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Ein würziges Gumbo
„Die SOS-Serie werde ich den Rest meines Lebens machen“, sagt Marc Broussard. Der 44-Jährige ist ein guter Mensch, stellt den eigenen Profit nicht an erste Stelle und hat inzwischen sein fünftes SOS-Album im Kasten. Einen großen Teil der Einnahmen gehen an Wohltätigkeitsorganisationen, inzwischen in Kooperation mit Joe Bonamassas Stiftung „Keeping The Blues Alive (KTBA)“. Bonamassa hat dann gleich auch das neue, Mitte April erscheinende Album „Chance Worth Taking“ produziert. Das Gumbo, das der aus Louisiana stammende Broussard im Hannoverschen Musikzentrum zusammenrührt, enthält aber keinen Blues in Reinkultur, sondern wird mit den Zutaten Soul, Funk, Rock und Rhythm ‘n‘ Blues serviert. Eine leckere Mixtur.
Der Opener „Fire“ könnte in den Stax-Studios entstanden sein, wo einst der kürzlich verstorbene Gitarrist Steve Cropper und Booker T. & the M.G.‘s den Memphis-Soul prägten. Broussard singt das so eindringlich, dass man dem in Liebe Entflammten die Sehnsucht abnimmt: „Babe, you got me buzzing like wire“. Schwer auf Draht ist der 44-Jährige auch mit dem soulig eingefärbten Südstaatenrock bei „Fire On The Bayou“. Umrahmt wird das Neville Brothers-Stück vom funkigen „Try Me“ und dem Al Green-Cover „Love And Happiness“. Durch das Ineinanderfließen mehrerer Songs entstehen mitunter kleine Jam-Sessions, wenngleich natürlich alles vorher sauber geprobt ist. Vom Debütalbum, das den bärigen Rotbart noch ohne Kinnschmuck zeigt, stammt „Come Around“ dessen Funkiness in James Browns Klassiker hinüberwandert: Devin Kerrigans Bass pulsiert und Broussard nähert sich dem Meister mit rhythmischem Sprechgesang und Kreischen, ohne sich bis zum Exzess zu verausgaben.
Schließlich greift Broussard immer wieder zur Rhythmusgitarre, während Bobby Schneck jr. mit Wah-Wah-Effekten und Slide-Röhrchen einen wunderbaren Swamp-Sound erzeugt oder sich in gleißende Rock-Riffs stürzt. In Frankie Millers „Baton Rouge“ nimmt er sich hingegen zurück. Im Duo mit Broussard treten dessen gefühlvolle Phrasierung und das raue Timbre seiner Stimme besonders in den Vordergrund. „Fever“ ist ein Vorbote des bereits angekündigten Albums „Chance Worth Taking“. Bläser hat Broussard diesmal zwar nicht dabei, aber der mehrstimmige Gesang, in den auch Drummer Terry Scott einstimmt, sowie Bob Fridzemas Orgelschübe machen dies allemal wett. Fridzema begleitete an den Keyboards bereits den amerikanischen Singer/Songwriter Brian Mackey im Vorprogramm und ergänzt das folkige Gewand mit Streicher-Accessoires. Ergänzt um einen zweiten Gitarristen an Akustik- und E-Gitarre bietet Mackey einen sympathischen Auftritt, auch wenn die Songs kaum im Ohr bleiben. Ganz anders bei Marc Broussard, der den Popsong „Give You The World“ seiner Frau Sonya widmet – eine warmherzige Liebeserklärung. Und vertraut klingt natürlich auch Ray Charles‘ „Hallelujah, I Love Her So“.
Broussard ruft, wenn er singt und dazu mit den Armen rührt, Erinnerungen an Joe Cocker wach, erinnert manchmal an Dr. John und entführt die knapp 250 Gäste des gut gefüllten Musikzentrums für eineinhalb Stunden in die Südstaatensümpfe und ins French Quarter von New Orleans. Nach dem Gumbo-Genuss wird mit dem Solomon Burke-Cover „Cry To Me“ ein Dessert als Zugabe serviert, das Broussards kraftstrotzende Stimme noch einmal in ihrer gesamten Bandbreite vorführt. Ein musikalisches Festmahl.




























