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So viel zu entdecken
Der letzte Festivaltag, das letzte Mal dem Wetter trotzen – Rotterdam Ende Oktober scheint es von Jahr zu Jahr schwieriger zu machen, sich keine Erkältung einzufangen; aber das alles kann doch nicht davon abhalten, sich wieder in die Clubs und anderen Spielstätten zu bewegen, um wieder viele neue Bands zu entdecken.
Der für uns letzte Beitrag des The Official Unofficial Festivals war Pyncher aus Manchester, England. Hatte man während des Soundchecks eigentlich eine nette IndieRockPop-Anlegenheit erwartet, kam es beim eigentlichen Auftritt dann doch zunächst etwas überraschend anders. Sam Blakeley, Harvey O’Toole, Britt Dewhurst und Jack Rainbow legten mit einigen doch recht krachigen, sehr rockigen Nummern los, bevor es dann zur Mitte des Sets etwas gemächlicher und melodiöser zuging. Hier ist eine Band definitiv noch auf der Suche nach ihrem ganz eigenen Stil; auf einem guten Weg sind sie auf jeden Fall.
Dann also letzter LOTD-Tag, rüber zum Anabel Club, in dem es im Erdgeschoss eine riesige und absurd hohe Bühne gibt – Nackenstarre inklusive, wenn man zu weit vorne steht. Aber man kann ja immer die Augen schließen und einfach die Musik wirken lassen – Part-Time Model aus Leeds, England, lieferten dazu einen sehr guten Soundtrack. Sängerin Lucy Tessier benötigte zwar zwei bis drei Songs, um warm zu werden, aber was sie dann stimmlich ablieferte, war schlicht beeindruckend. Von entspannten, leisen Passagen bis hin zu lauten, kraftvollen Refrains – alles dabei. Nicht ganz so extrem wie z.B. Ellie Rowsell von Wolf Alice, aber Ähnlichkeiten sind vorhanden. Die Musik von Part-Time Model ist grob gesagt im IndieRockPop beheimatet.
Nebenan im Sahara Club wurde es dann intensiv mit Gwen aus Wales – angetreten mit einem Bassisten und Schlagzeuger, hatte sie den Club direkt von Anfang an mit ihrer ansteckenden Mischung aus Industrial Groove, packendem Rhythmus, kleinen, aber wirksamen elektronischen Einsätzen im Griff – ihr sportives Outfit hatte auch schon so etwas vorausahnen lassen. Eine besondere Note ist zudem die Sprache, denn Gwen singt auf Walisisch, was man auch nicht alle Tage hört. Passt auf jeden Fall zu ihrer kompromisslosen und eindrucksvollen Performance; der Bassist konnte auch keine Sekunde stillstehen – ebenso wenig das Publikum. Eine mehr als runde Sache.
Zurück im Anabel Club waren bereits Tooth aus England dabei, dem Publikum zu beweisen, dass man durchaus sehr amerikanisch klingen kann – ein relativ leichtes Unterfangen, wenn man anscheinend als Band sehr viel Dinosaur Jr. und andere aus dieser Ecke stammende Acts intensiv gehört hat. War jetzt keine besondere Neuheit, hat aber durchaus Spaß gemacht.
Eine Etage höher wurde es melodiöser und entspannter mit Gardens aus Österreich – Luca Celine Müller, Peter Benedikt Mathis, Patrick Stieger und Laura Keiblinger konnten mit ihrem sympathischen Mix aus DreamPop, GitarrenPop und leichter Psychedelia auf ganzer Linie punkten.
Im Barrio Club, ein Haus weiter, absolvierten Bramwell aus England ebenfalls ein mitreißendes Konzert – vor allem Sänger/Gitarrist Tom Grogan konnte nicht stillstehen, kein Wunder bei den Songs aus der IndiePop-/Classic British Pop-Ecke, aber durchaus mit einem recht rockigen Anteil. Avalon Vowles an Bass und teilweise Gesang gibt sich betont cool, Schlagzeuger Sol Drury ist sehr aktiv und Niall Ivie an Gitarre wurde von einem „Bekannten“ der Band den ganzen Auftritt über mit Sprüchen und Bierdosenwurf geärgert. Muss ja eigentlich nicht sein, Niall hat es versucht wegzulächeln. Absolut nicht lachhaft war jedenfalls der ganze Auftritt von Bramwell.
Ein absolutes Highlight und würdiger LOTD-Abschluss (für uns) folgte dann mit girlfriend. aus Irland. Schon beim Soundcheck sehr beeindruckend, und vor allem amüsant die Antwort von Sängerin Hana Lamari auf die Frage nach Reverb und anderen Effekten auf dem Mikro: „Bis auf die letzten drei Songs bitte ein wenig, dann wird eh nur noch geschrien!“ So war es dann auch – ein fulminantes und tosendes Ende sollte folgen. Doch vorab gab es besten Post-Hardcore/Alternative Rock mit hohem Melodieanteil und, wie schon angedeutet, sehr lauten, krachigen und eindringlichen Momenten. Ein einziger Trip durch alle Gefühlswelten. Die Band hat bereits zwei Alben veröffentlicht („To Be Quiet“ von 2023 und „Carousel“ 2026), scheinbar schon viele Konzerte in ihrer irischen Heimat gespielt, denn hier passte einfach alles zusammen – ein absoluter „Wow!“-Moment.
Und damit auch wieder die Bestätigung, dass man immer wieder auf neue und spannende Bands und Musik treffen kann, wenn man nur offen und aufnahmebereit unterwegs ist. Vor allem auf so einem Festival wie dem Left Of The Dial in Rotterdam – hier nochmal ein Kompliment an alle, die daran beteiligt waren. Die Organisation vor Ort, vor, während und nach dem Festival ist einfach toll, alle Bands schwärmen sowieso von der Betreuung. Wenn nur das Schietwetter nicht wäre. Egal, die Musik zählt. Bis zum nächsten Jahr!





















