Seit 2025 bastelt die norwegische Musikerin Lene Talgø an ihrer musikalischen Vision, die sich nun – mit der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums „Greatest Swamp Hits“ – ihrer Realisierung nähert. Dabei wird es ganz schön kompliziert – denn anstatt sich ein Genre auszusuchen und sich darin firm zu machen, ging Lene einen deutlich anderen Weg. Zunächst begann sie als Fünfjährige Geige zu spielen, schrieb sich mit 13 bei einem klassischen Talent-Programm ein und arbeitet nun an einem Master in elektronischer Musik an der Uni von Agder. Erst DANACH ging sie daran, sich musikalisch zu verwirklichen und mit TikTok & Co. zu flirten. Mit elektronischer Musik kennt sich Lene also aus – und grundsätzlich ist das dann auch die Grundlage, auf der sie das nun vorliegende Album „Greatest Swamp Hits“ aufbaute.
Allerdings tut sie das nicht besonders konsequent. So spielt Lene etwa selbst Synthesizer und Rhythmusmaschinen, anstatt sich die Tracks am Computer zusammenzubasteln. Während die meisten Tracks zwischen klassischem E-Pop, Club-orientierter Retro-Ästhethik, Dreampop und Ambient-Landscapes hin und her pendeln, gibt es auf anderen – wie etwa „Dreams“, „Taste Love“, „Two Souls“ oder „Body Language“ – auch organische Instrumente wie akustische und elektrische Gitarren, Geige sowie bei mehreren Gelegenheiten einen Bass zu hören. Das geht dann meist in Richtung New Wave („Body Language“, „Two Souls“) und gipfelt in dem Track „Dreams“, in dem alles zusammenkommt und der deswegen auch am wenigsten „elektronisch“ klingt. Andere Sachen wie „Lights Off“ oder „Taste Love“ drehen dann gerne auch mal in Richtung (Retro-)Disco ab.
Es kommt da aber noch eine Sache hinzu: In einige Tracks sind auch noch Field-Recordings und abrasive Effekte eingebunden. Das hat einen interessanten Hintergrund – denn zum einen möchte Lene damit deutlich machen, welchen Einfluss die Gegend – bzw. die Landschaft – in der sie lebt auf ihre Musik hat. Die Sache mit dem Swamp ist also kein Gag – sondern hier ist tatsächlich ein Sumpf gemeint.
Zum anderen arbeitet Lene gerade an einer Studie, die die Rolle der Nostalgie in der zeitgenössischen Musikproduktion untersucht. Das erklärt dann vielleicht den Retro-Faktor, der Lenes Songs auszeichnet – und auch den Ansatz, ihre Musik nicht in eine bestimmte Richtung zu pushen – also Elektronik oder organische Musik –, sondern sich stattdessen im unklaren Zwischenbereich zu bewegen. Ohne Frage macht das die Musik dann auch spannender – und trotz der insbesondere beim doch sehr internalisierten Gesang implementierten Distanz zum Hörer – auch menschlicher; denn Robotik und AI haben keinen Platz in der Musik von Lene 3000.
„Greates Swamp Hits“ von Lene 3000 erscheint auf Bella Union.




