„Ich hatte das Gefühl, nichts übermäßig erklären zu müssen, und konnte meinen Zuhörern mehr vertrauen“, sagt Sabrina Teitelbaum alias Blondshell über die Arbeit an ihrem neuen Album „Violins“. „Es fühlt sich so an, als käme ich mit jedem Album, das ich mache, dem Werk, das ich wirklich erschaffen möchte, ein Stück näher.“
Statt ihr Heil in grandiosen künstlerischen U-Turns zu suchen, bleibt sich die in Los Angeles lebende, 29-jährige Musikerin deshalb auch auf ihrem inzwischen zweiten Album treu, ohne deshalb nur eine Kopie ihrer bemerkenswerten ersten beiden Veröffentlichungen, „Blondshell“ (2023) und „If You Asked For A Picture“ (2025), abzuliefern, mit denen sie sich in den vergangenen Jahren praktisch aus dem Stand in die erste Riege der Indie-Darlings katapultiert hatte.
Dabei schreckt sie vor einem durchaus schwermütigen Tonfall nicht zurück, wenn sie sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Grausamkeit der Welt mit ihrer Schönheit vereinbaren lässt. Wenn sie sich auf „Violins“ – auch weiterhin oft mit einem Augenzwinkern – mit Themen wie Macht, Sucht oder Körperbild auseinandersetzt, öffnet sie sich für universellere, erwachsenere Themen jenseits der toxischen, destruktiven Liebesbeziehungen, um die ihre Frühwerke bisweilen kreisten.
Die Idee, von sanfter Melancholie umwehte Selbstbespiegelungen in mitreißende Indierock-Hymnen fließen zu lassen, mit denen sie zwischen Riot-Grrrl-Dringlichkeit und ungenierter Pop-Ohrwurmigkeit genau den richtigen Ton trifft, verfolgt sie auch auf „Violins“, feilt aber gemeinsam mit ihrem langjährigen Produzenten Yves Rothman spürbar an den Nuancen.
Wuchtige Brecher wie „Heart Has To Work So Hard“ glänzen mit subtilen Synthesizern, während der groovige Ohrwurm „New Age Trojan Horse“ von einem gnadenlosen Fuzz-Bass vorangetrieben wird. Für das bittersüße Finale „Fur Elise“ – Beethoven lässt grüßen! – stürzt sich Teitelbaum dann ein letztes Mal in das Wechselspiel zwischen Zurückhaltung und Ausbruch, das auch auf „Violins“ immer wieder im Mittelpunkt steht.
Klanglich neigt Teitelbaum dieses Mal aber mehr zu den Extremen. Gerade im Vergleich zu „If You Asked For A Picture“ darf man sich einbilden, dass die sanften Momente dieses Mal zartbesaiteter sind, etwa wenn bei „New Shapes“ eine Akustikgitarre und ihre Stimme in den Folk-Modus wechseln, während die lauten Momente nun bombastischer denn je sind.
Ähnlich wie Snail Mails Lindsey Jordan auf ihrem aktuellen Album „Ricochet“ bedeuten diese subtilen Veränderungen auch für Blondshell eine Hinwendung zu noch mehr Eingängigkeit als bisher, ohne dass man je das Gefühl haben muss, dass sich Teitelbaum dem Mainstream blindlings an den Hals wirft. Ihr Ziel, mit diesen Songs nach großen, starken Melodien zu suchen, die bleibende Wirkung erzielen, erreicht sie so mit beeindruckender Leichtigkeit.
„Violins“ von Blondshell erscheint auf Partisan Records.




