Eigentlich hatte sich Lou Rhodes nach der Jahrzehnte-langen On/Off-Beziehung mit Andy Barlow und dem gemeinsamen Trip-Hop-Projekt Lamb und einer Laufbahn als Solo-Künstlerin, im Rahmen derer sie vier Alben mit eher Folk-orientiertem Material veröffentlichte, aus dem Musikbusiness zurückgezogen, um sich mehr auf ihr Familienleben konzentrieren zu können. Als sie indes auf den Songwriter/Pianisten Rohan Heath traf, der mit seinem Projekt Urban Cookie Collective ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hatte wie Rhodes mit Lamb, entwickelte sich dann doch wieder eine kreative Zusammenarbeit, die letztlich zu der Gründung des Projektes Kiiōtō führte.
Auf einer Reise durch Louisiana entstand eine Reihe von Songs, die das Paar dann 2024 in London fertigstellte und letztlich auf dem Debüt-Album mit dem allegorischen Titel „As Dust We Rise“ veröffentlichte. Die Zusammenarbeit zwischen Rhodes und Heath diente aber offensichtlich nicht dazu, die jeweilige eigene musikalische Geschichte gemeinsam fortzusetzen, sondern nach neuen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten zu suchen. Auf dem Debütalbum ging es erst mal darum, sich an eine Sound-Ästhetik heranzutasten, die zumeist darauf beruhte, eine Balance zwischen Heaths Piano-Spiel und Rhodes Vokal-Beiträgen zu finden. Einige Tracks wie „Here Comes The Flood“ oder „Painkiller“ wiesen mit überraschend opulenten, orchestralen Arrangements dann in die Richtung, die nun – auf dem zweiten Album „Black Salt“ zum Prinzip erhoben wurde.
Das führt dann dazu, dass das Sounddesign ziemlich konsequent und absolut modern und zeitgemäß in Szene gesetzt wurde, die organischen Arrangements (elektronische Elemente gibt es in diesem Kontext nicht) stilistisch dann aber retro-mäßig angelegt sind. Inhaltlich suchten sich Lou Rhodes und Rohan Heath – teils von Literatur, Wissenschaft, Philosophie und persönlichem Erleben geprägte – Themen, die am ehesten der eigenen Erleuchtung dienen und die keineswegs klare Geschichten erzählen. Das Paar bezeichnet „Black Salt“ als „Übergangsritus, der weit über die eigene Komfortzone hinausführt“. Das bedeutet vermutlich, dass die musikalische Reise von Kiiōtō noch lange nicht abgeschlossen ist und fortgesetzt wird. Bis dahin haben wir erst mal ein Album, das sich nicht so leicht einordnen lässt – was aber auch gut so ist, da solche meist ja die interessanteren sind.
„Black Salt“ von Kiiōtō erscheint auf Kiioto Records/Kudos.




