Share This Article
Schatten auf der blauen Stunde
Ein Schatten liegt auf der blauen Stunde im Riptide im Herzen des Braunschweiger Magniviertels. Eigentlich für eine größere Location geplant, wurde das Konzert von Maria Taylor mangels Nachfrage in das heimelige Altstadtcafé verlegt. Und es ehrt die amerikanische Singer/Songwriterin, dass sie vor nur rund 20 Gästen auftritt. Sieben Jahre sind seit ihrem letzten Album vergangen. Mit „Story’s End“ hat sie nun neue Songs am Start. Sie sind geprägt vom Ende ihrer Ehe, und wenn Taylor diese lediglich auf der E-Gitarre spartanisch begleitet, wird daraus ein besinnlich-melancholischer Kanon, der ihrer wunderbaren Stimme allerdings viel Raum lässt.
Ihre einstündige Show beginnt Taylor mit „Pretty Scars“. „I was born on a Friday back in 1976 to a singer and a teacher“, singt sie. Eine perfekte Kindheit als Basis „to go out on the road“. Das Grundvertrauen bleibt im Gepäck: „their song still rings like an echo“. Doch das Leben fügt ihr die eine oder andere „hübsche Narbe“ hinzu, es gehört wohl dazu. Und so schließt sich der Kreis, wenn die Dunkelheit eine vormals glückliche Beziehung überschattet („Shades Of Blue“) und diese ihr Ende findet („Story’s End“). Aber Taylor hat sich berappelt, wird weitersingen: „And I’ll sing along (Oh, woah-oh-oh)“. Recht düster, ohne Spot auf die Künstlerin, hat Taylor schon mal Probleme, ihre Setlist zu lesen. „Jetzt bin ich 50 und kann nichts mehr lesen – scheiße“, flucht sie mit einem Lächeln.
Die synästhetischen Lyrics von „Birmingham 1982“ evozieren Erinnerungen, die sich aus verschiedenen Sinneswahrnehmungen speisen: Gehörtes, Gefühltes, Gesehenes, Geschmecktes. Bei „Masterplan“ verliert Taylor kurz den Faden, entschuldigt sich und verspricht beim nächsten Mal besser zu sein. Im Riptide sind eh nur Fans, einige sogar von weiter her angereiste. Einer von ihnen wünscht sich zur nächsten Tour wieder die Band herbei, doch Taylor macht da wenig Hoffnung – die Kosten halt. Der Wunsch ist aber nachvollziehbar, sind doch Taylors Songs auf Platte so fein instrumentiert, auf dem aktuellen Album gar mit süffigen Streicher-Arrangements. Dort kommen Spannungsbögen und Refrains besser zur Geltung als bei der reinen Gitarrenbegleitung. „Tricky“ fehlt so die mit verhaltener Elektronik erzeugte nächtliche Atmosphäre. Und „Sorry I Was Yours“ ist auf dem Album ein Duett mit Connor Oberst. Mit dessen Band Bright Eyes, die im Gegenzug auf Taylors neuem Album mitwirkte, war sie auf Tour, als Schlagzeugerin wohl gemerkt. Azure Ray, das Projekt mit Orenda Fink, hat sie für eine gemeinsame Platte wieder aufleben lassen. Zudem hat sie mit Phoebe Bridgers, Adam Duritz und Ben Lee zusammengearbeitet und Filmmusik geschrieben – Maria Taylor scheint über die Runden zu kommen.
Im Riptide in intimem Kreis kann man Taylors fester, eindringlicher, heller und doch warmer Stimme lauschen, die jedoch auch tastend, zerbrechlich, von Gefühlen übermannt rüberkommt. Zweifelnd einerseits, sich Mut zusprechend andererseits. Die sparsame Gitarrenbegleitung sorgt mitunter für eine gewisse Einförmigkeit, zumal Taylor Uptempo-Stücke wie „Lady Luck“ oder „Spinning Wheel“ auslässt. Wer möchte, hat nach dem Konzert noch die Gelegenheit, sich mit der Künstlerin auszutauschen. Dass nach der Umlegung des Auftrittsortes der Eintritt frei ist, lockt leider auch nicht mehr Interessierte ins Riptide. Für die weitere Tour sei Taylor ein größeres Publikum gewünscht.











