Langsam wird es unübersichtlich im Besetzungskarussell der Death Valley Girls. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen des neuen Albums „Welcome To Earth“ bestand die Band neben Frontfrau Bonnie Bloomgarden aus dem Drummer Bailey Chapman, Gitarristin Laena Myers, Bassistin Alana Amram, Saxophonistin Sarah Safaie, und Keyboarder Gregg Foreman, der aber im April verstarb. Ebenfalls mit dabei war erneut die Teilzeit DGV-Drummerin Laura „The Kid“ Kelsey, die Jazzerin Gretchen Parlato, und nicht zuletzt Exene Cervenka und die befreundete Band Skating Polly, die im Video zu dem Schlüsseltrack „Basis Witch“ ihr Unwesen treiben.
Das alles muss man gar nicht wissen – es erklärt aber die geradezu überbordende Kreativität, die dieses Album befeuert haben muss. Und zwar in des Wortes wahrster Bedeutung, denn der kreative „Zündfunken“ war dann die Erfahrung, die Bonnie Bloomgarden machen musste, als ihr Heim in den letzten kalifornischen Feuersbrünsten abbrannte. Das erklärt dann Songtitel wie „How Losing Everything in the Fire Taught Me to Love Myself“ oder „Fire And Brimstone“, in denen Bloomgarden das Thema – natürlich stets im Kontext des Psychedelischen – abarbeitet.
Musikalisch regiert dieses Mal merkwürdigerweise der Glam-Rock-Sound der 70er Jahre und die Psychedelia der 80er (etwa in Richtung der Psychedelic Furs) – was nicht unerheblich damit zusammenhängt, dass die Saxophonistin Sarah Safaie von der Leine gelassen wurde und sich hemmungslos im ruppigen Soundchaos austobt. Denn natürlich haben die Death Valley Girls nicht verlernt, wie man mit den Besten um die Wette schrammelt und dabei die Psychedelia nicht aus den Augen verliert – Fuzz und Wah-Gitarren wie im Titeltrack inklusive. Eine weitere Besonderheit, die dieses Album auszeichnet, sind die geschickt platzierten Chorgesänge, die Songs wie „Plant Magic“, „Life So Far“ oder „Fire And Brimstone“ einen ganz eigenen Twist verleihen – und die songwriterischen Ambitionen, die die Girls dieses Mal an den Tag gelegt haben, sogar förderlich unterstützen.
Und songwriterisch ist „Welcome To Earth“ sowieso das bislang stärkste Album der kalifornischen Band – und bietet so manches Juwel wie etwa das hypnotische „Fire & Brimstone“, das fast poppige „Baisc Witch“ und die abschließende Disco-Nummer „From The Venus Flower“. Dass die Mädels auf dem Cover das „Sergeant Pepper“-Motiv der Beatles persiflieren, zeigt zudem die besondere Art von Humor, den Bloomgarden & Co. zelebrieren.
„Welcome To Earth“ von Death Valley Girls erscheint auf Suicide Squeeze.




