Es hat eine ganze Weile der Vorbereitung bedurft, bevor sich Sophia Spies mit ihrem Projekt Faira an ihr Magnum Opus heranwagte. Wie bei allen Aspekten, die die künstlerische Laufbahn der Kölner Musikerin betreffen, verweigerte sie sich auch hierbei den gängigen Konventionen und setzte sich gar nicht erst hin, um einen neuen Longplayer am Stück zu basteln. Stattdessen wählte sie einen Weg, den man auch anderen KünstlerInnen ein mal nahelegen sollten. So veröffentlichte sie bereits 2024 die EP „Skies, Waters“, der 2025 die EP „Earth, Earth, Love“ folgte. In diesem Jahr folgte dann eine dritte EP namens „Nest“ auf der Sophie zum ersten Mal auf Deutsch dichtete und sang.
Diese drei EPs erscheinen nun unter dem Titel „Skies, Waters, Whys“ als EP-Trilogie und auf einer Vinylscheibe, auf der die wesentlichen Tracks der drei EPs zusammengefasst werden. Die drei einzelnen EPs (die noch zusätzliche Stücke enthalten, die auf der Vinyl-LP keinen Platz mehr gefunden haben) erscheinen dann noch als Boxed Set mit liebevoll gestaltetem Lyrics-Booklet und Postkarten, die die Faszination Fairas für Themen der japanischen Mythologie zum Ausdruck bringen. Die EPs sind aber nach wie vor auch separat erhältlich (die deutschsprachige EP „Nest“ ist ja gerade erst erschienen.)
Das Spannende an dieser Vorgehensweise ist dabei, dass Faira hier keinerlei künstlerische Kompromisse in Bezug auf die Produktion, Deadlines oder formale Konzepte eingehen musste, sondern ihrer offensichtlich überbordenden Phantasie als Musikerin freien Lauf lassen konnte. Dafür, dass das Material – obwohl unterschiedlich – nicht in Extremen auseinanderfällt, sorgte Produzent Jan Philipp mit dem zusammen Sophia die ganze Zeit über eng zusammenarbeitete.
Das Faszinierende an dieser Vorgehensweise ist dabei der Umstand, dass der Hörer (und in dem Fall wohl eher die Hörerin) so die Entwicklung einer Künstlerin, die sowieso nie um einzigartige künstlerischen Lösungen verlegen ist, über einen längeren Zeitraum auf der Suche nach musikalischen Herausforderungen begleiten kann.
Musikalisch äußert sich das dann folgendermaßen. Auf der ersten EP „Skies, Waters“ sind noch die Folk-Roots zu erkennen, über die sich Faira im Laufe der Zeit in das Songwriter-Metier eingearbeitet hatte – und dabei schon damals nach ungewöhnlichen melodischen, strukturellen und harmonischen Möglichkeiten suchte, ihre Visionen umzusetzen. Auf der zweiten EP „Earth, Earth, Love“ erweiterten Faira und Jan Philipp das Konzept um Prog- und Kook-Pop Elemente, die die Songs in eine neue Richtung „trieben“.
Und auf der gerade erschienenen EP „Nest“ stand die Anwendung der deutschen Sprache im Zentrum. Dieses führte – ohne Quatsch – dazu, dass das Material dankenswerterweise an das deutsche Kunstlied erinnert (das ja hierzulande ein kaum erklärliches Nischendasein führt). Hinzu kommen organische, orchestrale Elemente, Chöre, Streicher und Bläsersounds, die den neuen Songs eine weitere unerwartete Dimension hinzufügen. Dieser Mix funktioniert ausgezeichnet und da sich Sophie als Songwriterin zudem jedweden Regelwerken versagt und stattdessen unbeirrbar ihren eigenen Weg geht, entsteht so ein Klanguniversum, das man so in diesem Jahrhundert auch noch nicht vernommen hat. (Wohl im letzten – aber das ist ja nun auch schon wieder eine Weile her.)
Auch inhaltlich hat Faira so einiges zu bieten. Während es bei den „älteren“ Tracks oft um persönlich gefärbte, poetisch verklausulierte Erfahrungsberichte geht, kamen mit der Zeit immer mehr Referenzen auf die Natur, die Mystik und Esoterik dazu und auf der Nest-EP dann auch noch auf die japanische Mythologie bezogene Fabel-Elemente. Nein – eine klassische Geschichtenerzählerin ist Sophia Spies wirklich nicht. Und das ist auch gut so, denn das wäre ja zu einfach – und „einfach“ kann Faira nicht.
„Skies, Waters Whys“ von Faira erscheint auf Papercup Records.




