Mit dem Grammy-nominierten, letzten Album „Light Verse“ befreiten sich Sam Beam und seine Musikanten 2024 aus den Schatten der Pandemie und präsentierten eine vergleichsweise heitere, leichtfüßige und ¥hoffnungsvolle Version des Iron & Wine-Universums. Bei den Sessions zu diesem Album entstanden dann bereits Skizzen zu weiteren Songs, die nun auf dem achten Album mit dem absurden Titel „Hen’s Teeth“ zusammengefasst werden – das somit eine Art Companion-Piece zu „Light Verse“ darstellt. Wie Sam Beam einräumt, ist dieses allerdings im Ton wieder etwas gedämpfter und bodenständiger angelegt – auch wenn es hier wie da um poetischen Eskapismus gehen mag.
Musikalisch äußert sich das weniger dadurch, dass Beam & Co. – teilweise in derselben Besetzung wie 2024 – radikal etwas anderes machten, sondern dadurch, dass das Line-Up durch gleich mehrere Gast-Vokalistinnen ausgeweitet wurde. So geben Sarah Jarosz, Aoife O’Donovan und Sara Watkins (die mit ihrem gemeinsamen Allstar-Projekt I’m With Her ja in dieser Hinsicht geübt sind) zwei Gastspiele bei den Songs „Robin’s Egg“ und „Wait Up“ und Arden Beam (eine der fünf Töchter von Sam Beam) debütiert als Harmonie-Sängerin auf vier weiteren Songs. Alles in allem verleihen diese Beiträge dem ganzen Projekt eine angenehm versöhnliche, feminine Note. Ein weiterer Akzent, der das Album musikalisch auszeichnet sind die Streicher-Beiträge, die der Sache im Zusammenspiel mit den erwähnten Harmonie-Gesängen und nicht zuletzt den akustischen Gitarrenarrangements und der gleichfalls akustisch ausgelegten Rhythmusgruppe eine Art hippieskes Chamber- und Dreampop-Feeling verleihen.
Das ist dann gar nicht unähnlich dem, was Beam & Co. bislang auch schon machten – wird aber wie durch ein theatralisches Kaleidoskop betrachtet. Wenn die Bio dann Van Morrisons „Astral Weeks“ als Referenz anführt, dann liegt das vermutlich eher an der heiteren Gelassenheit, mit der die Musiker hier zu Werke gehen als an musikalischen Ähnlichkeiten.
Der Titel des Albums „Hen’s Teeth“ zeugt dabei vom skurrilen Humor Sam Beams – denn wie jeder weiß, haben Vögel keine Zähne (außer vielleicht Donald Duck, wenn er erregt ist). Der Titel des Albums steht also für etwas, was es eigentlich nicht gibt. In seinen Lyrics ergeht sich Bean in eigenartigen Aphorismen von Individuen, die auf der Suche nach Gemeinsamkeiten in der Natur aufzugehen scheinen, bis die eigene Identität sich auflöst. Der Meister selbst – so suggeriert das Artwork und die Pressefotos – sieht dabei die Welt um sich herum vor lauter Federn nicht mehr. Nun – es muss ja nicht alles in der Realität fundiert sein, was Sam Beam macht. Ohne Frage werden Iron & Wine-Fans viel Spaß mit diesem Album haben.
„Hen’s Teeth“ von Iron & Wine erscheint auf Sub Pop/Cargo.




