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Gut gebacken
Die Kroatin Vanja Krbavčić hat ursprünglich das Konditorhandwerk erlernt. Doch als die kaum Volljährige ein Konzert ihres Landsmanns Denis Makin und seiner Band The Screaming Wheels besucht, tauscht sie Backform und Tortenplatte gegen Gitarre und Mikrofon und nennt sich fortan Vanja Sky. Sie will halt hoch hinaus. Inzwischen hat sie sich eine stabile Fangemeinde erspielt; für ihr letztes Studioalbum konnte sie gar Gerry McAvoy (Rory Gallagher) und Ric Lee (Ten Years After) gewinnen. Nicht verwunderlich, dass die Blues Garage erneut bestens besucht ist.
Gemeinsam wird der „Rock ’n’ Rolla Train“ bestiegen. An Bord begegnet man der „Devil Woman“ und ihrer großen Schwester, der „Voodoo Mama“, die diabolisch lacht und geheimnisvoll wispert. Gut abgehangener Blues-Rock. Johannes Horas steigt mit groovendem Bass in „Troublemaker“ ein, das angenehm luftig gelingt, während „Hard Working Woman“ mehr Rock ‘n‘ Roll ist. Schlichter gestrickt ist das an Joan Jett erinnernde „Don’t Forget To Rock ‘n‘ Roll“ – muss den Fans natürlich nicht gesagt werden. Die singen bei dem fulminanten Rory Gallagher-Cover „Shadowplay“ vielstimmig mit, und auch bei „To Love Somebody“ lassen sie sich nicht lange bitten. Sky verwandelt die Bee Gees-Ballade in einen Slow-Blues, der später noch in einen Reggae hinübergleitet. Eine gelungene Aneignung eines für das Genre ungewöhnlichen Songs.
„Crossroads Of Life“ gibt der Band Raum, sich solistisch zu entfalten. Während Ruben Roels bei den kürzeren Gitarrensoli zuvor ein wenig zur beliebigen Daddelei neigte, zeigt er hier mit vor allem den leisen und gefühlvollen Tönen sein großes Potenzial. Doch mit „Riding High“ beweist die Band, dass sie auch ohne Sperenzien kompakt durchrocken kann. Mit zwei neuen Stücken verweist Sky auf ihr im nächsten Jahr erscheinendes Album. Zunächst darf sich der Fan an dem Live-Mitschnitt aus dem Vorjahr erfreuen, „Access All Areas“, das große Teile der aktuellen Setlist beinhaltet, allerdings noch mit einem anderen Line-Up aufgenommen wurde.
Die begeisterten Zuschauer erklatschen sich zwei Zugaben. Bei Tony Joe Whites (und durch Tina Turner bekannt gewordenem) Swamp-Blues „Steamy Windows“ würden sicher die Fenster beschlagen, gäbe es sie in der Blues Garage. Mit dem 1955 von Richard Berry geschriebenen Rhythm ‘n‘ Blues-Klassiker „Louie Louie“ verabschiedet sich Sky, um am Devotionalienstand Tonträger zu signieren und für Fotos und kurze Gespräche bereitzustehen. Volksnähe zeigte die 33-Jährige bereits zuvor, wenn sie ihre Band auf der Bühne machen lässt und durch das Publikum spaziert, ohne die Galerie zu vergessen.
Sky spielt meist Rhythmusgitarre, stellt das Instrument aber auch mal zur Seite, um sich ganz auf ihren Gesang zu konzentrieren und die Hände frei zu haben, damit sie zum Armeschwenken animieren kann. Sie hat den nötigen Dreck für den rockigen Blues auf den Stimmbändern, ohne sich merklich mühen zu müssen, und weiß sich in den seltenen ruhigen Stücken zurückzunehmen, um die Melodie in den Vordergrund zu stellen. Mit dem Song „Hit Me With The Blues“ mag sie sich auf ihren kroatischen Landsmann beziehen, der sie mit dem Blues-Rock infizierte. In der Blues Garage haben die Konditorin Vanja Sky und ihre Mannen jedenfalls deliziöses Naschwerk gebacken, das vor allem nicht ansetzt.























