Neun Alben und kein bisschen leise: Mit ihrem programmatisch „Nine“ betitelten neuen Album untermauern Russian Circles ihren Status als Speerspitze des wortlosen Post-Metals. Die geradezu gnadenlose Intensität, die den 2022 erschienenen Vorgänger „Gnosis“ ausgezeichnet hatte, ist auch auf dem neuen Werk allgegenwärtig, allerdings hebt das Trio aus Chicago das dynamische Wechselspiel von roher Gewalt und atmosphärischer Tiefe jetzt auf ein neues Level.
Schon der Single-Vorbote „Empath“ überrollt das Publikum nach einem trügerisch verhaltenen Intro wie eine tonnenschwere Lawine. „After a few listens through ‚Empath‘, I have come to the conclusion that the new Russian Circles album will, in fact, rupture the earth’s crust from its very core”, schrieb ein begeisterter User auf Reddit, und was sollen wir sagen? Völlig auszuschließen ist das nicht!
Schließlich fängt das in Steve Albinis legendärem Electrical Audio Tonstudio in Chicago aufgenommene und erneut von Langzeit-Kollaborateur Kurt Ballou (Converge, Mastodon, High On Fire) produzierte neue Album von Gitarrist Mike Sullivan, Bassist Brian Cook und Drummer Dave Turncrantz die ungefilterte Energie der Russian-Circles-Liveshows einmal mehr in Vollendung ein und entfaltet dabei eine geradezu physisch spürbare Wucht. Gleichzeitig beweisen Stücke wie das achteinhalbminütige „Eluvial“, das gewissermaßen das Herzstück des Albums bildet, dass die Band auch die Kunst des Spannungsaufbaus perfekt verinnerlicht hat.
Vielleicht auch deshalb hat man beim Hören von „Nine“ nie das Gefühl, dass die Stimmen fehlen, denn letztlich ist es bei Russian Circles gerade der Verzicht auf den Gesang, der für unheilvolle, packende Vibes sorgt. Andere Bands brauchen Hits oder eine ständige klangliche Veränderung, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, Russian Circles hingegen brauchen auf „Nine“ nur brachiale Wucht, um auch ohne Worte zu faszinieren.
„Nine“ von Russian Circles erscheint auf Sargent House/Cargo.




