Brigadoon – das ist dieses schottische Dorf, das man nur alle hundert Jahre sieht und über das dann Hollywood-Musicals geschrieben werden. Oder in diesem Fall vielleicht eine Scheibe, die man nur alle hundert Jahre hört? Auf gewisse Weise ja – und dann auch wieder nicht. Denn einerseits häufen Nick Krgovich, Larissa Love und ihre Kollegen vom kanadischen Projekt P:ano hier Versatzstücke aus 50 Jahren Musikhistorie (mit einer deutlichen Vorliebe für vielschichtige Arrangements und einen gewissen Easy-Listening-Touch) an, als gäbe es kein Morgen mehr – nur taten sie das ja auch immer schon, und sind sie ja nicht alleine in diesem Bestreben. Dennoch: Auf dieser dritten Scheibe sind die bislang in Form von freien Radikalen herumschwirrenden Ideen in soliden Songstrukturen verhaftet worden. Zwar hängt der Sache immer noch eine Art Kasperltheater-Ästhetik an, aber die Sache hat zumindest ein Ziel und die Einflüsse – allen voran die Beach Boys der Pet Sounds Ära – werden zwar klar beim Namen genannt, aber nicht missbraucht. Und dass P:ano es ernst meinen, wird durch den empathischen – ja inbrünstigen – wechselseitigen Gesang deutlich. Für Freunde verspielten, unsteten, spinnerten, aber sympathischen Retro-Pops ist dieses Werk ergo zu empfehlen.
„Brigadoon“ von P:ano erscheint auf Acuarela/Rough Trade.




