Pünktlich zum 40-jährigen Bestehen des Nürnberger Psych-Rock-Trios The Truffauts erscheint nun das ungefähr 16. Album mit dem schönen Namen „Never In A Million Years“. Vermutlich hätten sich die Jungs mit dem Faible für’s Frankophile gar nicht vorstellen können, dass sie es mal bis hierhin schaffen könnten (zumal das Projekt zwischenzeitlich mal eine sechsjährige Pause einlegte). Aber seit den letzten 25 Jahren ist Ronald Chateauroux (oder Rotheburger, wie es im Pass steht) – zugegeben mit wechselnden Musikern und seit 2020 mit neuem Drummer gut im Geschäft.
Dabei hat sich das musikalische Setting im wesentlichen kaum verändert: The Truffauts spielen eine Art von Garage-Psychedelia-Pop – der statt mit 60‘er Nostalgie-Sounds eher mit einer Prise College-Rock und New-Wave Flair angereichert ist – was ihn aus der Masse anderer zeitgenössischer Psychedelia-Aficinados heraus hebt. Anlässlich des letzten Albums „Refrain“ verwiesen wir noch auf die stilistische Nähe zu den kanadischen Sadies, die eine ganz ähnliche Ästhetik verfolgen (nur mit Folk- statt New Wave-Ästhetik) – und können das nun erneut bestätigen.
Auch das neue Album wartet demzufolge wieder mit jeder Menge potentieller Hits wie etwa gleich dem Opener „Prisonnier“ auf. Hier zeigt sich dann auch, wieso die Truffauts eher etwas für Musikliebhaber sind als für den Massenmarkt sind (womit die Sache mit den Hits also relativiert werden muss). Zwar haben die Truffauts im Laufe der Jahrzehnte eine gewisse Fertigkeit die Instrumentenbeherrschung und die Produktionstechnik eingefahren – haben aber ansonsten keinen Schritt in Richtung Konventionen und Erwartungshaltungen gemacht, sondern geben sich immer noch so ungehobelt, stürmisch schrullig und konsequent wie zu Beginn ihrer Laufbahn.
Ronald trägt die Songs – wie gehabt – mal auf Englisch und mal auf Französisch vor; behält dabei aber den teutonischen Zungenschlag konsequent bei. Authentizität ist den Truffauts auch in dieser Hinsicht wichtiger als irgendwelches Finetuning. Immerhin ließen sie sich von Gabrielle gesanglich (bei der akustischen Reprise des Rock-Chansons „La Solitude“) und von Angelika textlich unterstützen. Langer Rede kurzer Sinn: Wem die letzten 3-5 Truffauts Alben gefallen haben, der dürfte auch mit diesem Werk keine Probleme haben. Das bietet dann gegen Ende mit dem Track „Utopia“ auch noch einen schönen eskapistischen Trip in eine hoffentlich bessere Welt.
„Never In A Million Years“ von The Truffauts erscheint auf TP9.




