mich, dieses Ausmaß an Wut auszudrücken. Aber Wut ist eine Art aktivierende Emotion: „Okay, hier ist eine Ungerechtigkeit geschehen und jetzt muss ich etwas dagegen tun, weil die Wut ja irgendwohin fließen muss!“ Trotzdem muss es aber auch Hoffnung geben, denn wenn es sie nicht gibt, verfällt man sehr leicht in Verzweiflung und gibt einfach auf.
Gaesteliste.de: Hoffnung muss also auch sein, damit du diese Songs Abend für Abend live spielen kannst, ohne verrückt zu werden?
Emma Ruth Rundle: Ja, ich musste das einbauen, nicht nur für das Publikum, sondern auch für mich selbst. Ich brauche das, ich muss das Gefühl haben, dass es etwas Hoffnung gibt. Ich denke, allein schon zu sagen: „Hey, diese Sachen sind real, das passiert wirklich! Ich sehe es und es ist eine Ungerechtigkeit!“ Allein, dass jemand anderes das auch ausspricht, lässt einen erkennen: Ich bin nicht verrückt (lacht)! Die Bestätigung der eigenen Erfahrung ist etwas Heilendes. Ich habe vielleicht keine Antwort, aber zumindest kann ich dazu beitragen, dass Erfahrungen validiert werden.
Gaesteliste.de: In den neuen Liedern stellst du eine Menge Fragen, ohne allzu sehr darauf bedacht zu sein, Antworten zu finden…
Emma Ruth Rundle: Ich bin nur eine Frau, die Gitarre spielt. Ich habe nicht die Antworten, aber ich denke, es ist wichtig, die Fragen zu stellen. Wenn man in einem Kunstwerk eine Frage stellt, sei es in einem Gedicht oder in einem Lied, macht das aus dem Publikum aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Man ist der Musik nicht einfach nur ausgeliefert, sie will, dass man auch über Dinge nachdenkt, und es entsteht ein Dialog.
Gaesteliste.de: Lass uns auf einige Texte eingehen. In „Enough“ schlägst du eine Brücke vom biblischen Propheten Elia zu Tech-Milliardär Elon Musk. Lässt du in solchen Momenten einfach deiner Fantasie freien Lauf?
Emma Ruth Rundle: Ich zögere ein wenig, das alles komplett offenzulegen, weil das Dinge sind, die zunächst einmal in meinem Kopf Sinn ergeben, aber der biblische Prophet ist eine sehr mächtige Figur in der Mythologie des Christentums – und inzwischen befinden wir uns in der Mythologie des Kapitalismus, und wir haben diesen Mann, dem „die Welt gehört“. Ich habe beim Schreiben des Songs viel an das David-Bowie-Lied „The Man Who Sold The World“ gedacht. Der Tech-Milliardär ist der neue religiöse Prophet, und ich glaube nicht, dass das besonders weit hergeholt ist. Ich habe mir einfach die Erzählung von Elia, der in den Himmel auffährt, neu vorgestellt, und für mich ist es kein weiter Weg zu Elon Musk, SpaceX und all diesem Scheiß. Aber in meiner Vorstellung und im Song habe ich mir ausgemalt, dass er von einem zornigen Gott in Stücke gerissen wird, einer zornigen, mächtigen, gewaltsamen Kraft, die hinab zur Erde kommt und ihn zerreißt. Das ist es, was der Saxofon-Part darstellen soll (lacht).
Gaesteliste.de: Zum Saxofon kommen wir gleich, davor möchten wir aber noch den Song „Powerless“ ansprechen, dessen Arbeitstitel „Noam Chomsky Is Dead To Me“ lautet. Welche Auswirkung hat es auf dich, Menschen, die man aus der Ferne als moralische Instanzen idealisiert hat, zu verlieren?
Emma Ruth Rundle: Das Gefüge unserer Gesellschaft baut auf dem Glauben auf, dass die meisten Menschen im Grunde gut sind, und ich glaube, wir finden gerade heraus, dass Macht letztendlich eine korrumpierende Kraft ist, ganz egal, wer man ist – und das zu sehen, ist niederschmetternd. Natürlich war es naiv von mir, denn irgendetwas oder irgendwen zu idealisieren, ist letztlich naiv, weil wir schließlich alle nur Menschen sind. Aber das Ausmaß der Verfehlungen in diesem speziellen Fall ist unglaublich demoralisierend. Ich denke, wir müssen wirklich grundlegend überdenken, wie alles funktioniert. Unsere gesamte Gesellschaft ist extrem kaputt. Wie repariert man das? Ich war so enttäuscht, weil ich wirklich dachte, Noam Chomsky stünde über so etwas.
Gaesteliste.de: Du hast das Saxofon gerade erwähnt, und tatsächlich gibt es in Songs wie „Enough“ oder „God’s Picture“ einige jazzige Elemente. Ist das auch einfach ein Ausdruck deines Versuchs, neugierig zu bleiben?
Emma Ruth Rundle: Das ist Patrick Shiroishi, der das Saxofon spielt. Er ist ein genialer Künstler und ein unglaublich cooler Typ, ein großartiger Mensch. Wenn diese beiden Dinge zusammenkommen, ist es das Beste! Patrick ist ein Freund, wir sind schon zusammen getourt, ich habe auf einem seiner Songs mitgespielt, und wir haben auch eine Verbindung über die Poesie. Schon beim Schreiben dieser Platte wusste ich, dass ich Patrick dabeihaben wollte, wenn er Zeit und Lust dazu hätte. Deshalb gibt es in „God’s Picture“ absichtlich eine Strophe ohne Text, um Platz für ein fließendes Klavier und sein wunderschönes Saxofon zu haben. Ich wusste einfach, dass ich Patrick die Songs geben kann und er etwas einspielt, das wunderschön und großartig sein wird. Genau das hat er auch getan.
In „Enough“ soll diese chaotische Bridge den verrückten Moment der Abrechnung mit diesen riesigen, epischen Mächten darstellen, und natürlich war Patrick genau der Richtige dafür. Ganz abgesehen davon liebe ich Jazz und alle möglichen verschiedenen Musikrichtungen! Ich glaube nicht, dass ich jemals eine Platte machen werde, von der ich sage: Das ist exakt dieses Genre, das bleibt genau in dieser Kategorie. Alles ist chaotisch und es macht auf gewisse Weise Spaß, in ganz unterschiedliche Welten eintauchen zu können. Das gefällt mir sehr! Ich finde, es ist unkonventionell, farbenfroh zu sein (lacht).
Gaesteliste.de: Kommen wir zu dem Versuch, die neue Platte von den Vorgängern abzugrenzen. Kann man vielleicht sagen, dass du auf „These Killing Times“ so mühelos nach Emma Ruth Rundle klingst wie noch nie zuvor? Heißt das dann auch, dass du weniger neuen Nuancen nachgejagt bist und dich mehr auf glückliche Fügungen verlassen hast, damit neue Dinge organisch entstehen, anstatt aktiv nach ihnen zu suchen?
Emma Ruth Rundle: Ich bin nicht sicher, dass das eine bewusste Entscheidung war. Es gab viel Spontaneität im Studio, aber ich denke, das kommt einfach vom Älterwerden. Ich bin jetzt 42 und durfte so viele Shows spielen und so viele Platten machen. Ich hatte das große Glück, die Gelegenheit zu bekommen, weiter Platten aufnehmen zu können. Nicht alle bekommen diese Chance, sei es, weil sie die Musik aufgeben oder aus welchen Gründen auch immer nicht so lange leben. Ich habe eine Phase in meinem Leben als Mensch und als Frau erreicht, in der ich einfach mehr zu mir selbst gefunden habe, und ich denke, es liegt ein Wert darin, einfach das zu tun, was ich tue.
Gaesteliste.de: Ja, das ergibt Sinn. Wir haben schon das Thema Community angeschnitten, und tatsächlich hast du auf der neuen Platte wieder mit einer Band gearbeitet. Letzte Frage: Ist das der Punkt, an dem sich diese beiden Dinge ergänzt haben?
Emma Ruth Rundle: Ja! Ich habe bei „Engine Of Hell“ und den Tourneen zu dieser Platte in den letzten Jahren eine Menge schwerer Arbeit geleistet – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Das zu tun, war sehr wichtig für mich persönlich, aber es war auch extrem isolierend: Es gab mir so viel Raum für eine Menge Introspektion. Dabei habe ich gemerkt, dass ich einfach nicht mehr allein sein will. Ich möchte mit Freunden zusammen sein. Ich wollte mit anderen Menschen, mit anderen Musikern zusammen sein. Ich habe die Kameradschaft vermisst. Ich wollte den nächsten zwei Jahren – vor diesem Hintergrund, was in der Welt vorgeht – nicht ganz allein entgegentreten. Ich kann es einfach nicht. Wir sind nicht dafür geschaffen, die ganze Zeit auf uns allein gestellt zu sein. Ich brauche andere Menschen, ich brauche ihre Stärke und ihre Ideen – wir brauchen einander!
„These Killing Times“ von Emma Ruth Rundle erscheint auf Errant Child/Cargo.




