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So viel zu entdecken
War es im letzten Jahr Sturmtief Benjamin, war es diesmal Sturmtief Austen, das für unbequeme Wege und nasse Klamotten zwischen den Clubs, Venues und anderen Spielstätten des Showcase-Festivals Left Of The Dial in Rotterdam sorgte. Aber das sollte niemanden davon abhalten, sich wieder unzählige neue Bands aus dem Indie-Rock-Pop-Sektor anzusehen und vielleicht eine oder mehrere neue Lieblingsbands an Land zu ziehen.
Worum es beim Left Of The Dial grundsätzlich geht, kann im Intro zum Vorjahresbericht nachgelesen werden – auch in diesem Jahr waren wieder rund 160 Bands vor Ort, um Konzerte in bereits bekannten, aber auch neuen Spielstätten zu spielen. Neu war auch, dass mit dem Mittwoch ein zusätzlicher Tag eingeführt wurde, der 2026 nur Bands aus Rotterdam vorbehalten war. Wie es im nächsten Jahr aussehen wird, bleibt abzuwarten. Die Macher der LOTD sind ja immer für eine Überraschung gut. (Wir waren aus organisatorischen Gründen leider dieses Jahr nicht am Mittwoch vor Ort.)
Los ging es für uns im Foyer des Theater Rotterdam mit Lacuna aus Glasgow, Schottland. Bassist Will Taylor hat die Peter-Hook-/The-Cure-Schule sehr aufmerksam besucht, d.h. es gab großartige Melodie-Bass-Linien zu hören, dazu Rock-Pop mit meist recht lautem, krachigem Finale und immer ein wenig zusätzlicher Grandezza. Gesanglich interessant und vor allem gut gelungen war die Kombination aus den beiden Sängerinnen Emily Beckwith und Olivia Thom und aus dem Hintergrund Drummer Sean Choon. Ein toller Start.
Rüber zur Arminius-Kirche, in der es direkt zwei Bühnen zu bespielen gab. Unten im großen Raum war es Zeit für casual smart aus Cardiff – Sänger Peter Martin outete sich, im niederländischen Amelen geboren worden zu sein („What a town, eh?“). Musikalisch hat es einen schönen, eingängigen Mix aus Indie-Rock und Folk gegeben; besonderes Merkmal des Band-Sounds ist der Saxofon-Einsatz von Rowan Phillips. Spannend und sehr unterhaltsam.
Im oberen Raum der Arminius-Kirche war dann beim Publikums-Altersdurchschnitt ein deutlicher Sprung nach oben zu verzeichnen, als die Tokyo Sea Dragons (ein Ableger des Desire Machines-Kollektivs aus Manchester) ihren Psychedelic-/Krautrock anstimmten. Kianna Blue (Vocals/Guitar) konnte vor allem mit stoischem Gesang überzeugen; die restlichen Mitglieder rahmten alles musikalisch perfekt ein – mal was anderes, und auch mal der Beweis, dass es nicht immer nur Bands aus dem Teenie-/Twen-Alter ins Line-Up des LOTD schaffen. Hauptsache, die Musik passt.
In andere Sphären, wenngleich nicht weniger psychedelisch, aber auf einem ganz anderen Level, ging es dann mit Compost Compost Compost aus England. „Exploratory electro-acoustic soundworlds” heißt es recht mysteriös in der Band-Info, aber auf der anderen Seite passt dies auch wieder, und hier haben wir es tatsächlich mit einem dieser hidden gems des LOTD zu tun. Das war ganz großes Kino, was die Band hier abgeliefert hat. Leichte Radiohead-Anleihen sind vor allem durch den Gitarren-Einsatz, weitere elektronische Spielereien und die eindrucksvolle Stimme von Jamie Holman auszumachen, aber das in diesem Fall auf jeden Fall positiv. Es existieren Bands, die eine völlig andere Welt bei einem Auftritt erzeugen können; Compost Compost Compost gehören definitiv dazu.
Nicht ganz so eindrucksvoll, aber dennoch fesselnd war der Auftritt von GX Nurse im Worm 1 – grob umschreiben kann man die Musik des Trios aus England mit Indie-Rock, Shoegaze und geringen Trip-Hop-Anleihen. Sängerin Poppy Billingham besitzt die dafür passende Stimme, ihr Bruder Finn erschafft große Soundwände, das Schlagzeug fundiert das alles. Leider wollte die Technik nicht vollständig mitspielen, so kam es zu einem eher abrupten Ende.
Nebenan im Worm 2 wurde es dann eher obskur; der niederländische Künstler Iskandr hatte zu einem Trip der anderen Sorte eingeladen. Alleine, nur mit einem kleinen Arsenal an Mini-Synthies, Glocken, Trompete und im Hintergrund psychedelischen Videoprojektionen ist er angetreten, um seine Version von niederländischer mittelalterlicher Atmosphäre zu erzeugen. Man muss sich schon drauf einlassen.
Fortsetzung folgt…




















