Billy Smith und Elizabeth Liddle wachsen in zwei nordenglischen Städtchen nur 25 km voneinander entfernt auf. Smith sucht eine Sängerin, sie hören zusammen Platten und entdecken ihre gemeinsame Liebe für Softrock, Americana und Folkpop der 1970er-Jahre. Der Titel ihres Debütalbums „Songs For The Desert“ wirkt wie eine Hommage an den West Coast- und Laurel Canyon-Sound. Dennoch kommen die Kompositionen von Smith & Liddle keineswegs epigonal daher, bestechen sie durch so viele hübsche Arrangements, dass diese Musik auch heute ihren Platz hat. „Minute Ago“ und vor allem „Eyes On You“ könnten aus der „Rumours“-Phase von Fleetwood Mac stammen mit Robb Maynards treibendem Schlagzeug-Beat und dem Buckingham/Nicks-artigen Gesang.
Der Yacht-Rock von „Down The Hole Again“ schaukelt entspannt durch karibische Gewässer mit angedeuteter Latin-Percussion. Den „New Day“ hätten auch die Doobie Brothers aus der Michael McDonald-Zeit begrüßen können. Exemplarisch hier Smith‘ geschmackvolles Gitarrensolo im Mittelteil. Für das folkige „The Moon Does Slide“ greift Smith zur Akustikgitarre und Emma Robson erweitert das Vokalduo, sodass die Stimmen wunderbar ineinanderfließen. In „No Place“ wimmert eine Gitarre in der Ferne, Fingerpicking an der akustischen Gitarre, ein paar Synthie-Streicher.
Die Einladung in „Stay A While“, ein wenig zu bleiben, möchte man nicht ausschlagen, erinnern die coolen Vibes doch entfernt an Steely Dan. Am Ende des begleitenden Videos wird ein Köfferchen geöffnet, in dem die „geheime“ Formel für Smith & Liddle-Songs versteckt ist: „cheesy lyrics, too many guitar solos, fade out endings, drum fill intro on every song, reference ‘Michael McDonald‘, the secret egg shaker, key change in middle eight“. Die Selbstironie können sich die beiden leisten, fügen sich all diese Zutaten doch so wunderbar zusammen. Denn natürlich ist das alles große Kunst, die mit leichter Hand serviert wird. Und „Stay A While“ wird natürlich nicht ausgeblendet.
Nichts drängt sich auf, obwohl es viel zu entdecken gibt: Hier eine Ukulele, dort ein Vibrafon. Smith selbst ist vor allem für die Saitenarbeit zuständig, Liddle spielt Klavier, Phil Richardson Piano, B3-Orgel und Wurlitzer, Josh Ingledew Synthesizer und Keyboards. Trotzdem behalten die Songs eine schwebende Leichtigkeit. So hat ein Song wie „Piece Of You“ allerlei Breaks, die Raum geben für Percussion und die sich umtanzenden Stimmen von Smith & Liddle.
Dass die beiden bei dem Hamburger Label Légère Recordings untergekommen sind, überrascht wenig, fühlen sich hier doch auch Bands wie Young Gun Silver Fox zu Hause. Easy Listening für Anspruchsvolle mit einem Schuss Eskapismus. Passend dazu singt Liddle bei „In A Haze“: „I can’t hear it anymore / Show me the way to better days / Oh won’t you come and hold me / The way you did before / Give it time and listen to your heart again.“ Ein banales Rezept, das uns allen guttun würde.
Live sind Smith & Liddle am 21. Mai 2026 in der Hamburger Nochtwache zu erleben. Weitere Auftritte in Deutschland dürfen sich gern anschließen.
„Songs For The Desert“ von Smith & Liddle erscheint auf Légère Recordings/Broken Silence.




