In einer gerechten Welt müsste Grayson Capps einer der ganz Großen sein und – zumindest nach diesem Album – in einer Reihe mit Townes Van Zandt, Nick Cave oder Steve Earle genannt werden. Bei uns ist Capps immer noch so eine Art Geheimtipp, obwohl er in der Americana-orientierten Singer / Songwrter-Szene schon seit Jahren seine Duftmarken setzt. Capps zeigt seine Fähigkeiten dabei weniger als Innovator, sondern als empathischer Songwriter, der sich in bestimmte Szenarien dergestalt einzudenken vermag, dass er jeweils wie der Gründervater des jeweils gewählten Stiles klingt. Mag sein, dass das so ist, weil der Mann auch schauspielert. So beackerte er bereits die Bereiche Country-Folk und New Orleans Swing. Auf seinem neuen Werk entdeckt er auf ein Mal die Faszination von Moll-Akkorden und liefert eine beeindruckende Sammlung düsterer Außenseiter-Balladen in der Art der o.a. Kollegen ab – mal akustisch, mal druckvoll, aber immer atmosphärisch ausbalanciert und von epischer Größe, aber ohne opulenten Schnickschnack – umsichtig (und im Sinne von Capps Live-Sond) produktionstechnisch eingefangen von Trina Shoemaker. Die im Titel angedeutete schmutzige, verrottete Unterseite des Rock steht dabei weniger für den musikalischen Stil, als die hier gebotenen Außenseiter-Stories. Mit „Rott’n’Roll“ gelingt Capps sein bislang überzeugendes Album.
„Rott’n’Roll“ von Grayson Capps erscheint auf Hyena/Rough Trade.




