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Take Me Home
Die Frage, wieso nun gerade eine klassische Folkpop-Band aus dem amerikanischen Provinzkaff Bozeman, Montana – wie es die von Frankie Cassidy und Nathan Ross an der Montana State University gegründete Combo Buffalo Traffic Jam nun mal eine ist – mit einer ausverkauften Europatour reüssieren kann, lange bevor das Debüt-Album „Pictures Of You“ überhaupt verfügbar ist, beantwortete sich von selbst mit einem Blick auf das blutjunge Publikum der Generation TikTok im Kölner artheater, das die Band wohl über die heute üblichen viralen Multiplikatoren entdeckt hatte. Das sind die Kinder der Eltern, die in deren Jugend Bands wie Mumford & Sons für sich entdeckt hatten – die zu Beginn ihrer Karriere eine ähnlich gefällige Art der traditionellen Musikkulturverwaltung an den Tag legten, wie nun Buffalo Traffic Jam.
Bevor es mit der Show der für den Live Act um Bassist und Drummer erweiterten Band Buffalo Traffic Jam losging, durfte sich die ebenfalls sehr junge nordirische Songwriterin Niamh McCrystal mit ihrem Köln-Debüt dem erwartungsvollen Publikum präsentieren. Niamh – die erst vor wenigen Monaten begonnen hat, eigene Songs zu veröffentlichen – hat einige Dinge, die für sie sprechen: Ein angenehmes, souliges Timbre mit hohem Wiedererkennungswert, einen dementsprechend emotionalen Gesangsstil, für die Zielgruppe ansprechende, dem Tagebuch entnommene Selbstfindungs-Lyrics (mit einigen charmanten persönlichen Twists, wie etwa einem Pep-Talk für sich selbst oder einem Song für die geschiedenen Eltern) und zumindest adäquate performerische Qualitäten. Aber: Was ihr dann doch ihre sehr überschaubaren Fähigkeiten als Songwriterin betrifft, so sollte sie weniger auf die Leute hören, die ihr – aus welchen Gründen auch immer – erzählen, wie perfekt sie bereits jetzt sei und stattdessen lieber mal einen Songwriter-Kurs mitmachen als zu versuchen, angesagte Pop-Queens zu emulieren (oder Calum Scotts „Dancing On My Own“ zu covern).
Kommen wir mal zu Buffalo Traffic Jam: Es mag ja nun sein, dass die Jungs so ziemlich alle Klischees bedienen, die man sich für eine Americana-Folkpop-Band vorstellen kann und insofern gar nicht die Notwendigkeit zu sehen scheinen, das Genre mit einer experimentellen Agenda anzugehen. Es scheint dabei aber alles in ein ziemlich schlüssiges Gesamtkonzept eingebettet zu sein. Bevor die Show losging, liefen klassische 70s Songs vom Band – von den Doobie Brothers über Van Morrison bis hin zu Neil Diamond und John Denver gab es da wohl jene Acts zu hören, die Cassidy und Ross inspiriert haben könnten, selbst zu Gitarre und Mandoline zu greifen, um sich als Troubadoure zu verdingen.
Das Erstaunliche war dann zu beobachten, wie das Publikum lautstark und textsicher die eingespielten Songs mitsang – und so deutlich mehr Anheizer-Qualitäten auslebte als zuvor Niamh McCrystal. Es hatte dann schon was, junge Leute, von denen zu vermuten gestanden hätte, dass sie sich eher für Taylor Swift, Harry Styles oder Chappell Roan begeistern könnten, stattdessen dabei zu beobachten, wie sie aus vollem Hals „Sweet Caroline“ oder „Take Me Home, Country Roads“ grölten.
Könnte es also sein, dass sich Buffalo Traffic Jam mit einer Art Bildungsauftrag an ihre Fans gewandt haben, um die Fackel für klassisches Songwritertum und analoge, organische Old-School-Tugenden an neue Generationen weiterzureichen? Dafür sprach zumindest die unaufgeregt heitere Art, mit der die Jungs mit beeindruckender Kompetenz ihre eigenen Songs präsentierten – und etwa die Coverversion von „House Of The Rising Sun“ ins Set einbauten. Dieser Song – so erklärte Sänger Frankie Cassidy – sei der Lieblingstrack seiner Oma gewesen und der erste Song, den er auf der Gitarre gelernt habe. Was er dabei außer Acht ließ, ist der Umstand, dass diesen Song jeder, der vorhat, Gitarre zu spielen und sich songwriterisch zu betätigen, als Erstes lernt – weil der nun mal alle Akkordfolgen beinhaltet, die man als Musiker braucht. Auch das passte ins Gesamtkonzept, mittels dem sich Buffalo Traffic Jam als Bewahrer der Tradition anbieten. Song-Titel wie „Take Me Home“, „Forgot Your Roots“ oder „Milestone“, die eben diese Traditionen – zumindest im übertragenen Sinne – beschwören, scheinen diese Theorie zu unterstützen.
Leider bietet das, was die Jungs songwriterisch und performerisch anzubieten haben, noch nicht jene Qualität, die sie wohl selber anstreben. Los ging es mit dem Single-Track „Strangers Of Now“ – einem gefälligen Folkpop-Song mit einem gewissen College-Rock-Unterton, der viele Charakteristika eines typischen BTJ-Songs aufzuweisen hat – und damit einer von vielen gleicher Art ist. Die besagten Charakteristika – Frankie Cassidys charakteristische Reibeisenstimme, von der einem schon alleine durch das Anhören heiser wird, ein charakteristischer Wechsel von zwei Grundakkorden, zwischen denen Cassidy seine Coming-Of-Age-Narrative aufhängt und das folkige Setting bei dem elektrischen Gitarren eine eher untergeordnete und die Mandoline eine erstaunlich präsente Stellung einnimmt, sind die Bestandteile, aus denen die meisten Buffalo Traffic Jam-Songs bestehen. Mal – aber selten – kommt tatsächlich ein dritter Akkord ins Spiel, mal variiert das Tempo – seltener die Dynamik und allgemein werden eigentlich alle Songs – insbesondere natürlich auch der im Zugabenblock gespielte Durchbruch-Song „Fools Gold“ oder der Album-Titeltrack „Pictures Of You“ – auf dem gleichen Energie-Level und mit der gleichen gesanglichen Intensität dargeboten.
Was den Jungs zugute gehalten werden musste, ist aber die Gestaltung der Setlist – denn hier beschränkten sich Buffalo Traffic Jam darauf, die bekannten EP- und Single-Tracks darzubieten – angereichert nur mit wenigen Songs, die sich auch auf dem Album befinden werden. Das hatte zur Folge, dass das auch in diesem Sinne sangesfreudige Publikum die Songs von vorne bis hinten mitsingen konnte, wodurch die Sache dann von der ersten bis zur letzten Minute der Show in eine einzige Party ausartete.
Noch ein Aspekt stand auf der Habenseite: Für die jungen Fans war diese Art von Musik ja wohl durchaus etwas Neues – und die dürften sich ja nun überhaupt nicht daran gestört haben, dass es in den USA hunderte von Bands in der Art von Buffalo Traffic Jam gibt, die auch nicht schlechter oder besser, aber oft origineller sind als die Rednecks aus Montana – nur eben nicht den magischen Triggerpoint erreichen konnten, mit dem sie ihre Popularität über ein dem eigentlichen musikalischen Angebot entsprechendes Maß hinaus steigern konnten.
Da aber Buffalo Traffic Jam offensichtlich aus den richtigen Gründen Musik machen – und dabei ein Genre propagieren, was es im Mainstream alles andere als leicht hat –, ist die hier vorgetragene Kritik in Sachen Originalität dann auch rein geschmäcklerisch zu sehen – und eigentlich auch obsolet. Der Erfolg sei den Jungs also unter dem Strich also auch gerne gegönnt.





















