Platte der Woche KW 24/2026
Nachdem Tobi Siebert, Daniel Moheit und Filip Pampuch nach insgesamt sechs Jahren Sendepause mit ihrem 2023er Klez.e-Album „Erregung“ den Pandemie-Schock überwunden hatten, sind wir mit dem nun vorliegenden sechsten Studio-Album von Deutschlands verlässlichsten Depri-Rock-Trio offensichtlich wieder in einem „normalen“ Veröffentlichungs-Modus angelangt. Und das ist gut so – denn das neue Werk kommt mit einer solchen ungezwungenen Selbstverständlichkeit daher, dass es (wie die Bio richtig sagt) „keinen Anlauf und keine Vorrede“ braucht.
Wie gewohnt verlässlich, konsequent und nach wie vor charmant kommen Klez.e auch auf diesem Werk wieder als aufrichtige musikalische Heldenverehrer daher und richten ihre Songs an dem aus, was sie maßgeblich antreibt, mit diesem Projekt überhaupt tätig zu sein. Es gibt die klassischen Cure-Gitarren, Joy Division-Synthesizer, die explodierenden Drum-Attacken Filip Pampuchs (die am deutlichsten machen, dass dieses Album tatsächlich NICHT in den 80ern eingespielt wurde) und die Melodie-Bässe Daniel Moheits. Im Vergleich zu vergangenen Alben gibt es in dieser Hinsicht am meisten Abwechslung – denn mal folgt Monheits der Ästhetik eines Peter Hook, mal jener von Barry Adamson und mal (logisch) arbeitet er im Sinne Simon Gallups. Wie üblich kommen aber all diese Referenzen dermaßen aufrichtig und unschuldig und unprätentiös daher, dass man diese nun wirklich nicht übel nehmen kann.
Bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass es Klez.e in diesem Umfeld immer wieder gelingt, großartige Songs zu schreiben, die ohne weiteres als Instant-Genre-Classics durchgehen könnten. Besonders im Mittelteil der Scheibe sind mit „Call It Love“, „La Boum“ und „Paradies“ Songs versammelt, die mit einer poppigen Leichtigkeit in einer besseren Welt als echte Hit-Kandidaten angesehen werden müssten. Überhaupt Leichtigkeit: Natürlich ist die Musik auf diesem Album nicht wirklich fröhlich – aber immens mitreißend, spielfreudig und auch irgendwie schillernd und schön. Wenngleich auch nicht taghell erleuchtet.
Um Eigenständigkeit müssen sich Klez.e auch auf diesem Album keine Sorgen machen – einfach deshalb, weil sie nun mal auf Deutsch singen und hier einen durchaus poetischen Ansatz pflegen. Besonders hübsch sind dabei die lyrischen Schüttelreime, die sich Tobias Siebert einfallen lässt. In dem Song „Melancholia“ heißt es „Auf meinem Glück brauch’ ich Staub – und Du fegst ihn weg wie morsches Laub“. In „La Boum“ singt Siebert: „Dein Griff in mein Herz ist krass – sommerregenchampagnerblass“ oder „Jede Bad-News-Theorie – zerbricht an unserer Hedonie“. „Ich weiß – immer dieselbe Leier – warum lösche ich meine Nähe zu Dir aus wie ein Killer. Zu Spät auf Deiner Feier – Dein Geburtstag verpasst so oft wie eigentlich immer“ heißt es in „Das eine Treffen im Jahr“.
Mal abgesehen davon, dass Siebert hier virtuos mit Reimschema und Versmaß hantiert, ist es auch bemerkenswert, wie elegant es ihm dabei gelingt, mit Bildern und Metaphern Dinge auf poetische Weise anschaulich auf den Punkt zu bringen, die mit normalem Sprachgebrauch kaum zu erfassen gewesen wären. Das Thema der Scheibe: Im Angesicht sich auftürmender Unbilden aller Art näher zusammenzurücken (wenn man dem Covermotiv folgt, bis dass der Tod uns scheidet) – wird so auch ohne erklärende Worte deutlich.
Unter dem Strich muss diesem Album nun attestiert werden, dass es sich tatsächlich um das bislang stärkste, selbstbewussteste und leichtfüßigste Klez.e -Werk handelt. Nicht schlecht für eine Band, die sich eigentlich den Weltschmerz sozusagen ins musikalische Stammbuch geschrieben hat.
„Einmal mehr mit dir gegen die Furcht“ von Klez.e erscheint auf Windig/Cargo.



