Nein, leichtgewichtig ist das Pfund Federn nicht, das die Black Crowes mit ihrem neuen Album herausschütteln. In nur zehn Tagen haben die wieder versöhnten Robinson-Brüder eine frische Kollektion aus elf Stücken aufgenommen, die vor allem mit herrlich knackigen E-Gitarren aufschlagen, deren Kraft sich auch deshalb entfaltet, da dem Hörer zwischendurch mit countryesk-folkigen Stücken ein entspanntes Zurücklehnen ermöglicht wird.
Bereits das Wiedervereinigungsalbum „Happiness Bastards“ offenbarte den Spaß, den die Brüder an der erneuten Zusammenarbeit erlebten. „A Pound Of Feathers“ steigt mit einem energetischen Riff ein, wie es die Rolling Stones an allerbesten Tagen raushauen. Selbst wenn in dem höllischen Video zu „Profane Prophecy“ Rich Robinson seinen Bruder guillotiniert, rühren sie an anderer Stelle doch gemeinsam ihr (musikalisches) Gebräu zusammen, das immer wieder ihre Liebe zu Led Zeppelin durchscheinen lässt. Nicht umsonst sind die Crowes einst mit Jimmy Page auf Tour gegangen – mit dem Album „Live At The Greek“ als Resultat.
Von straighten Drums vorangetrieben, werden auch Blues-Rock-Songs wie „Do The Parasite!“ und das stampfende „It’s Like That“, das erneut den Stones eine Referenz erweist und mit dem souligen Background-Chor eine Gospel-Schlagseite erhält. Zu „You Call This A Good Time“ könnte auch Mick Jagger über die Bühne zappeln. Der „Eros Blues“ wechselt leise und laute Passagen ab und brilliert mit einem mächtigen Page-artigen Brachialriff. Im Hintergrund jaulen Hammondorgel und jubeln Soul-Stimmen. „Doomsday Doggerel“ startet mit verhalltem Gitarren-Twang, fließt wie Lava und der Gesang klingt phasenweise nach Ozzy Osbourne. Ähnlich gelagert ist „Blood Red Regrets“, das ans Psychedelische andockt. „Cruel Streak“ kommt als weiterer Rocker, der Chris Robinsons unnachahmliche Phrasierung mit dem charakteristischen Stolpern und Stottern sowie den Silben-Dehnungen herausragen lässt.
Das Country-Flair von „Pharmacy Chronicles“ wird durch das Zusammenspiel aus Akustik- und Slide-Gitarre geprägt und fühlt sich ein wenig nach Little Feat an. „High And Lonesome“ schlendert entspannt dahin, lädt unterwegs einen Geiger zum Mitspielen ein. „Queen Of The B-Sides“ lebt von folkiger Rhythmusgitarre, akustischer Slide und Klavier. Relaxen, bevor das Rock-Gewitter wieder losbricht.
Sie seien ohne fertige Melodien und Texte ins Studio gegangen, hatten nur Songskizzen „with a lot of loose ends“ dabei, erklärt Chris Robinson. Die spontane Kreativität scheint die Band beflügelt zu haben. Und der Grammy-dekorierte Jay Joyce, selbst Musiker und von einem Kritiker als „the most influential and hardest-rocking man in Country music“ gelobt, hat die Blues/Rock/Soul/Folk-Melange sowohl mit angenehmer Wärme als auch mit kraftvoller Klarheit produziert. „The Southern Harmony And Musical Companion“ bleibt zwar das Meisterwerk, mit „A Pound Of Feathers“ reißen The Black Crowes die Latte aber nur ganz knapp.
„A Pound Of Feathers“ von The Black Crowes erscheint auf Silver Arrow Records/Bertus.




