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Lieder vom Scheitern
Dylan Young heißt der junge Mann, der an diesem Abend die Anwesenden im Kölner Bumann & Sohn mit seiner Musik fasziniert. Mit seinem Projekt Way Dynamic rennt der australische Senkrechtstarter derzeit auf Festivalbühnen – Maifeld Derby, Orange Blossom Special – allenthalben offene Türen ein, und seine melancholische Melange aus behaglichem Barock-Pop und eigensinniger 70er-Jahre-Nostalgie verzaubert auch im Kölner Bumann & Sohn trotz Pfingstwoche und Temperaturen um die 30 Grad ein erfreulich großes Publikum.
Sir Elton John und Waxahatchee sind schon Fans, und auch sonst sind Way Dynamic derzeit in aller Munde. Keine Frage, ähnlich wie im letzten Jahr Nate Amos und This Is Lorelei hat sich das Soloprojekt des Multiinstrumentalisten Dylan Young aus Melbourne innerhalb kurzer Zeit vom Geheimtipp der lebendigen Naarm-Szene zu einem globalen Liebling der Indie-Connaisseure gemausert.
Grund für die Euphorie ist „Massive Shoe“, das letztjährige Way-Dynamic-Album, das nun auch erstmals weltweit via Jagjaguwar erhältlich ist. Mit der Platte ist Young ein bemerkenswert lebhaftes Indie-Pop-Werk geglückt, das verschiedene Genres miteinander verbindet und mit „Ibiza“, „Miffed It“ oder „If I Was A Dancer“, gleich eine ganze Reihe bemerkenswerter Songs enthält.
Zunächst einmal steht allerdings Liam Parsons auf der Bühne. Der Australier war lange Jahre eine Hälfte des ebenfalls aus Melbourne stammenden Duos Good Morning, das mit seinen Songs zwischen Bedroom-Pop und Slacker-Indie-Rock Hunderte Millionen Streams einheimsen konnte und mehrfach rund um den Globus tourte.
Im Bumann & Sohn steht er allein mit seinem Laptop auf der Bühne und sucht sich dazu praktisch für jedes Lied ein neues Instrument, das er zu den Backing-Tracks spielen kann – Stromgitarre, Bass und Shaker inklusive. Mit Songs, die zwischen 90 Sekunden und neun Minuten lang sind, streift er amerikanische Classic-Rock-Tugenden ebenso wie den zeitlos schönen Jangle-Pop seines Heimatlandes und sorgt so auch ohne ganz große Highlights für einen abwechslungsreichen Einstieg.
Das Stichwort „abwechslungsreich“ kann auch Young für sich beanspruchen, denn Way Dynamic schlagen mit leichter Hand einen Bogen vom Folk-Pop und Soft Rock der 60er- Jahre zu Einflüssen aus Jazz, Country, Art-Rock und No Wave, während seine Lieder vom Scheitern textlich die ungeschönte Realität menschlicher Beziehungen, unvermeidliche Fehltritte und allgegenwärtige Kommunikationsprobleme einfangen.
Dass Young keine Probleme hat, den filigran gewebten, bisweilen wunderbar komplexen Sound seiner Platten auch live auf die Bühne zu bringen, zeigt sich bei seinem 60-minütigen Gastspiel in Köln von Beginn an. Um das zu erreichen, hat er keine Kosten und Mühen gescheut. Nicht nur, dass ihn gleich fünf spielfreudige Mitstreiterinnen und Mitstreitern begleiten (auch Liam Parsons kehrt als Bassist auf die Bühne zurück), auch beim Instrumentarium wird nicht gespart.
Neben dem klassischen Rock-Besteck finden sich an diesem Abend Keyboards, eine Melodica sowie Streich- und Holzblasinstrumente auf der kleinen Bühne wieder, mit denen das Quintett nicht nur Youngs Faible für Barock-Pop betont, sondern hier und da auch in fast schon avantgardistische Sphären abhebt, etwa, wenn bei einer Nummer die Percussion-Instrumente nicht geschüttelt oder geschlagen, sondern einfach wahllos durch den Raum geworfen werden.
Überhaupt wird Perfektion nicht unbedingt groß geschrieben an diesem Abend. Schließlich macht es viel mehr Freude, wenn mehr oder weniger absichtlich eingebaute Schlenker und Fehler für ein breites Grinsen bei allen Beteiligten sorgen.
So sind die Liveversionen nur selten geradlinige Kopie der Plattenaufnahmen. Während Youngs Lieder im Studio oft mit dezenter Zurückhaltung glänzen, entwickeln sie live spürbar mehr Druck und Groove, und überhaupt ist das heimliche Highlight des Konzerts das brillante Spiel mit den Kontrasten. Denn während die bisweilen herrlich ironischen Texte im Stile Randy Newmans oft die Schattenseiten der menschlichen Existenz beleuchten, ist die Musik doch stets hell und strahlend.
Mal glaubt man, dass hier der Perfektionismus von Brian Wilson auf die schräge Verspieltheit eines Mac DeMarco trifft, dann fühlt man sich an Carole King erinnert und auch seine Liebe zu Nick Drake kann Young oft nicht verhehlen. Man könnte auch einfach sagen: Intim, verschmitzt und nicht selten absolut virtuos – Way Dynamic sind an diesem Abend all das.





















