Seit ungefähr 2010 machte die aus der Provinz British Columbia stammende, kanadische Songwriterin Ora Cogan zunächst die Indie-Folk-Szene der kanadischen Westcoast unsicher. Im Laufe der Jahre hat sich die Gute aber ein ganz eigenes, spezifisches Instrumentarium zurechtgelegt, mit dem sie ihre Visionen (unterbrochen von einer längeren, spirituellen Auszeit, in der sie als Aktivistin und Photojournalistin tätig war) auch auf ihrem neuen Album „Hard Hearted Woman“ in für sie neue Richtungen führt.
Fast – so scheint es – habe es sich Ora auf die Fahnen geschrieben, auf ihrem neuen Album die verschiedenen Stile wie Cosmic American Music, Weird-Folk, Mythical Dreampop, Westcoast-Psychedelia, Shoegaze und Laurel Canyon Style-Songwriting in weiten Teilen neu zu besetzen und in ihrem einzigartigen Klangkosmos zusammenzuführen. Interessanterweise kommt dabei jeder der zehn Tracks mit einer eigenen musikalischen Ästhetik daher. Zusammengehalten wird das Ganze dann erstaunlicherweise nicht etwa alleine durch Oras einschmeichelnden Gesang irgendwo zwischen Whisperfolk- und lautmalerischer Dreampop-Dramaturgie, sondern von den rollenden Bassläufen ihres langjährigen Mitstreiters David Parr (Loving), die das Material wie ein pulsierender Herzschlag erden. Und dann nutzt Ora die verschiedenen Bestandteile der ihr zur Verfügung stehenden Mittel, um immer wieder neue Facetten aus den Arrangements herauszukitzeln.
Dabei nutzt sie die Dynamik unerbittlicher Monotonie auf der einen Seite – wie sie etwa mit der ersten Single-Auskoppelung „Honey“ (dem eigentlichen Titeltrack des Albums) oder dem droneartigen „Bury Me“ demonstriert wird – und zerbrechlich melodiösen Dreampop-Schwelgereien à la „Division“ oder „Believe In The Devil“ auf der anderen. Letztere sind dann mal eher folky oder folk-poppig angelegt, mal psychedelisch aufgebohrt und mal als Klangwolken angelegt. Im Falle des fast grandiosen Tracks „River Rise“ (dem eingängigsten Track des Albums) kommt dann sogar noch eine plüschige Retro-Chamber-Pop-Note hinzu.
Auf diese Weise schafft es Ora Cogan mühelos alle abgedeckten Bereiche paritätisch zu bedienen – und dabei dennoch eine eigene Identität zum Ausdruck zu bringen. Hier mit Namedropping à la „klingt wie“ arbeiten zu wollen, führte zu nichts, da Ora Cogan so viele musikalische Ideen in ihrer Kunst vereint, dass das dann eher zur Konfusion als zu einem Vergleich führen würde. Noch eine interessante Note: Die Scheibe klingt wie eine aus den späten 60ern, die dann mit den analogen Studiotechniken der 70er eingespielt und mit klanglichen Elementen des 80er Pop ergänzt wurde.
„Hard Hearted Woman“ von Ora Cogan erscheint auf Sacred Bones/Cargo.




