Platte der Woche KW 08/2026
Stone fallen mit der Tür ins Haus. Auf ihrer Suche nach Freiheit um jeden Preis betteln die Briten gleich im Titelstück, das ihre zweite LP eröffnet: „Set me free – autonomy!“ Es ist ein lautes Manifest für mehr Selbstbestimmung und der Auftakt für ein Album, auf dem der Weg von grüblerischer Innenschau zu kathartischen Ausbrüchen oft ganz kurz ist.
Seine Entsprechung findet diese Dualität in einem Sound, bei dem es von punkigen Riffs und amerikanischen 90s-Alterantive-Vibes zu Ohrwurm-Melodien, die vor 25, 30 Jahren auch die meisten Brit-Pop-Acts zwischen Paul Weller, Stereophonics und Oasis mit Kusshand genommen hätten, bisweilen nur ein Katzensprung ist. Mehr als einmal machen dabei raue, vor Energie sprühende Strophen den Weg frei für luftige Mitsing-Refrains.
Auch nach diesem explosiven Beginn machen die Fab Four aus Liverpool keine Gefangenen. „Monkey See Monkey Do“ ist eine bissige kleine Grunge-Nummer, die das Publikum vom ersten Ton an anspringt und keinen Ton verschwendet, bis sie nach nur 110 Sekunden, die sich um Selbstbeherrschung und die Widersprüche zwischen Wahrnehmung und Realität drehen, auch schon wieder endet.
Weil Stone eine wirklich mitreißende Live-Band sind – wir erinnern uns noch gerne an unsere Begegnung beim Valkhof Festival in Nijmegen im Jahre 2022, noch bevor die Band überhaupt ihre Debüt-LP veröffentlicht hatte -, tun sie auf „Autonomy“ gut daran, auch im Studio wuchtige Bühnenenergie mehr zu betonen als unterkühlte Click-Track-Perfektion.
Die chaotische Spontaneität, die dabei oft geradezu greifbar ist, steht Stone ganz ausgezeichnet zu Gesicht, zumal sie wirklich gut zu den Texten passt, die um Themen wie Selbstakzeptanz, Resilienz und Durchhaltevermögen und immer wieder auch den Wunsch nach Unabhängigkeit, der schon im Titel anklingt, kreisen.
Deshalb dürfen bei Nummern wie „Never Again“ (mit einer sich auch im Albumcover widerspiegelnden Hardcore-Power) oder „Blackstripes“ alle Dämme brechen, als sei nicht die Merseyside der Gegenwart das Zuhause der vier, sondern der pazifische Nordwesten der USA Anfang der 90er, bevor „Money (Hope Ain’t Gone)“, „Sweet Heroine“ oder „Picture“ dann wieder stadiontaugliche Eingängigkeit in den Vordergrund rücken lassen und sogar Synths nicht verboten sind.
Schon auf ihrem Album-Erstling „Fear For A Lifetime“ hatten sich Stone 2024 als Band positioniert, die gekommen ist, um zu bleiben, mit „Autonomy“ unterstreichen Sänger Fin Power, Gitarrist Elliott Gill, Bassistin Sarah Surrage und Schlagzeuger Alex Smith diesen Anspruch nun nachdrücklich.
„Autonomy“ von Stone erscheint auf V2/Bertus.



